Endlos in der Schleife: Perfekter Kundenservice
Horst heißt der smarte KI-Assistent des KFZ-Betriebs. Trainiert scheint er vor allem darauf zu sein, lästige Kundenanfragen abzufangen.
Illustration: Donata Kindesperk/taz
M ein Mann telefoniert gerade zum vierten Mal mit Horst. Das Handy ist laut gestellt, sodass ich von meinem Schreibtisch aus alles mithören muss. Ich will gerade eine „Szene“ für die taz verfassen, aber bei dem Lärm vergeht einem der Schreibfluss.
Mein Mann ist eigentlich ein friedlicher Mensch. Es muss schon einiges vorgefallen sein, wenn er seinen Gesprächspartner als „Blödmann“ betitelt. Ich führe hier nur ein harmloses Schimpfwort an. Mein Mann bringt in dem Telefonat heftigere zum Ausdruck, aber die könnten sensible Menschen verstören.
Horst hört sich alles ganz ruhig an. Mein Mann schimpft: „Erzähl’ doch keinen Quatsch!“ Horst antwortet: „Das tut mir sehr leid. Ich bedauere, dass Sie so unzufrieden sind.“ Mein Mann wütet: „Diesen Blödsinn hast du Hohlbirne schon dreimal erzählt.“ Horst: „Ich kann Sie gut verstehen! – Soll ich Sie mit einem Mitarbeiter verbinden?“ Mein Mann knurrt. Beruhigende Musik überspielt die Pause. Dann wieder Horst: „Herr Treibel ist leider nicht erreichbar. Sind Sie damit einverstanden, wenn ich einen Rückruf für Sie vereinbare?“
Als mein Mann zum vierten Mal heute den Hörer hinknallt, weiß er leider immer noch nicht, was mit seinem abgeschleppten Auto los ist. Das steht auf dem Hof eines großen Kfz-Betriebs und wartet auf Behandlung. Horst ist der smarte KI-Assistent, der alle lästigen Kundenanfragen abfängt. Mein Mann zischt: „Das wäre der ideale Politiker. Hat keine Ahnung, aber verspricht viel.“ Ich verkünde, dass ich solche Pauschalurteile niveaulos finde. Mein Mann verschwindet wortlos. Ich vermute, er fährt mit dem Bus direkt zur Werkstatt in der Hoffnung, dort einen menschlichen Mitarbeiter mit Problemlösungskompetenz vorzufinden. Ich kann endlich in Ruhe meine „Szene“ zu Ende schreiben.
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