Israelischer Angriff im Jemen: Fast das ganze Huthi-Kabinett ist tot
Mit seinem Luftangriff in der Kapitale Sanaa schaltet Israel über zehn Minister der jemenitischen Miliz aus. Nun beginnt eine Welle der Festnahmen im Land.

Die Angriffe begannen am Nachmittag des vergangenen Donnerstags, 28. August, und umfassten wohl mehr als 15 Präzisionsschläge auf einen Ort. An diesem traf sich lokalen Berichten zufolge das Vorbereitungskomitee der Huthis für den Geburtstag des muslimischen Propheten – eine der größten jährlichen Mobilisierungsveranstaltungen der Gruppe seit ihrer Machtübernahme in Sanaa im Jahr 2014. Dieses Jahr war sie für Anfang September geplant.
Zunächst bestritten die Huthis jegliche Verluste. Sprecher Nasr al-Din Amer beharrte darauf, dass Israel „ausschließlich zivile und Wohnanlagen“ angegriffen habe. Die Maßnahmen vor Ort sprachen jedoch eine andere Sprache: Die Bewegung riegelte zwei Tage lang ganze Stadtteile rund um den Ort des Angriffs ab, schloss das Militärkrankenhaus und verwehrte den Zugang, nachdem die Leichen der Toten und Verwundeten abtransportiert worden waren.
Angriff könnte vor allem symbolischen Effekt haben
Die Huthis bestätigten schließlich offiziell den Tod von al-Rahwi und mehr als einem Dutzend Ministern, darunter: Mohammed al-Madani (lokale Verwaltung), Hashem Sharaf al-Din (Information), Mohammed al-Mawloud (Jugend und Sport), Jamal Amer (Auswärtige Angelegenheiten), Hassan al-Saadi (Bildung), Samir Bajala (Soziales), Mujahid Abdullah (Justiz), Ali Saif (Energie), Mohammed Quhim (Verkehr und öffentliche Arbeiten), Moeen al-Mahaqri (Wirtschaft und Industrie), Abdelmajid al-Murtada (stellvertretender Innenminister), Fares al-Dhahiani (Kabinettsnachrichtendienst) und Ali Jarallah al-Yafei (Kultur und Tourismus). Mit diesem Angriff hat Israel fast das ganze Kabinett der Huthis ausgeschaltet; es bezeichnete die Operation als „präzisen Schlag“ und als Beginn einer größeren Kampagne.
Der Verlust könnte jedoch weitgehend symbolisch bleiben. Das Kabinett fungierte vor allem als Fassade, die tatsächliche Macht lag bei rangniedrigeren Persönlichkeiten: Einer von ihnen, Mohammed Muftah, hatte schon seit längerem das Büro des Premierministers übernommen. Und wurde nach dem Tod al-Rahwis nun auch offiziell zum Übergangs-Premierminister ernannt.

Der jemenitische Militäranalyst Ali al-Dhahab sagt: Die Bedeutung des Angriffs für Israel liege in der Störung der administrativen und politischen Führung der Huthis. Die operativen Kapazitäten im Bereich Raketen und Drohnen seien nicht direkt betroffen. Mahdi al-Mashat, Vorsitzender des Obersten Politischen Rates der Houthis, bezeichnete den Angriff als reinen „Glücksfall“ und prophezeite Israel „düstere Zeiten“.
Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen der Huthis
Die Reaktion der Huthis auf den Angriff folgte prompt: Eine Welle von Verhaftungen in Sanaa, sowie den Städten Dhamar und Amran, verbunden mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen für hochrangige Beamte. Es scheint, dass die Bewegung weitere israelische Angriffe auf Infrastruktur und zivile Ziele erwartet hatte – nicht aber einen direkten Anschlag auf ihre politische Führung.
Der Slogan der Huthis lautet: „Tod den USA, Tod Israel, Fluch auf die Juden“. Sie begannen im November 2023, kurz nach dem Angriff der Hamas auf Südisrael am 7. Oktober, Israel und den Schiffverkehr im Roten Meer zu attakieren. Der israelische Luftschlag vom Donnerstag war bislang der tödlichste Angriff für die Houthis. Er übertraf alle bisherigen Attacken, einschließlich derjenigen der USA und Großbritanniens.
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