piwik no script img

Hochradioaktiver AtommüllCastortransport in Schwierigkeiten

Eine „Störung der Stromversorgung“ bremst den zweiten Castor-Transport mitten durch NRW aus. Atom­kraft­geg­ne­r:in­nen fordern Aufklärung.

Schon ganz ohne Blockade läuft der Castor-Transport nicht rund: Protest am 21. April 2026 Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Bei den Castor-Transporten mit hochradioaktivem Atommüll mitten durch NRW treten immer neue technische Probleme auf. Am Dienstagabend konnte der zweite Spezial-Sattelzug das Forschungszentrum Jülich nach Beobachtung von An­tia­tom­ak­ti­vis­t:in­nen erst mit rund 90 Minuten Verzögerung verlassen. Grund sei die „Störung in der externen Stromversorgung des Fahrzeugs im Stillstand“ gewesen, erklärte die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) schriftlich. Der strahlende Abfall wird von Jülich ins Zwischenlager Ahaus transportiert

Ob auch die Überwachung des Castors gefährdet war, ist unklar. In dem Statement heißt es, „die Transporteinheit selbst“ sei „zu keinem Zeitpunkt betroffen oder beschädigt“ gewesen. Am Telefon sagte ein JEN-Sprecher der taz aber, die unterbrochene Stromversorgung bediene zumindest indirekt eben doch diese Transporteinheit – den 30 Meter langen Auflieger, auf dem der 2,70 Meter lange Atommüllbehälter steht.

Die Einheit beinhalte „diverse technische Systeme“, die der Geheimhaltung unterlägen, so der Sprecher – und die benötigen offenbar Strom. Die Dichtigkeit des Behälters sei aber „jederzeit sichergestellt“ gewesen: „Der Castor ist völlig intakt.“

Atomkritische Initiativen fordern jetzt Aufklärung – schließlich gab es schon zuvor Pannen: 2023 verlor ein unbeladener Probetransport „den Sichtkontakt“ zur vorausfahrenden Polizeikolonne und bog im Autobahnkreuz Kaiserberg falsch ab. Außerdem habe die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung eingeräumt, dass es eine Woche gedauert habe, den ersten Jülicher Castor am Zielort Ahaus an die Behälter-Überwachung anzuschließen, kritisieren etwa Marita Boslar von dem Aktionsbündnis Stop Westcastor und Heiner Möllers von der Initiative Kein Atommüll in Ahaus.

Trotzdem sollen noch 150 weitere Castoren ins dortige Zwischenlager gebracht werden. Die schwarz-grüne NRW-Landesregierung müsse jetzt aufklären, welche Folgen ein Defekt der Stromversorgung während der Fahrt haben könnte, fordern die Atomkraftgegner:innen. Unklar bleibe auch, ob am Dienstag Sicherheitsbedenken ignoriert wurden. Bei jedem Transport sind wegen möglicher Terrorgefahr rund 2.000 Po­li­zis­t:in­nen im Einsatz.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare

  • Noch keine Kommentare vorhanden.
    Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!