: Ihr Hoffen auf einen Neuanfang
Aus Bogotá Katharina Wojczenko
Das Essen steht noch nicht auf dem Tisch, da hat die Party schon begonnen. Es klingt nach Heimat: Gaitas, typische venezolanische Volkslieder, und Guarachas, eine schnelle Tanzmusik. Dazu Tambor-Trommeln und Männerstimmen. Auf einer verglasten Dachterrasse im Bogotaner Stadtteil Kennedy, im Süden der kolumbianischen Hauptstadt, tanzen rund 30 Venezolaner:innen. Glitzerherzen baumeln von der Decke, künstlicher Efeu rankt an den Wänden, Paare schwingen die Hüften und singen die Klassiker lauthals mit.
Es sollte eine verspätete Weihnachtsfeier werden. Doch an diesem Abend feiern sie vor allem den 3. Januar – den Tag, an dem US-Spezialeinheiten den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro aus Caracas holten und nach New York brachten. In Bogotá stoßen Exiloppositionelle der Bewegung von Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado auf das an, was sie für den Anfang vom Ende des Regimes halten.
Mariluz Palma Colmenares, 49 Jahre alt, nennen sie hier die Matriarchin. Mit Reibeisenstimme koordiniert sie Musik, Essen, Gäste – und seit Jahren auch ein Netzwerk der venezolanischen Opposition in Kolumbien. „Das ist erst der Anfang“, sagt sie. Am Ende der Tafel steht auf einem Schild: „Befreit alle politischen Gefangenen.“ Darüber ein laminiertes Foto: Oswaldo Castillo, 32 Jahre alt, seit sieben Jahren in Haft.
Verfolgt, inhaftiert, ins Exil gedrängt
Unter den Gästen sind Ingenieur:innen, Anwält:innen, Krankenschwestern, Feuerwehrleute. Menschen, die bei Protesten gegen das Maduro-Regime Verletzte versorgten, nachdem Sicherheitskräfte in die Menge geschossen hatten – und die dafür verfolgt, inhaftiert oder ins Exil gedrängt wurden. Viele von ihnen haben Angehörige, die bis heute in venezolanischen Gefängnissen sitzen.
Beatriz Martínez heißt eigentlich anders. In einer Sitzecke beugt sie sich nach vorn und hebt die Stimme gegen die immer lautere Musik. Sie will erzählen. Beatriz Martínez ist Kosmetikerin, spezialisiert auf Augenbrauen. Die ihren sind dezent, ebenso wie der Rest ihrer Erscheinung, die eher an eine Unternehmensberaterin erinnert als an eine politische Aktivistin: schwarze Hose, schwarzes Oberteil, heller Blazer, das Haar streng zurückgesteckt, der Blick ernst hinter der Brille. Ihre Worte sind präzise. Drei Kinder hat sie – ihretwegen, sagt sie, hielt sie es in Venezuela irgendwann nicht mehr aus. Gegenüber, an der Glasfront, von der Mutter getrennt durch die lange, gedeckte Tafel, sitzt ihre Tochter zusammengesunken in einem Sessel, den Blick ins Handy versenkt. Die schmale 20-Jährige mit dem Lockenkopf will möglichst weit weg sein, während ihre Mutter spricht. Aus Angst, dass jemand über ihr Handy mithören kann, was die Mutter sagt – eine Vorsicht, die viele Venezolaner:innen auch im Exil nicht ablegen. Vor wenigen Tagen ist die Tochter aus Venezuela nach Bogotá gekommen, „um mich zu holen“, sagt Beatriz Martínez.
„Ich sah, wie sich Venezuela veränderte. Das war nicht das Land, in dem ich meine Kinder aufziehen wollte. Ohne die Freiheit zu sagen, was du wirklich denkst. Ich sah, wie es mit dem Bildungssystem bergab ging, wie sie in den Schulen nicht mehr unterrichteten, sondern indoktrinierten. Deshalb begann ich, meine Stimme zu erheben“, sagt Martínez. Im Januar 2018 sah sie im Fernsehen, wie der frühere Polizist Óscar Pérez und Kämpfer gegen die Maduro-Regierung in Caracas von venezolanischen Sicherheitskräften gestellt und hingerichtet wurden, obwohl er sich zuvor mit seinen Mitstreitern ergeben hatte. Die Bilder gingen durch das Land. Für Beatriz war das ein Wendepunkt. „Das war so sadistisch“, sagt sie. Kurz darauf begann sie, selbst auf die Straße zu gehen.
Mit ihrer Familie geriet sie darüber in Konflikt. Viele hätten sich arrangiert, sagt sie, angepasst, um durchzukommen. Sie selbst bekam Drohungen, das Umfeld wurde feindseliger. „Es wurde immer enger.“ Um ihre Kinder zu schützen, zog sie allein aufs Land, ließ die Familie zurück. Doch auch dort fühlte sie sich nicht nach kurzer Zeit nicht mehr sicher. Nachbarn hätten begonnen, einander zu denunzieren. Dann ermordete ein Colectivo, ein paramilitärischer Arm der Regierung, ihre Nachbarn auf brutale Weise. „Da habe ich gedacht: Ich bin wahrscheinlich die Nächste.“
Seit fünf Jahren hat Martínez die Kinder nicht gesehen
Martínez entschied sich, Venezuela zu verlassen. Das war vor acht Jahren. Während der Pandemie kehrte sie noch einmal kurz zurück, als ihre Mutter krank wurde. Seit fünf Jahren hat sie ihre Kinder nicht mehr gesehen. Von ihrem Mann hat sie sich getrennt. Er hat für eine ausländische Vereinigung in Caracas gearbeitet und besaß ein Visum für die USA. Sie bat ihn damals, dorthin zu gehen und sie und die Kinder nachzuholen. Er habe sich geweigert, wollte in Caracas bleiben. Ihre älteste Tochter lebt heute in den USA. Sie ist 23 Jahre alt. Als sie 19 war, sagt Beatriz Martínez, habe der Vater beschlossen, sie außer Landes zu bringen – ohne ihre Zustimmung. Die Flucht führte durch den Darién-Dschungel, eine der gefährlichsten Routen der Welt.
Von lebensgefährlichen Situationen habe die Tochter später berichtet, sagt Martínez. „Ich weiß, dass sie dort Dinge erlebt hat, die niemand erleben sollte. Ich bin mir sicher, dass sie unterwegs vergewaltigt wurde.“ Die Kinder, sagt sie, hätten nicht verstanden, warum die Mutter sie damals zurückgelassen habe. Sie machten ihr noch heute Vorwürfe. Ihretwegen will Martínez jetzt zurück. „Es gibt vieles, was wir wieder aufbauen müssen.“ Als ihre Tochter sie am 3. Januar aus Caracas anrief, weil die Fenster von den Bomben klirrten und sie die Schüsse hörten, habe sie zu ihr und dem weinenden Sohn gesagt: „Es ist für unsere Freiheit. Das musste passieren.“
„Die USA machen sauber“
In ein paar Tagen will sie mit ihrer Tochter nach Venezuela. Noch ein wenig abwarten, was Trump treibt, wie sich die Lage entwickelt. „Die USA schicken nicht ihre Diplomaten zurück ins Land, ohne vorher sauberzumachen“, glaubt Martínez.
Im Zentrum von Bogotá, im Schatten der Bäume gegenüber der Kirche Nuestra Señora de las Aguas, wartet Rodrigo Castellanos darauf, dass sein Telefon plingt. Sein Name ist geändert. Wie ein Dutzend anderer Venezolaner steht er hier und wartet auf den nächsten Auftrag.
Rodrigo Castellanos verdient seinen Lebensunterhalt mit der kolumbianischen Liefer-App Rappi, die wegen ihrer Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik steht. „Neun von zehn Rappi-Fahrern in Bogotá sind Venezolaner“, schätzt er. Castellanos’ Hände sind rissig, das Gesicht gezeichnet von Höhensonne und langen Arbeitstagen. Er arbeitet elf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. An guten Tagen kommen umgerechnet 100 Dollar zusammen, sagt er. Meistens deutlich weniger. Als das Telefon endlich plingt, bringt die Fahrt 3.000 Pesos – umgerechnet etwa 70 Cent. Wenn er es schafft, schickt Castellanos Geld nach Brasilien. Dort lebt sein 17-jähriger Sohn mit seiner venezolanischen Mutter. Er hat ihn zuletzt gesehen, da war er drei. „Hier habe ich Arbeit“, sagt er immer wieder. Es gehe ihm gut in Kolumbien. Er hat eine kolumbianische Freundin, die ebenfalls bei Rappi arbeitet. Einen Aufenthaltstitel hat Castellanos nicht. Deshalb kann er nicht mehr mit dem Motorrad ausfahren. Er hat keine gültigen Papiere, die Verkehrspolizei habe ihm schon eine Strafe aufgebrummt. Deshalb hat er sich vor zwei Wochen ein E-Bike gekauft. In Venezuela hat er auf Zuruf in einer Autowaschanlage ausgeholfen. Vor vier Jahren, als seine Mutter starb, ging er nach Kolumbien. Eine Schwester war schon dort. Mit seinem kleinen Bruder, der noch in Venezuela lebt, spricht er täglich.
Dieser Artikel wurde möglich durch finanzielle Unterstützung des Recherchefonds Ausland e. V. taz.de/auslandsrecherch e
Telefonieren über Codes
Sie haben einen Code entwickelt. „Er hat große Angst, mit mir zu sprechen, weil alle Telefone in Venezuela abgehört werden. Also nennen wir keine Namen.“ Sein Bruder schickt ihm Inhalte aus dem Netz. „Das Internet dort sagt andere Sachen als hier.“ Und was denkt er über die USA? „Die haben nichts gemacht. Sie haben alle anderen der Bande dagelassen. Damit sich etwas ändert, muss ein Präsident her, der kein Chavist ist. Die Chavisten sind alle gleich.“ Dass die USA sich Venezuelas Öl holen wollen, tue ihm weh. „Das ist mein Land und das Öl gehört uns.“ Er hat nicht vor, jetzt nach Venezuela zurückzukehren. Vielleicht in drei, vier Jahren: „Abwarten und schauen.“
Was Rodrigo Castellanos erlebt, ist kein Ausnahmefall, sagt Ronal Rodríguez. Der Kolumbianer ist Politologe und forscht seit mehr als 20 Jahren an der Beobachtungsstelle für Venezuela an der Universidad del Rosario in Bogotá, seit mehr als einem Jahrzehnt mit Schwerpunkt Migration. Die Migrationsforschung der Beobachtungsstelle wurde bis Anfang dieses Jahres von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt. Rodríguez arbeitet eng mit Kolleg:innen in Venezuela zusammen und erstellt unabhängige Empfehlungen zur Migrationspolitik. In den 70ern, als Venezuela boomte, wanderten viele Kolumbianer:innen dorthin aus. 2002, nach dem gescheiterten Putsch gegen Präsident Hugo Chávez, verließen viele Venezolaner:innen das Land – zuerst die wohlhabenderen. 2007 kam eine weitere Welle nach Kolumbien: Studierende, die sich wegen eines vom venezolanischen Staat subventionierten Dollars das viel teurere Studium in Kolumbien leisten konnten.
2015 verwies Venezuela 32.000 Kolumbianer:innen aus der Grenzregion des Landes. Venezolaner:innen folgten in Massen, zunächst um auf der kolumbianischen Seite einzukaufen – und schließlich wurde die Versorgungskrise und Verfolgung so krass, dass sie das Land in Massen verließen. Acht Millionen Venezolaner:innen, ein Viertel der Bevölkerung, sind seit 2014 aus ihrem Land fortgegangen. Etwa drei Millionen leben heute in Kolumbien.
„Der künftige Präsident ist irgendwo in Kolumbien“
Der Politikwissenschaftler Rodríguez ist überzeugt: „Venezuelas Schicksal, Venezuelas Demokratie ist eng mit uns verbunden. In diesem Moment ist sehr wahrscheinlich irgendwo in den kolumbianischen Institutionen, irgendwo in Kolumbien, der künftige Präsident Venezuelas.“ Er meint einen der jungen Menschen, die in Bogotá leben und ausgebildet wurden und politische Prozesse in einer Demokratie kennengelernt haben. Die Verbindungen der venezolanischen Regierenden zu Kolumbien seien immer stark gewesen. „Paradoxerweise ist Nicolás Maduro, der eine kolumbianische Mutter hat und deshalb ein Recht auf die kolumbianische Staatsbürgerschaft hätte, der schlimmste Präsident für die kolumbianischen Interessen in der Geschichte Venezuela gewesen“, sagt Rodríguez. Die politischen Verbindungen zwischen Venezuela und Kolumbien seien alt, sagt Rodríguez. Und sie seien auch im Alltag sichtbar, hörbar, schmeckbar.
Das gehobene Mittelklassenviertel Cedritos im Norden Bogotás trägt seit Jahren den Spitznamen „Cedrizuela“. Auf einer ehemaligen, parkplatzgroßen Brache zwischen Hochhäusern liegt seit sechs Jahren „San Roque“, eine Ansammlung von Foodtrucks und Kiosken, fast alle betrieben von Venezolaner:innen, die Spezialitäten aus der Heimat verkaufen. Auch das Publikum stammt zum größten Teil aus Venezuela – und kann sich die gehobenen Preise leisten.
Rodrigo Castellanos, Lieferfahrer
Abraham Uzcategui, 33 Jahre alt, hat vor bald drei Jahren hier „Amelie Cakes“ eröffnet. Der bärtige Mann herrscht in seinem pinken Häuschen über Karamellpudding, venezolanische „Tres Leche“-Torte und andere Schleckereien wie die Golfeados, Schnecken mit Rohrzucker, Anis und Käse.
„Von allein wären die Chavisten nicht gegangen“
Er verspüre eine unbändige Freude, dass Maduro in New York gefangen sei. „Venezuela ist ein Narkostaat – und niemand machte Anstalten, etwas zu unternehmen. Die Chavisten sind mehr als 25 Jahren an der Macht. Von allein wären sie nie gegangen.“ Uzcategui findet: „Jetzt sagen sie uns, die Venezolaner verstehen nicht, dass Trump nur ihr Öl will. Alle wissen das. Die Russen und Chinesen waren auch nicht da, weil ihnen die Arepas (runde Maisfladen, d. Red.) schmecken. Aber wenn sie deine Familie umbringen, weil du anders denkst, du das Land verlassen musst, ist dir das egal. Dann willst du einfach nur, dass sie diese Leute wegholen.“
Wenn die Ölindustrie anziehe, sagt Uzcategui, dann werde alles gut, dann würden die anderen Branchen folgen: Stahl, Lebensmittel, Chemikalien. Dann brauche es Schulen für die Angestellten, Bäckereien. So sieht Uzcategui das. Sein Vater arbeitete in der Ölindustrie. 2003 habe er seine Arbeit verloren. Sein Arbeitgeber, die Firma Schlumberger, verließ das Land. Sei Vater landete auf der Tascón-Liste, auf der der gleichnamige Abgeordnete angebliche Oppositionelle der Chávez-Regierung denunzierte. Das bedeute ein Arbeitsverbot, weil ihn niemand anstellen durfte. Die Eltern verließen mit den beiden Söhnen Venezuela. 22 Jahre ist das her. Da war Uzcategui elf.
Abraham Uzcategui ging auf internationale Schulen. Er begann ein Ingenieursstudium an der teuren Eliteuni Los Andes in Bogotá, wechselte dann an die Universidad de la Sabana, um Gastronomie abzuschließen. Der Vater verdiente gut. „Meine Geschichte ist anders als die der meisten“, betont er. Alle Jahre besuchte die Familie die Verwandtschaft. Es war wie ein Schnappschuss von einem Land in der Krise, das immer weiter verkam.
2017 war Uzcategui zum letzten Mal in der alten Heimat. Seine Eltern, mittlerweile in Rente, hatten es noch einmal versuchen wollen, sie überlegten, ob sie in Venezuela alt werden könnten. Es war die Zeit, wo es kaum etwas zu kaufen gab in Venezuela und die Menschen um drei Uhr morgens Schlange standen. „Wenn der Bäcker abends schloss, stürzten sich die wartenden Leute auf die Müllsäcke und suchten nach Essbarem. Da kamen Leute im Anzug nach dem Dienst aus der Bank und suchten im Müll nach Essen.“
Aus „Nie wieder“ wird „Dann geh’ ich“
Uzcategui sagt, dass die Leute sei dem 3. Januar anders redeten über ihre zurückgelassene Heimat als früher. Aus „Nie wieder gehe ich nach Venezuela zurück“ wurde immer öfter: „Wenn sich wirtschaftlich jetzt wirklich was tut, dann geh’ ich.“
Für Uzcategui selbst ist das nicht so klar. Er sagt: „Ich liebe Kolumbien und verteidige es gegen alle, die sagen, dass in Venezuela der Zucker süßer ist.“ Das Geschäft laufe gut. Und doch haben seine Partnerin und die Restfamilie beschlossen, in den kommenden zwei Jahren auszuwandern – nach Kanada. Dort lebt sein Bruder schon, ist mittlerweile Kanadier. Mehr Stabilität, ein steuerfinanziertes Gesundheitswesen, ein gutes Bildungssystem für die künftigen Kinder, die da kommen mögen. Englisch und Französisch spreche er auch, sagt Uzcategui. Eine Freundin habe es so formuliert: „Innerhalb von Lateinamerika umziehen, das ist wie ein Zimmertausch auf der ‚Titanic‘.“
In Kennedy, im Süden Bogotás, geht die Party weiter. Mariluz Palma Colmenares, die Frau mit der schwarzen Mähne und der Reibeisenstimme, hält den Laden zusammen. Bis ins hinterste Dorf Kolumbiens habe sie das Netz der Opposition ausgebaut, sagt sie. Dafür habe sie Drohungen erhalten, die sie angezeigt habe. Wer dahinter steht, weiß sie nicht. Chavismus-Anhänger, oder aber jemand, der ihrer eigenen Gruppierung nahestehe? „Das Wichtigste ist, dass ich keine Angst davor habe“, sagt Colmenares.
In Venezuela war sie internationale Handelsberaterin eines Bauunternehmens. In Kolumbien hat sie geputzt, gekellnert, in Bäckereien und Restaurants geschuftet – „alles, um Geld nach Hause zu schicken“. Vor sechs Jahren kam sie her, lief zu Fuß von Cúcuta nach Bogotá, sagt sie. Zwei ihrer vier Kinder leben mittlerweile hier. Gegen das Morden des Regimes sei die US-Militäroperation am 3. Januar mit chirurgischer Präzision verlaufen. So viele Menschen seien dagegen unter Maduro Tag für Tag an Hunger gestorben. So sieht Colmenares die Dinge.
Trump als Befreier?
„Venezuela wird sich durch Trump verändern. Es wird sich schnell erholen – denn Trump ist ein Geschäftsmann, der sich mit Wirtschaft und internationalen Finanzen auskennt. Das wird für Millionen Venezolaner:innen in- und außerhalb des Landes Wohlstand bringen – und auch für andere Länder, die er vom Kommunismus und Narkodiktaturen befreit“, glaubt sie. Erst müsse Trump Ordnung und Sicherheit schaffen, sagt Mariluz Palma Colmenares. Dann könnten María Corina Machado und Edmundo González übernehmen – „sie haben keine Waffen“. Der neue Übergang müsse mit Härte beginnen. Dialog reiche nicht aus. „Ich bin glücklich“, sagt Mariluz Palma Colmenares. „Weil ich Venezuela frei sehen werde.“
Die Musik wird immer lauter. Jemand ruft nach einem Lied aus Maracaibo. Zu afrovenezolanischen Trommeln stampfen sie die aufgestaute Wut und Trauer in die Nacht, bis nur noch Freude bleibt, zueinander, auseinander. Es ist wie eine Familienfeier. Auf der Terrasse im Süden Bogotás wird getanzt, als sei der Neuanfang zum Greifen nah.
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