piwik no script img

Hindu-Tempel in NeuköllnEröffnung nach 20 Jahren Bauzeit

An der Hasenheide wird die Eröffnung des Tempels gefeiert, der für die Community große Bedeutung hat. Zuletzt war ein nationalistischer Politiker zu Gast.

Jethendra RC steht am Rande der Hasenheide vor dem prunkvoll verzierten Hindu-Tempel, dessen Turm 17 Meter in die Höhe ragt. Zehn Jahre lang hat er an dessen Konstruktion mitgearbeitet. In diesem Moment kommt Amit Chougule aus dem Tempel heraus, in dem gerade ein hinduistisches Ritual begangen wird. Chougule ist Verantwortlicher für die Gäste des Tempels.

Über Jethendra RC sagt er: „Er ist ein besonderes Mitglied, wir nennen ihn großer Bruder.“ Dieser reagiert bescheiden, die anderen hätten genauso viel für den Tempel getan. „Aber niemand so viel wie du“, entgegenet Chougule.

Über 20 Jahre haben sich Planung und Bau des Sri-Ganesha-Hindu-Tempels in Neukölln gezogen, dem zweiten Hindu-Tempel in Berln und dem größten bundesweit. An diesem Mittwoch wird er eröffnet Es finden Rituale für geladene Gäste statt. Am Wochenende sind die Feierlichkeiten dann offen für alle.

Der Tempel, verziert mit Ornamenten und Götterfiguren, ist Ganesha gewidmet, einer hinduistischen Gottheit: „Ganesha gilt als Zerstörer von Hindernissen“, sagt Jethendra, weshalb Hindus anlässlich von Bauarbeiten zuerst zu Ganesha beten würden.

20 Jahre Bau und viele Hürden

„Es waren vielleicht nur 0,001 Prozent, die ich beitragen konnte, aber ich kam her, wann immer ich Freizeit hatte, um beim Bau zu helfen“, so Jethendra. Immer wieder stockten die Arbeiten. Ein Grund für die Verzögerung des Baus, dessen Finanzierung auf Spenden basierte, war der mangelnde Geldfluss, so Jethandra „Beim Beginn 2005 standen kaum 20.000 Euro zur Verfügung. Bis zur Fertigstellung sind jetzt mehr als eine Million Euro ausgegeben worden.“ Jetzt fehle nur noch der Feinschliff, darunter Wege und die Bepflanzung der Umgebung.

Man braucht diese Aura, die der Tempel jetzt hat

Seema Timmawagol

Für Seema Timmawagol, die seit einem Jahr in Berlin lebt und im Rahmen der Einweihungsfeier Teil des Ritual-Teams ist, hat der neue Tempel eine große Bedeutung: „Für die Community ist es seit 20 Jahren ein Traum, dass der Tempel fertig wird. Dabei wurden so viele Steine in den Weg gelegt.“ Sie denkt zurück an den schlichten Raum, der In Neukölln zuvor übergangsweise zur Verfügung stand: „Man braucht diese Aura, die der Tempel jetzt hat.“

Jethendra schätzt die Zahl der in Berlin lebenden Hindus auf 47.000. „Unsere Community wird jetzt einen wunderschönen Ort haben, um zusammenzukommen, Rituale durchzuführen, Feste zu feiern, zu lernen und die Kultur weiterzugeben“, sagt er.

Der Tempel sei nicht nur für Hindus, sagt Késhav Greedhur, ebenfalls Teil des Teams, das sich um die Be­su­che­r:in­nen kümmert. „Ich glaube, es gibt viele Leute, die Fragen haben. Die Leute hier in der Umgebung können herkommen und sehen, wofür dieser Tempel steht“. Jethendra ist dankbar für den Rückhalt der Nachbarschaft: „Sie standen immer hinter uns, all die Jahre.“

Hindu-nationalistische Bezüge

Der Tempel an der Hasenheide fällt allerdings auch durch zweifelhafte Beziehungen auf: Im April hat dort Dattatreya Hosabale gesprochen, Generalsekretär der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS). Die „Nationale Freiwilligenorganisation“, wie RSS auf deutsch heißt, ist eine hindu-nationalistische Organisation mit teilweise faschistischer Ideologie.

Mit mehreren Millionen Mitgliedern ist RSS de facto die größte rechtsextreme Organisation der Welt. Sie schürte in der Vergangenheit immer wieder Hass und Gewalt gegen Muslime. Sie wird als einer der Hauptverantwortlichen für die antimuslimischen Pogrome gesehen, die sich ab 1992 im ganzen Land ausgebreitet haben. Ein hindu-nationalistischer Mob hatte damals die historischen Babri-Moschee zerstört. Die Unruhen forderten Tausende Tote, mehrheitlich Muslime.

taz schneller googeln

Sie wollen beim Googeln taz-Texte besser finden? Dann können Sie mit einem Google-Konto die neue Funktion „bevorzugte Quellen“ nutzen. Um die taz hinzuzufügen, müssen Sie nur diesen Link anklicken und einen Haken setzen.

Sie wollen Google lieber meiden? Dann nutzen Sie doch DuckDuckGo oder Ecosia.

Den Neuköllner Tempel hat Generalsekretär Hosabale im Rahmen des 100-jährigen Bestehens von RSS besucht. Laut Angaben des deutschen Zweigs Hindu Swayamsevak Sangh (HSS) kamen etwa 200 Personen zu der Veranstaltung. Der Tempel war dabei nicht die einzige Station bei dem Berlin-Besuch: Es soll laut RSS auch Treffen in der CDU-Parteizentrale sowie mit mehreren Mitgliedern des Abgeordnetenhauses gegeben haben.

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare