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Islamistische Miliz im SahelAl-Shabaab ist in Kenia auf dem Vormarsch

Die somalische Miliz Al-Shabaab bedroht nun die ganze Region. Auch, weil sie verstärkt mit der Iran-unterstützten Huthi-Miliz im Jemen kooperiert.

Simone Schlindwein

Aus Kampala

Simone Schlindwein

Erneut hat die somalische Miliz Al-Shabaab kenianische Polizisten in einen Hinterhalt gelockt. Dabei sind am Dienstag fünf Polizisten einer speziell ausgebildeten Antiterroreinheit ums Leben gekommen; dies teilte Kenias Polizei am Mittwoch mit. Eine Patrouilleneinheit sei zunächst in einen Hinterhalt nahe dem Ort Wantey Dam im kenianischen Bezirk Mandera hineingefahren und riefen Verstärkung. Als eine weitere Einheit angefahren kam, explodierte eine Bombe. Das ist eine typische Taktik der Al-Shabaab, die sich als Mitglied des Islamischen Staates sieht – und dessen Methoden sich die somalischen Kämpfer angeeignet haben.

Dies ist nicht der erste Angriff der somalischen Miliz in Kenia in den vergangenen Wochen. Der kenianische Verwaltungsbezirk Mandera liegt genau entlang der Grenze zu Somalia, ganz im Nordosten Kenias. Kenianische Spezialeinheiten hatten in Mandera Mitte Juli ein Al-Shabaab-Camp ausgehoben und laut eigenen Angaben 11 Milizionäre getötet, die mutmaßlich gerade einen Angriff auf kenianische Dörfer planten. 11 Tage später revanchierte sich Al-Shabaab mit gleich zwei Attacken auf kenianische Dörfer in Mandera.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten treibt die islamistische Miliz in Somalia ihr Unwesen, griff in der Vergangenheit auch immer wieder Kenia an. Seit 2011 sind kenianische Spezialeinheiten entlang der Grenze direkt in den Kampf gegen Al-Shabaab verwickelt, waren zu jener Zeit auch innerhalb der somalischen Grenze aktiv, um die Miliz von der Grenzregion zurückzudrängen.

Mithilfe von ugandischen und burundischen Peacekeeping-Einheiten unter einem Mandat der Afrikanischen Union (AU) war es Somalias Armee in den Jahren 2022 bis Ende 2023 gelungen, die Miliz aus der zentralen Region Somalias zurückzudrängen. Seit dem vergangenen Jahr sind die Al-Shabaab-Kämpfer jedoch wieder auf dem Vormarsch. Sie hätten ihr angestammtes Gebiet quasi zurückerobert und greifen nun vermehrt auch wieder jenseits der Grenzen an, so der jüngste Bericht der Internationalen Crisis Group zu Al-Shabaab von Ende Juni.

Al-Shabaab nutzt die politische Krisenlage im Land aus

Grund für das erneute Erstarken der Miliz ist wohl, dass es der Regierung in der Hauptstadt Mogadischu an einem mittelfristigen Plan fehlt, wie sich die Sicherheit landesweit konsolidieren könne. Seit Beginn des Jahres ist die politische Elite um Präsident Hassan Sheikh Mohamud mit einer internen politischen Krise beschäftigt: Die Amtszeit von Präsident Mohamud war offiziell im Mai zu Ende gegangen; Neuwahlen werden mit dem Argument verschleppt, man müsse eine Verfassungsreform vollziehen sowie das Wahlsystem überholen. Im Juni war es in Mogadischu sogar zu Kämpfen zwischen der Armee und bewaffneten Milizen gekommen. Vor allem die Al-Shabaab-Miliz nutzt jetzt die politische Krise im Land aus, um wieder Fuß zu fassen.

Laut UN hat die Huthi-Miliz Kämpfern von Al-Shabaab den Umgang mit Kamikazedrohnen beigebracht, ihnen Waffen und Munition verkauft

Die selbst deklarierte Republik Somaliland sowie die Region Puntland haben sich in jüngster Zeit vor dem Hintergrund der Verfassungskrise in Mogadischu noch einmal verstärkt von der Zentralregierung losgelöst.

Al-Shabaab kooperiert mit der Huthi-Miliz in Jemen

Al-Shabaab kooperiert derzeit wieder verstärkt mit der Huthi-Miliz in Jemen. Dabei geht es um die strategische Kontrolle im Roten Meer und am Golf von Aden, eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Laut Ermittlern der Vereinten Nationen hat die jemenitische Huthi-Miliz im vergangenen Jahr den Kämpfern der Al-Shabaab den Umgang mit Kamikazedrohnen beigebracht, ihnen Waffen und Munition verkauft.

Mitte Juli hatten Huthi-Milizionäre vor der Küste Jemens den tansanischen Öltanker „Asana“ gekapert und ihn vergangene Woche an somalische Piraten von Al-Shabaab übergeben. Jetzt liegt er vor der somalischen Küste. Unter den 20 Crewmitgliedern sind auch sechs deutsche Seefahrer; sie werden von Al-Shaabab nun als Geiseln gehalten. Laut einem im Februar veröffentlichten Bericht des renommierten Research-Instituts „Saldhig“ in Mogadischu könne diese strategische Partnerschaft den Welthandel durch das Rote Meer weiter beeinträchtigen.

Die Peacekeeping-Mission hat ein Finanzierungsproblem

Vor diesem Hintergrund treffen sich in Ugandas Hauptstadt Kampala diese Woche politische und militärische Akteure, um ein mögliches Fortbestehen der AU-Peacekeeping-Mission AUSSOM (African Union Support and Stabilisation Mission in Somalia) in Somalia zu besprechen. Ugandas Armee ist seit zwei Jahrzehnten in der AU-Mission in Somalia aktiv, ebenso burundische Einheiten.

Doch AUSSOM hat ein Finanzproblem. Die US-Regierung unter Donald Trump hat angekündigt, sie werde die Mission nicht weiter mitfinanzieren. Die AUSSOM-Mission, deren Logistik zum Großteil von der UNO finanziert wird, muss im Dezember erneut im UN-Sicherheitsrat in New York beschlossen werden. Die USA haben angekündigt, sie werde dafür kein grünes Licht geben.

Jetzt steht die Frage im Raum, ob sie überhaupt fortgeführt werden kann – beispielsweise mit 100-prozentiger Finanzierung durch die Afrikanische Union. Ugandas Generalstabschef Muhoozi Kainerugaba erklärte in Kampala: Die Zukunft der Mission hänge „von der Qualität der Entscheidungen ab, die wir in solchen Momenten treffen“.

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