Hitzewelle und Übersterblichkeit: 8.300 Tote zu viel in nur fünf Tagen
Das extrem heiße Wochenende Ende Juni hat offenbar viel mehr Menschenleben gekostet als bisher bekannt. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Foto: Matias Basualdo/Zuma Press/imago
Die fatalen Folgen der Hitzewelle Ende Juni sind offenbar noch deutlich dramatischer als bisher bekannt. Laut am Dienstag veröffentlichen Zahlen des Statistischen Bundesamt sind allein von Freitag, den 26., bis Dienstag, den 30. Juni in Deutschland 20.846 Menschen gestorben. Das sind krasse 8.346 mehr, als sonst üblich gewesen wären.
Am besagten letzten Juniwochenende waren die höchsten jemals registrierten Temperaturen in Deutschland gemessen worden. In der Spitze lagen sie bei 41,7 Grad an der Oder in Brandenburg. Im ganzen Land erreichte die Durchschnittstemperatur neue Extreme, mit ungewöhnlich hohen 37 Grad am Samstag. Das hatte deutschlandweit zu extremer Belastung in den Notaufnahmen der Kliniken geführt.
Üblicherweise werden im Schnitt rund 2.500 Tote pro Tag gezählt. In der Tabelle des Statistischen Bundesamtes, die bis Januar 2021 zurückreicht, stieg die Zahl höchstens durch Grippewellen mal über 3.500. Der höchste Wert überhaupt wurde kurz vor Weihnachten 2022 gemessen, als 4.225 Tote an einem einzigen Tag gezählt wurden.
Im Sommer sterben üblicherweise weniger Menschen als im Winter. Dennoch wurde der bisherige Höchststand laut den am Dienstag veröffentlichten Zahlen Ende Juni gleich dreimal übertroffen. Der neue Höchstwert wurde nun am Montag gezählt, als die Temperaturen schon landesweit gefallen waren. Da starben 4.832 Menschen. Das sind fast doppelt so viele, als zu erwarten gewesen wären – also eine Übersterblichkeit von rund 2.300 an einem einzigen Tag. Legt man die Sterbefälle mit der Temperaturkurve zusammen, ist der Zusammenhang klar erkennbar.
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Warnungen bereits Anfang Juni
Anders als in den Vorjahren, als Hitzewellen häufig auf wenige Tage und einzelne Regionen Deutschlands begrenzt waren, hatte Deutschland so wie weiter Teile Europas unter einem Hitzedom gelitten, der fast zwei Wochen lang sehr langsam von Westen nach Osten gewandert war. Die Länge dieser Phase hatte dazu geführt, dass es auch nachts kaum noch abkühlte, was vor allem anfällige Gruppen wie etwa ältere Menschen extrem belastet.
Eine Initiative von mehr als 150 Organisationen hatte Anfang Juni vor den Folgen solche Hitzedome gewarnt. Deutschland sei sehr schlecht vorbereitet auf solche lang anhaltenden Hitzewellen, die als Folge des Klimawandels immer wahrscheinlicher werden. Durch solche Hitzephasen, warnten die Expert:innen, könne es binnen weniger Tage bis zu 10.000 Tote in Deutschland geben. Was da noch wie eine Dystopie klang, scheint sich kaum zwei Wochen später schon bestätigt zu haben.
Vorläufige Zahlen
Die Sterbezahlen des Statistischen Bundesamtes sind vorläufig. Üblicherweise steigen sie noch durch Nachmeldungen in den kommenden Wochen. So hatte das Amt in der vergangenen Woche noch 4.452 Tote für den superheißen Sonntag genannt. Nun wurde die Zahl auf 4.724 nach oben korrigiert.
Wie viele davon tatsächlich an Hitze gestorben sind, lässt sich nur schätzen. Das Robert-Koch-Institut (RK) veröffentlicht seine nächste Wochenanalyse zur Mortalität durch Hitze erst am Donnerstag. Darin werden auch die letzten Juni- und ersten Julitage berücksichtigt sein. Im letzten Wochenbericht hatte das RKI die Zahl der Hitzetoten dieses Jahres auf 5.120 geschätzt. Mit dem nächsten Bericht dürfte der Rekord aus dem Jahr 2018 übertroffen werden – und das, obwohl der Sommer gerade erst begonnen hat.
Erfahrungsgemäß nennt das RKI eine niedrigere Zahl als das Statistische Bundesamt, weil es nicht nur die absolute Übersterblichkeit berechnet, sondern ein detailliertes Rechenmodell zugrunde legt, das weitere Faktoren berücksichtigt. Einige Wissenschaftler:innen gehen aber davon aus, dass die realen Zahlen sogar noch viel höher liegen könnten.
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