Inverstor:innen-Konferenz „Super Return“: Wenn die Altersvorsorge dein Krankenhaus kauft
Eine Woche lang findet in Berlin eine der weltweit führenden Konferenzen für Private Equity statt. Zum ersten Mal begleitet von Protest.
Rollkoffer, blaue Anzüge und das Handy am Ohr, steigen sie aus Taxen und fetten Autos – die Besucher:innen der Investorenkonferenz Super Return sehen aus, wie man sie sich vorstellt. Am Montagmorgen pilgern sie in das InterContinental-Hotel in Berlin-Mitte.
Einmal jährlich kommt die internationale Finanzelite in Berlin zu einer der größten Konferenzen der Branche zusammen. Rund 8.000 Euro kostet ein Ticket zu dem Event. Hier treffen sich Investor:innen und Entscheidungsträger:innen von Versicherungen, Pensionskassen, Staatsfonds, Vermögensverwalter und Private-Equity-Firmen – der Name Super Return meint im Fachjargon das Erzielen maximalen Profits. Profit, der auch aus wichtigen Infrastrukturen der Daseinsvorsorge wie Gesundheit, Wohnen und Agrar geschlagen werden soll.
In dem Bereich vor dem Hotel InterContinental reihen sich Dutzende kleine Hütten, sogenannte Tiny Spaces, aneinander, die extra für die Teilnehmenden der Veranstaltung bereitgestellt wurden.
Demonstrant:innen
Mit der taz sprechen will niemand, „we have another meeting“, ruft ein anzugtragender Teilnehmer im Vorbeieilen noch – beim Super Return scheint es um die wichtigen Dinge zu gehen. Den Bereich vor dem Hotel will die Veranstaltung ausschließlich für Teilnehmende in Benutzung wissen. Die Gegenkundgebung verbannte die Polizei auf einen kleinen Bereich auf der anderen Straßenseite.
Wenn Profit über Menschen steht
Dort bahnen sich Demonstrierende, verkleidet als Politiker und Investoren, einen Weg zur Bühne: „Weniger Mitleid, mehr Rendite“ und „Wenn ihr kein Brot habt, esst doch Kuchen“, rufen sie im Zuge einer satirischen Protestaktion und werden dabei von anderen Demonstrierenden symbolisch mit Plastikeiern beworfen. „Als wir uns mit dem Super Return beschäftigt haben, haben wir ein Werbevideo von denen gesehen – wir dachten, das ist doch eigentlich schon Realsatire“, so einer der Demonstrierenden aus der Gruppe über die Idee der Protestaktion. „Die werben mit The Capital of Private Capital und stellen das dar, als wäre es was total Normales und Gutes.“
Im Zweifel gehen Profite über Allgemeinwohl – wie zum Beispiel im Gesundheitssektor. „Bei der Konferenz wird die Gesundheitsversorgung als Chance für Investition, Profite und als lukrativer Markt verhandelt“, kritisiert eine Sprecherin für das Bündnis Gesundheit statt Profite, die lieber anonym bleiben möchte. Konkret weist sie auf den Fall des Jüdischen Krankenhauses hin, welches der Senat an private Investoren verkaufen wolle – mit bislang unabsehbaren Folgen für Beschäftigte und Patient:innen
Die Protestwoche würde dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden, „Protest darf auch lustig sein“, sagt ein Demonstrierender vor dem Hotel. Aufmerksamkeit zu generieren, das sei ein zentrales Ziel der Demonstration, „Auf der Super Return wird über gigantische Summen entschieden und die meisten Menschen in Berlin wissen gar nicht, dass so eine Konferenz überhaupt hier stattfindet.“
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