Aktionswoche „NoSuperReturn“: Toxic Business – Area Closed
Die Investor:innenkonferenz in Berlin neigt sich dem Ende zu und mit ihr auch die erstmals stattfindende Aktionswoche gegen „SuperReturn“.
Drei Demonstrierende im aufblasbaren Elefantenkostüm liefern gleich selbst die Pointe: Hinter ihnen steht auf einem Banner, was der eigentliche „Elefant im Raum“ ist – „Tax the Rich“. Die drei Verkleideten sind Teil einer Demonstration, die am Donnerstagnachmittag zum Abschluss der Aktionswoche gegen die sogenannte „Super-Return“-Konferenz stattfand.
„Promi-Gipfel des Geldes“ betitelt das Manager Magazin ganz unironisch das jährliche Stelldichein für Super-Reiche und ihre Branche. Erstmals formierte sich parallel dazu breiter Protest: Unter dem Bündnis „NoSuperReturn“ schlossen sich Initiativen aus unterschiedlichen Bereichen, wie der Umwelt- oder Mietenbewegung, zusammen. Ein Rückblick auf die Woche des Protests.
Auftakt war eine Protest-Performance am Montag, bei der das schauspielerisch dargestellte Dream-Team aus Friedrich Merz, Katherina Reiche und Investor:innen aus einem Halse rief: „Wenn ihr kein Brot habt, esst doch Kuchen“.
Weniger ironisch, dafür umso konkreter wurde es bei einer spendenbasierten Essensausgabe unter dem Motto „Essen für alle statt Sekt für Über-Reiche“. Die sogenannte „Küche für Alle“ sollte zeigen, wie „solidarische Alternativen“ aussehen können, sagt Alex Sattler von Extinction Rebellion. Gerade rund um den Bahnhof Zoo, nahe des Hotel InterContinental, wo die Investor:innen-Konferenz tagte, sei Obdachlosigkeit besonders sichtbar: „Bei der SuperReturn sitzen Menschen, die für Verdrängung und Wohnungslosigkeit sorgen“, so Sattler weiter. Diesen Kontrast habe man „aufgreifen wollen“,
Fiktive Start-ups und toxische Zonen
Im Rahmen der Aktionswoche hatte sich ein fiktives Start-up mit dem Namen „Return on Climate“ gegründet – sogar mit eigener Website: „Wir sprechen die Sprache des Finanzkapitalismus – so ernst, dass die Absurdität sichtbar wird“, heißt es da. „Klimaneutral durch Sabotage“, wirbt ein Roll-up-Banner, das in einem Video auf der Website zu sehen ist. „Die wirksamste Form des Offsettings“, sei, so klärt dort ein fiktives Team-Member in Business-Kleidung auf: „die gezielte Sabotage fossiler Infrastruktur“.
Gerriet Schwen
Der Hintergedanke sei gewesen, die Logik von CO2-Zertifikaten auf Sabotageaktionen zu übertragen – sprich: „sehr akkurat zu berechnen, wie viel CO2, beispielsweise durch die Besetzung eines Kraftwerks nicht ausgetoßen wurde“, so Gerriet Schwen. Schwen tritt in dem fiktiven Start-up als „Founder und CEO“ auf.
Das Konzept „Klimaneutral durch Sabotage“ sei in „Einzelberatungsgesprächen“ mit Managern, auf ihrem Weg zum Hotel, nicht sonderlich gut angekommen – trotz anfänglichem Interesse an neuen Investitionsmöglichkeiten: „Natürlich ist denen alles aus dem Gesicht gefallen, als sie dann nachgehakt haben“, sagt Gerriet Schwen.
Auch Extinction Rebellion beteiligte sich an Aktionen gegen die „SuperReturn“-Konferenz. Zweimal, so heißt es in einer Pressemitteilung des Bündnisses NoSuperReturn, hatten Aktivist:innen von Extinction Rebellion den Austragungsort der Investor:innen-Konferenz zu einer toxischen Sperrzone erklärt: „Toxic Business – Areal closed“, war auf einem Banner zu lesen. Dazu Menschen in Schutzanzügen und Gasmasken sowie ein giftgrün verfärbter Brunnen. Toxisch sei „die Wirkung eines Wirtschaftssystems, das Rendite über Leben stellt“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.
Nach Ansicht von Georg Bronn, Pressesprecher bei Extinction Rebellion Deutschland, werden zentrale Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, wie Wohnraum und Krankenhäuser, immer mehr von Finanzkonzernen wie Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) oder Blackstone aufgekauft. „Nicht um diese zu betreiben, sondern um maximale Rendite herauszuholen“, sagt Bronn. „Gleichzeitig pumpen sie Milliarden in Kohle, Öl und Gas“. Damit seien sie „hauptverantwortlich für Verdrängung, explodierende Preise und Millionen Klimatote weltweit“.
Im Protestbild von „Return on Climate“ gehe es nicht darum, einzelne Firmen anzuprangern, meint Gerriet Schwen, sondern vielmehr darum, auf die strukturelle Ebene aufmerksam zu machen. Ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung trage überproportional zur Erderwärmung bei, so Schwen – weiterhin stünden 2026 fünfmal mehr staatliche Subventionen für Öl, Gas und Kohle zur Verfügung, statt für erneuerbare Energien. „Der Wandel zu einer gerechten und nachhaltigen Wirtschaft ist möglich und finanzierbar“, so Georg Bronn von Extinction Rebellion – das Geld sei bloß falsch verteilt.
Gegen ausbeuterische Wirtschaftsweisen
Ob es bereits Aufeinandertreffen ziwschen den Aktivist:innen und den Investor:innen gegeben hätte, fragt die taz. Die Antwort ist ja – teilweise werde sogar aktiv das Gespräch gesucht, so Alex Sattler von Extinction Rebellion: „Die meisten Menschen, mit denen ich geredet habe, finden unsere Sache sogar im Kern ganz gut. Sie selbst seien natürlich nicht schuld daran, was schiefläuft. Aber es ist durchaus Verständnis für unser Anliegen da.“
Ihr Anliegen tragen die verschiedenen Bündnisse und Gruppen am Donnerstagnachmittag noch einmal im Rahmen einer Demonstration auf die Straße. „Wir richten uns gegen die Wirtschaftsweise, die grundlegende Versorgung ausbeutet, um eigene Profite zu erhöhen“, fasst Sattler zusammen. Mit Trommeln, Bannern – und drei verkleideten Elefanten – ziehen die Demonstrierenden durch das Viertel am Bahnhof Zoo. „A-Anti-Anticapitalista“, rufen sie.
Katja Schreiner, Pressesprecherin vom Bündnis NoSuperReturn, zeigt sich, trotz geringem Medienecho, zufrieden mit dem Protest: „Unser Ziel war es, dafür zu sorgen, dass überhaupt Beachtung findet, was bei der Veranstaltung für Geschäfte laufen.“ Für Gerriet Schwen hat die Aktionswoche zumindest eine Botschaft ganz klar vermittelt: „Ich gehe davon aus, dass Menschen, die mit Immobilen oder mit Öl, Gas und Kohle Geld verdienen und die für die Super Return nach Berlin gekommen sind, gemerkt haben, dass sie hier nicht willkommen sind.“
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