piwik no script img

Hymne zur Fußball-WMDer übliche Andrea Bocelli

Es gibt kaum ein sportliches Großereignis, das Andrea Bocelli noch nicht eröffnet hat. Auch für die Fifa hat der Tenor schon öfter geträllert.

Wenn die großen Sportverbände rufen, schmettert Andrea Bocelli. Und wie! Ein paar Lautfetzen der Arie „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini schweben wahrscheinlich immer noch über dem Stadion San Siro in Mailand. Dort hatte Bocelli im Februar zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele gesungen. Die Menschen im Stadion und allüberall auf der Welt waren wohl angemessen ergriffen von der Stimme des immerhin schon 67-jährigen Sängers.

Nicht erst damit hatte sich Bocelli für eine Rolle bei der Eröffnungsfeier der Fußball-WM qualifiziert. Schon im Dezember 2025 hatte er der Fifa seine Stimme geschenkt. Bei der Auslosung des Turniers in Washington sollen etliche der Anwesenden zum Taschentuch gegriffen haben, als Bocelli die Versammelten dazu aufrief, nur ja nicht einzuschlafen – „Nessun dorma“ eben.

Natürlich gehört er auch zu den Künstlern, die die nagelneue Hymne der WM eingesungen haben, die von der Fifa am Mittwoch hochoffiziell vorgestellt worden ist. Mit David Guetta, Megan Thee Stallion und EJAE performt er den Song, dem man in den kommenden fünf Wochen wohl kaum entkommen kann. „DNA“ heißt die Hymne und Bocelli und Kollegen singen: „It’s more than just a game, it’s our DNA.“ Das ist ungefähr so originell wie ein Statement von Fifa-Präsident Gianni Infantino und passt allein deshalb perfekt zu diesem Turnier.

Viel hat Bocelli selbst nicht zur Turnierhymne zu sagen. „Der Titel DNA sagt bereits alles“, wird er in der Presseaussendung des Internationalen Fußballverbands zitiert. Und eins stellt er klar: „An die Fifa, an die Organisatoren und an alle Fans, die sich weltweit in Stadien, Wohnzimmern und auf Dorfplätzen versammeln werden: Wir singen für euch.“ Das ist doch ein feiner Zug.

Aber so kennt man Bocelli. Er hat schon für zwei US-Präsidenten gesungen, Bill Clinton und George W. Bush, für zwei Päpste, für Königinnen und Könige, er ist in London aufgetreten, in Oberhausen oder Moskau. Eine Fußball-EM hat er auch schon eröffnet. 2021 ist das gewesen. Und als Leicester City 2016 zur Überraschung aller die Premier League gewann, da wollte er bei der Meisterfeier nicht fehlen. Auch bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer in der Münchner Arena hat er ein Farewell beigetragen. „Time to say goodbye“. Was sonst?

Er kann Dinge eröffnen und beenden. Auch bei einer WM-Schlussfeier ist er schon mal aufgetreten, 2010 in Johannesburg. Was wäre der Sport nur ohne ihn?

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Ja was denn, er macht ja nur seinen Job. Beste Ausrede.

  • "Viel hat Bocelli selbst nicht zur Turnierhymne zu sagen. „Der Titel DNA sagt bereits alles“, wird er in der Presseaussendung des Internationalen Fußballverbands zitiert."



    Über die Mehrdeutigkeit war er sich wohl nicht ganz im Klaren:



    "does not apply"



    acronyms.thefreedi...com/Does+Not+Apply



    uvm😉