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Islamistischer Terror in NigeriaNigerias Armee beendet Massengeiselnahme von Kindern

Mitte Mai hat die islamistische Terrorgruppe Boko Haram in drei Schulen weit weg von ihrem Kerngebiet zugeschlagen. Nun greift Nigerias Armee erfolgreich ein.

Nach 56 Tagen hat Nigerias Armee eine der aufsehenerregendsten Massenentführungen des Landes gewaltsam beendet. Eine „sorgfältig geplante“ Militäroperation, so ein Militärsprecher am Samstag, habe am Vortag die erfolgreiche Befreiung aller im Bundesstaat Oyo entführten Schüler und Lehrer erwirkt. Es seien innerhalb des vergangenen Monats auch „die Netzwerke und logistischen Verbindungen der für die Geiselnahmen verantwortlichen Terroristenführer, einschließlich ihrer Informanten und Verstecke, gesprengt und auseinandergenommen“ worden.

„Die Kinder und Lehrer sind gerettet, lebend und unversehrt“, bestätigte Nigerias Präsident Bola Tinubu am Samstagabend. Es seien keine Zugeständnisse gemacht worden. Die Armee sagte, es habe „Opfer“ auf beiden Seiten gegeben.

Am 15. Mai waren 39 Kinder im Alter zwischen zwei und 16 Jahren sowie sieben Lehrkräfte und Betreuer bei Überfällen auf zwei Grundschulen und einen Kindergarten in den Dörfern Esiele und Yawota in der Gemeinde Oriiere des Bundesstaates Oyo von Bewaffneten verschleppt worden.

Seither fehlte von ihnen jede Spur. Es war in Nigeria eine politisch angespannte Zeit. Nur einen Tag später griffen die USA mit gezielten Luftangriffen in den Krieg gegen islamistische Terrorgruppen im Norden Nigerias ein. Nigerias Politiker waren derweil vor allem mit der Frage beschäftigt, wer zu den Präsidentschaftswahlen 2027 kandidiert. Erst nach einigen Tagen erklärten die nigerianischen Behörden, dass die Entführungen in Oyo das Werk von Boko Haram waren. Die islamistische Terrorgruppe wolle damit inhaftierte Mitglieder freipressen, hieß es.

Nigerias Südwesten ist vom Krieg sonst nicht betroffen

Massenentführungen von Schulkindern, meist gegen Lösegeld, hat Nigeria schon häufig erlebt, aber diese hier erregte besonderes Aufsehen, weil sie in einer ansonsten bisher friedlichen Region geschah. Der Bundesstaat Oyo mit der Hauptstadt Ibadan liegt im dichtbesiedelten Südwesten Nigerias im Kernland der Yoruba-Bevölkerungsgruppe – Oyo war ein vorkoloniales Yoruba-Königreich – weit weg von den historischen Hochburgen Boko Harams in Nigerias nordöstlichen Savannen. Sollten sich bewaffnete Gruppen hier festsetzen, hätten die kriegsähnlichen Zustände, die in vielen entfernten Landesteilen herrschen, abrupt die Mehrheit der Bevölkerung direkt erreicht.

Die Angst davor hatte nach diesen Entführungen für landesweiten Protest gesorgt. Die Lehrergewerkschaft von Oyo rief zum unbefristeten Streik ab 1. Juni auf: Die „brutale und unmenschliche“ Massenentführung, so die Gewerkschaft, „hat Angst und Verzweiflung unter den Lehrkräften gesät, Eltern davon abgehalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und Panik und Spannungen in allen Gemeinschaften hervorgerufen“. Globales Aufsehen erzeugte der nigerianische Afrobeat-Star Davido. Er erklärte den Gekidnappten seine Solidarität, als er bei seinem Auftritt im Rahmen des Fifa-Konzerts zum Fußball-WM-Countdown in Los Angeles am 10. Juni einen Anstecker mit den Namen aller Entführten auf seinem Jackett und der Parole „Bring Them Home“ auf dem Rücken trug.

Nationalpark als Rückzugsgebiet

Der Boko-Haram-Konflikt sorgt in Oyo für Spannungen, seit die islamistische Terrorgruppe im Jahr 2013 zehn Händler aus Oyo getötet hatte. Laut einer Studie der Universität Ibadan mieden die Yoruba-Händler der Stadt daraufhin Reisen nach Nordnigeria. Das ließ Marktlücken, die von anreisenden nordnigerianischen Händlern gefüllt wurden, was zu neuen, auch mit der Waffe ausgetragenen Konkurrenzsituationen führte.

Die Orte der jetzt beendeten Entführungen liegen in der Nähe des Nationalparks „Old Oyo“ im Norden des Bundesstaates. Überall in Westafrika dienen Nationalparks, die Orte der letzten intakten Wälder der Region, mittlerweile als Rückzugsgebiete für bewaffnete Gruppen. Parkwächter hatten nach den Entführungen berichtet, sie hätten schon länger Gruppen von Fremden auf Motorrädern im Park beobachtet. Bei der Militäroperation hat die Armee nun nach eigenen Angaben Terrorstützpunkte im Nationalpark ausgehoben.

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