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Jugendliche GewalttäterGewalteinbruch in die Idylle

In Potsdam gibt es nach brutalen Attacken von Jugendlichen heftige Diskussionen. Die AfD versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen.

In Potsdam hält die Diskussion über aktuelle Vorfälle von Jugendkriminalität an. Auch bei dem am Mittwoch von der Brandenburger Polizei vorgestellten „360-Grad-Sicherheitszentrum“ spielte das Thema eine Rolle: Das neue Lagezentrum soll nicht nur Angriffe auf die kritische Infrastruktur und Drohnensichtungen, sondern auch Jugendgewalt im Blick haben, hieß es dort.

Ausgelöst wurde die Debatte Ende September an einem Ort, der gefühlt, aber gar nicht politisch zu Potsdam gehört: in Kohlhasenbrück, einer knapp 600 Meter langen und 200 Meter breiten Ausdehnung Berlins südlich des Teltowkanals, gleich am Griebnitzsee. Es ist eine lauschige und nicht gerade niedrigpreisige Wohngegend, deren Bebauung großteils nahtlos ins Brandenburgische übergeht.

Dort wurden drei Potsdamer Gymnasiasten, 17 und 18 Jahre alt, nach Polizeiangaben von einer Gruppe von 15 bis 20 Jugendlichen angegriffen. Der 18-Jährige wurde demnach mit dem Kopf gegen ein Auto geschlagen. Laut Tagesspiegel musste er tagelang auf der Intensivstation behandelt werden.

Ein später veröffentlichtes Foto vom Asphalt auf der Brücke über den Teltowkanal zeigte noch erkennbare Blutflecken. In den folgenden Tagen kam es zu weiteren Überfällen, diesmal tatsächlich auf Potsdamer Stadtgebiet. Im Stadtteil Schlaatz wurde ein 19-Jähriger ebenfalls am Kopf verletzt und musste ins Krankenhaus.

Starker Kontrast zwischen Idylle und Gewalt

Es waren nicht die ersten Fälle dieser Art. Für besondere Aufregung sorgte offenbar der Kontrast zwischen Brutalität und der Idylle an Griebnitzsee und Teltowkanal. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) spricht davon, dass die Polizei seit 2024 vermehrt migrantisch geprägte Jugendgruppen als Täter ausmache. Die AfD trug das Thema vorige Woche in den Landtag, beantragte eine Aktuelle Stunde und sah die Überfälle als Folge einer aus ihrer Sicht gescheiterten Migrationspolitik. Seine Heimat werde „zerstört und mit Fremden geflutet“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch.

Hohloch spielte erkennbar auf ein neues, ungewohntes Bild von Potsdam an. Die stark gewachsene 190.000-Einwohner-Stadt galt zumindest oberflächlich betrachtet als idyllisch zwischen Wasser, Wald und Schlössern gelegene Landeshauptstadt mit allen Großstadtannehmlichkeiten, aber ohne die vielfältigen Probleme des benachbarten Berlins. Das war genauer betrachtet durchaus nicht so, doch dieses Bild scheint nun auch an der Oberfläche einen Riss bekommen zu haben.

Laut Innenminister Redmann sind zwei mutmaßliche Hauptakteure des Überfalls in Kohlhasenbrück in Untersuchungshaft. In der Landtagssitzung hatte Redmann auch davon gesprochen, ausländische Täter nach Möglichkeit in ihre Herkunftsländer zurückzuführen. „Wer nach Deutschland kommt, einfach keinen Respekt vor Deutschland hat, dem werden wir das nicht durchgehen lassen.“ Nach seiner Einschätzung geht es den Tätern nicht um einzelne Übergriffe, sondern darum, wer das Sagen auf der Straße und auf Schulhöfen habe. „Die Machtfrage ist gestellt, der Rechtsstaat beantwortet sie“, sagte Redmann.

Potsdams OB: Motiv ist Machtausübung

Ähnlich sieht das Potsdams parteilose, vor einem Jahr mit Grünen-Unterstützung ins Amt gekommene Oberbürgermeisterin Noosha Aubel. „Das Motiv scheint Machtausübung zu sein“, sagte sie jüngst der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe sich dazu auch mit der Polizei ausgetauscht. Es gehe nicht in erster Linie darum, Beute zu machen und an Geld zu kommen, sagte Aubel.

Starke Reaktionen hat währenddessen auch ein brutaler Angriff von Jugendlichen auf einen Schüler in Frankfurt (Oder) ausgelöst. Ein Video soll zeigen, wie dem Schüler, schon am Boden liegend, gegen den Kopf getreten wird. Tatverdächtig sind laut Polizei zehn Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren mit deutscher, polnischer, russischer und syrischer Nationalität.

Konsequenzen drohte in diesem Fall nicht allein der CDU-Innenminister an, sondern auch sein SPD-Vorgänger René Wilke, der seit dem Frühjahr das Arbeits- und Sozialministerium leitet. „Wer für Unsicherheit in unserem Land sorgt, kann sich nicht auf die Unsicherheit in seinem Herkunftsland berufen“, schrieb der auf Instagram. Er sei bereit, neue Möglichkeiten „zur Aberkennung eines Schutzstatus oder zur Aufenthaltsbeendigung konsequent auszuschöpfen“.

Zu Frankfurt (Oder) hat Wilke eine besonders enge Beziehung: Er war von 2018 bis 2025, als er Innenminister wurde, Oberbürgermeister der Stadt, erst als Linkspartei-Mitglied, seit 2024 als Parteiloser. Ein Sprecher der örtlichen Polizei sah für Frankfurt vorige Woche noch keine grundsätzliche Gewaltentwicklung. „Wir reden im Moment über einen Einzelfall, der sehr drastisch ist.“

500 Menschen bei AfD-Kundgebung

Nach der Attacke hatte die AfD in Frankfurt zu einer Kundgebung aufgerufen, an der sich am Dienstagabend etwa 500 Menschen beteiligten. Die AfD sprach von „Migrantengewalt“, die örtliche CDU kritisierte das als „politische Stimmungsmache“. Die Polizei prüft, ob es dabei rassistische Vorfälle gab. Dabei geht es auch um Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden der AfD im Brandenburger Landtag, Hans-Christoph Berndt. Eine angemeldete Gegenveranstaltung kam nicht zustande.

Von Innenminister Redmann hieß es am Donnerstag: Er halte nichts davon, den Migrationshintergrund der Tatverdächtigen zu verschweigen. „Wir sehen da schon einen Zusammenhang, der auch sicherlich darin beruht, dass Integration nicht so funktioniert hat, wie wir uns das alle miteinander gewünscht hätten.“

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