piwik no script img

Im KrankenhausDie Uhr zeigt halb acht

Auf der Palliativstation ist alles entspannter und die Pflegekräfte geben sich besonders viel Mühe. Nur die Zeitzonen scheinen sich zu verschieben.

Z um Glück kann ich die ganze Strahlentherapie stationär im Krankenhaus am Friedrichshain machen. Von zu Hause aus hätte ich es nicht hingekriegt. Insgesamt sind es zwölf Termine. Ich bekomme viel Besuch von alten Freunden, viel mehr, als wenn ich zu Hause bin.

Manche denken, man würde gleich sterben, wenn man sagt, dass man auf der Palliativstation ist, aber es ist ja nur so, dass man unheilbar krank ist. Wie „Hospiz“ so ist auch „Palliativstation“ bei mir durchgehend positiv besetzt. Es gibt mehr Pflegekräfte als in den „normalen“ Stationen, alles ist entspannter, die Pflegenden sind supernett, und ich hab das Glück, allein in einem Zimmer zu sein.

Es ist zehn Uhr morgens; mit meinen zwei Besuchern sitze ich in der Cafeteria. Wir sprechen über die WM, über Korruption und Fußball und dies und das. An einer Wand hängen acht Uhren nebeneinander, die die Zeit an den Berliner Vivantes-Kliniken anzeigen. Sieben zeigen die gleiche Zeit an, nur bei Vivantes-Neukölln ist es komischerweise halb acht. Es wirkt wie eine gelungene Installation.

Zwei Pfleger stammen aus Ägypten. Einer moniert, dass es in der argentinischen Mannschaft keine schwarzen Männer gibt. Der andere glaubt, dass Ägypten gewinnen wird. Später kommt er in mein Zimmer, als gerade das 2:0 für Ägypten gefallen ist. Ich teile ihm das mit und beglückwünsche ihn. Es ist ein tolles Spiel. Kurz nachdem er wieder gegangen ist, fällt das 1:2 für Argentinien, und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Am nächsten Morgen kommt die Ärztin zur „Blitzvisite“. Sie sagt, sie wolle sich morgen die Bilder mit Herrn T. noch einmal angucken, „und dann überlegen wir, was wir weiter Gutes für Sie tun können.“

Wie ich meinen Kaffee haben möchte, fragt mich der Pfleger. Ich antworte, „mit Milch und zwei Zucker“. Er sagt: „Sie sind ja ein ganz süßer Sachse.“

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Schön, dass Sie da gut aufgehoben sind. Mögen die Uhren für Sie noch eine ganze Weile weiterticken.