Immobilienkonzern will verkaufen: Akelius-Abschied naht

Der Immobilienkonzern wird seine rund 3.500 Wohnungen in Hamburg verkaufen. Das kündigt der Firmengründer in einer schwedischen Zeitung an.

Banner mit der Aufschrift "Akelius und Co enteignen"

Nicht ganz Enteignung: Akelius will Hamburger Immobilien verkaufen Foto: Emil Janssen/imago

Schon etwas länger hält sich das Gerücht, dass sich der umstrittene Immobilienkonzern Akelius vom Hamburger Wohnungsmarkt verabschieden will. In einem Interview mit der schwedischen Immobilienzeitung Hem & Hyra konkretisierte Unternehmensgründer Roger Akelius nun das Vorhaben. Die rund 3.500 Wohnungen in Hamburg zu verkaufen sei das Ziel, Hinz & Kunzt berichtete darüber zuerst. Was das für die Mie­te­r:in­nen bedeutet, ist allerdings noch völlig unklar.

Der schwedische Konzern gehört zu den größten Immobilienunternehmen Europas. Von seinen rund 50.000 Wohn­immobilien befinden sich etwa 20.000 in Deutschland. Nach Berlin mit 14.000 Wohnungen ist Hamburg Akelius’ zweitwichtigster Standort in Deutschland. Der Immobilienkonzern ist für seine aggressive Aufwertungsstrategie berüchtigt, bei der die Wohnungen nach dem Kauf aufwendig modernisiert und dann deutlich teurer weitervermietet werden.

Gerüchte über einen Verkauf der Immobilien gibt es seit Anfang dieses Jahres. Mie­te­r:in­nen wunderten sich, dass sie von Akelius die Aufforderung erhielten, die Miete künftig auf ein neues Konto zu überweisen. Die eingezahlte Kaution würde zudem an eine andere Firma übertragen. Offenbar wurden erste Immobilien bereits in neu gegründete Firmenkonstrukte verschoben, um einen schrittweisen Verkauf vorzubereiten. Im Juni gab der Konzern dann bekannt, dass der Verkauf von älteren Beständen diskutiert werde.

Über die Gründe für diese Überlegung gab der Konzern nichts bekannt. Die konkretisierte Firmengründer Roger Akelius nun aber im Interview: „Ein wichtiger wirtschaftlicher Grund ist, dass die EU in den letzten 20 Jahren mehrere Regulierungen eingeführt hat“, sagte er Hem & Hyra. Es sei immer schwieriger, den Wachstumskurs des Konzerns aufrecht zu erhalten. In den USA, Kanada und Großbritannien sei der Wohnungsmarkt dagegen derzeit rentabler. Insgesamt sollen ihm zufolge EU-weit 28.000 Wohnungen verkauft werden.

Verstoß gegen Menschenrechtsstandards

Rentabel sei der Konzern bislang auch, kritisieren Mietervereine, weil er auf kreative Weise versuche, Steuern zu vermeiden. Die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe zeigte den Konzern im vergangenen Jahr sogar bei der Steuerfahndung an, weil er in einem Fall rechtswidrig gehandelt habe.

Zugleich stellt sich Firmengründer Roger Akelius mit seiner Stiftung als Philanthrop dar, der Geld für karitative Zwecke auftreibt. Kritik an der Geschäftspraxis könne er nicht verstehen: „Ich bin auch stolz darauf, dass Akelius Zehntausenden von Mietern zu einer besseren, moderneren Wohnung verhelfen konnte“, sagte er Hem & Hyra. Dabei hatte eine UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen vergangenes Jahr resümiert, dass der Konzern sogar gegen Menschenrechtsstandards verstoße. Selbst der Hamburger Senat sah sich bemüßigt, 2019 bei einer Immobilie auf St. Pauli das Vorkaufsrecht zu nutzen – um die Mie­te­r:in­nen vor dem Kauf von Akelius zu schützen.

Das durch den offenbar anstehenden Verkauf eingenommene Geld wolle Firmengründer Akelius vor allem für karitative Zwecke ausgeben – und in Kanada und England investieren. Auf Nachfrage der taz verweist ein Unternehmenssprecher lediglich auf den Stand von Juni: dass ein Verkauf diskutiert werde, es bislang aber keine Verhandlungen mit potenziellen Käufern gebe.

Die Linksfraktion sieht bei einem Verkauf die Stadt in der Pflicht, einen strengen Blick auf den Käufer zu werfen. „In diesem Kontext sollte der Senat tatsächlich das Konzept von 'Abschreckung durch Härte’ anwenden“, sagt die linke Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann. Das gelte besonders bei den Akelius-Immobilien, die in Gebieten mit sozialer Erhaltungsverordnung liegen. Dort ist die Verwaltung verpflichtet, bei jedem Gebäude-Verkauf zu prüfen, ob durch spekulative Methoden die Erhaltungsziele gefährdet seien.

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