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Heilkräuterindustrie im KosovoDie Ernte nach dem Krieg

Familienbetriebe im Kosovo beliefern große Biounternehmen mit Heilpflanzen für Tees und Arznei. Vor allem Frauen dominieren das Geschäft.

A ls die Sonne über den Bergen im Westen des Kosovos aufgeht, hängt noch Nebel über den Hängen. Lumnije Musaj steigt mit ihrem Mann auf einen Traktor. Von ihrer einfachen Berghütte am Fuß der schroffen albanischen Alpen rumpeln sie über einen schlammigen Weg hinauf zu den Hochweiden oberhalb der Stadt Istog. Nebelschwaden stehen zwischen den Gipfeln, der Spitzname „Verwunschene Berge“ passt heute besonders gut. Oben leuchten die Wiesen gelb von Schlüsselblumen. Stundenlang wird sich Musaj nun über das nasse Gras beugen und die zarten Blüten von Hand pflücken.

Zurück an der Hütte schenkt sie Mazë ein, frische Milch mit einer dicken Schicht Rahm, ein traditionelles Getränk der Bergregion. Neben ihr stapeln sich Jutesäcke, gefüllt mit kiloweise Schlüsselblumen. Der Wert der Ernte: rund 200 Euro. Mit dem Handel mit Wildpflanzen, sagt Musaj, habe sie sich ihre komplette Existenz aufgebaut. Sie zeigt auf den Stall, den Lastwagen und die Kühe, die an den Hängen grasen.

Vor 27 Jahren stürmten serbische Paramilitärs während des Kosovokriegs ihr Dorf. Eine Granate tötete ihren jüngsten Sohn und verletzte sie selbst schwer. Danach konnte sie kaum noch schlafen. „Nachts sah ich sie immer wieder“, erinnert sie sich. „Die Tschetniks, die kamen, um mir meine Kinder wegzunehmen.“ Dann machte ein alter Familienfreund ihres Mannes ihr einen Vorschlag. Sie solle in die Berge gehen und Blumen sammeln, wie es die Familien hier seit Generationen getan haben. Alles, was sie mitbringe, werde er kaufen. Er wolle ein Geschäft mit Kräutern aufbauen.

Also ging Musaj in die Berge. Sie sammelte Schlüsselblumen, Hagebutten und wilde Heidelbeeren. Die Arbeit erschöpfte sie so sehr, sagt sie, dass sie nachts nun wieder schlafen konnte. „In den Bergen verschwanden die Albträume.“ Von dem Geld kaufte sie erst eine Kuh, dann eine zweite. Sie verkaufte Käse und Rahm. Aus dem, was als Überlebensstrategie begann, wurde mit der Zeit etwas anderes. Die Frau, die mit 12 Jahren die Schule verlassen musste und mit 17 verheiratet wurde, stellt sich Besuchern heute als Unternehmerin vor.

Außergewöhnlicher Artenreichtum

Musajs Geschichte ist zugleich die Geschichte der Wiederbelebung eines jahrhundertealten Handels mit Wildkräutern, Pilzen und Beeren.

Die Berge des Kosovos gehören zu den touristisch noch kaum erschlossenen Naturräumen Europas. Ihre Wälder und Hochweiden sind außergewöhnlich artenreich und von intensiver Landwirtschaft weitgehend verschont geblieben. Hunderte Arten von Heil- und ölhaltigen „Aromapflanzen“ wachsen hier. Über Generationen hinweg sammelten Familien auf dem Balkan Kräuter, Beeren und Pilze als Nahrung und Heilmittel für den Eigenbedarf. Und sie betrieben Handel. Über das damalige Jugoslawien gelangten die Produkte nach Deutschland, in die Schweiz und nach Italien.

Dann kam der Kosovokrieg von 1998/99. Serbische Streitkräfte gingen mit Gewalt gegen die albanische Bevölkerungsgruppe vor, um die wachsende Unabhängigkeitsbewegung zu zerschlagen. Dabei wurden Tausende Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt, die Nato griff ein, danach ging die Gewalt zurück. Straßen, Lagerhäuser und Verarbeitungsbetriebe lagen vielfach in Trümmern. Vielerorts brachen die staatlichen und kommunalen Strukturen zusammen.

Der Krieg zerstörte auch das traditionelle Sammel- und Handelssystem. Doch das Wissen überlebte. Die Menschen wussten weiterhin, wo im Frühjahr die ersten Schlüsselblumen blühten, wo nach einem Regen Steinpilze aus dem Boden schossen und an welchen Hängen wilder Oregano wuchs.

In den Jahren nach dem Krieg wurde dieses Wissen zur Grundlage einer der überraschendsten wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten des Kosovos. Angetrieben von Europas wachsender Nachfrage nach Bioprodukten und unterstützt durch internationale Hilfsprogramme bauten lokale Unternehmer – darunter viele Rückkehrer aus der Diaspora – aus einem beinahe verschwundenen Gewerbe eine Exportindustrie auf. Ihr Rohstoff sind vor allem ökologisch zertifizierte Heil- und Aromapflanzen, dazu Wildbeeren, Pilze und andere Naturprodukte aus den Bergen des Kosovos. Was einst dem Eigenbedarf diente oder auf lokalen Märkten gehandelt wurde, erwirtschaftet heute Millionenumsätze auf internationalen Märkten.

Für Biotees von Sonnentor

Eine Lieferkette aus mehr als 2.000 Sammlerinnen und Sammlern, Landwirten, Sammelstellen und Verarbeitungsbetrieben verbindet einige der abgelegensten Dörfer des Kosovos mit 111 Kunden in 24 Ländern. Knapp 18 Millionen Euro erwirtschaftete der Sektor im Jahr 2024, fast alles durch das Exportgeschäft. Das Marktvolumen hat sich innerhalb der letzten sieben Jahre nahezu verdreifacht. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zu den wichtigsten Absatzmärkten. Gemessen an der Wirtschaftsleistung des Kosovos – die betrug 2024 rund 11 Milliarden Dollar – mag die Branche klein erscheinen. Doch das Heilpflanzengeschäft entfaltet seine Wirkung gerade in strukturschwachen ländlichen Regionen.

So landen die Schlüsselblumen, die Frauen wie Lumnije Musaj sammeln, in pflanzlichen Arzneimitteln des bayerischen Herstellers Bionorica. Hagebutten finden ihren Weg in Biotees von Sonnentor im niederösterreichischen Sprögnitz. Wildpilze werden an Großhändler in Italien und den Vereinigten Staaten verkauft.

Die nächste Station der Schlüsselblume liegt wenige Kilometer unterhalb ihrer Hütte, im Weiler Majstir bei Istog. Dort kniet die 27-jährige Blenishta Beqiraj neben Haufen gelber Blüten, sortiert sie von Hand und schiebt gefüllte Tabletts anschließend in meterhohe Trockenkammern. Der Raum riecht nach Kräutern und feuchter Erde. Maschinen brummen, während Sammler und Bauern mit Säcken frisch gepflückter Schlüsselblumen eintreffen.

An sonnigen Wochenenden während der kurzen, nur vier Wochen dauernden Saison zieht es ganze Familien in die Berge. Es ist ein Montagvormittag, das Wochenende war überdurchschnittlich gut: Auf rund 100 Kilogramm beläuft sich die Ausbeute. Bis zum Ende der Saison werden hier rund 600 Kilogramm frische Schlüsselblumen verarbeitet. Nach dem Trocknen bleiben davon nur etwa 100 Kilogramm übrig.

Mit den Jahreszeiten wechselt auch die Ernte. Auf die Schlüsselblumen folgen Heidelbeeren, Hagebutten und Kamille. Später kommen Pfefferminze, Brennnesseln und Oregano hinzu. Zunehmend stützt sich das Geschäft jedoch nicht mehr nur auf Wildsammlung, sondern auch auf den Anbau von Heilpflanzen wie Kamille und Salbei.

Mit Unterstützung der GIZ

Die Geschichte der Sammelstelle in Majstir beginnt mit dem Krieg. Als Beqirajs Vater, der vor serbischen Truppen aus Albanien fliehen musste, nach Kriegsende im Sommer 1999 zurückkehrt, findet er sein Haus niedergebrannt vor. Das Pferd und die Kuh der Familie waren ebenfalls verschwunden. Der Mann, der auch einst Lumnije Musaj dazu ermutigt hatte, in den Bergen Blumen zu sammeln, bot ihm Arbeit an. Er sollte Kräuter aufkaufen, die Dorfbewohner gesammelt hatten, und sie trocknen, bevor sie verdarben. Anfangs arbeitete er dort, wo gerade Platz war: auf Dachböden, in Scheunen und leerstehenden Räumen. Die Gewinnspanne war gering. Schon wenige Regentage konnten eine ganze Ernte vernichten.

Dann kam der Durchbruch: erst ein industrieller Trockner, dann ein zweiter und schließlich ein dritter. Finanziert wurden sie größtenteils mit Unterstützung der deutschen Entwicklungsorganisation GIZ. Die Maschinen beschleunigten die Verarbeitung, verbesserten die Qualität und ermöglichten es ihrem Vater Erbini, ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Doch mit der steigenden Nachfrage aus Westeuropa – allen voran aus Deutschland – wuchs der Bedarf an größeren Mengen und einer verlässlicheren Versorgung. Pharma- und Naturproduktehersteller verlangten zunehmend Rohstoffe, deren Herkunft und Qualität sich lückenlos nachvollziehen ließen.

Deshalb begannen Verarbeiter und Exportfirmen, Bauern für den Anbau von Heil- und Aromapflanzen zu gewinnen. Mit Unterstützung internationaler Geber, darunter aus Deutschland, wurden sie im ökologischen Landbau geschult und bei der Zertifizierung begleitet. Nach und nach entstanden Felder mit Kamille, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Salbei und anderen Heilpflanzen dort, wo zuvor vor allem gesammelt wurde.

Die letzte Station auf dem Weg der Schlüsselblume nach Deutschland ist die Verarbeitungshalle von Agroproduct, dem größten Exporteur von Heil- und Aromapflanzen im Kosovo. In der Halle stehen Frauen in grünen Arbeitskitteln Schulter an Schulter an den Förderbändern und sortieren die getrockneten Blüten. In der Luft liegt der Duft von Kräutern und Trockenfrüchten.

Zwischen Förderbändern und Kräutersäcken steht Halit Avdijaj. Kaum jemand hat die Entwicklung der Branche so geprägt wie er. In den 1980er Jahren floh Avdijaj vor der Repression der Serben in die Schweiz. 1998 kehrte er zurück, damit seine Kinder in ihrer Heimat aufwachsen konnten. Dann kam der Krieg, und seine Familie musste erneut fliehen. Als sie zurückkehrte, lag die Region in Trümmern. Es gab keine Arbeit, viele Häuser waren niedergebrannt. Nur die Berge standen noch.

Mithilfe internationaler Aufbauprogramme machte er sich daran, aus den Kräutern der Berge ein Exportgeschäft zu machen. Der entscheidende Durchbruch kam 2005. Eine von der GIZ organisierte Reise führte ihn zur Biofach nach Nürnberg, der weltweit größten Messe für Bioprodukte. Dort suchte er das Gespräch mit europäischen Abnehmern von Heilpflanzen und pflanzlichen Rohstoffen. Zunächst hätten viele gelächelt, erinnert sich Avdijaj. Also lud er sie ein, sich die Berge selbst anzusehen. Sie kamen. Die ersten Verträge folgten. Mehr als 20 Jahre später bestehen viele dieser Geschäftsbeziehungen noch immer.

Zu den Menschen, denen Avdijaj damals auf der Biofach begegnete, gehörte auch Johannes Gutmann, Gründer des österreichischen Biounternehmens Sonnentor und einer der Pioniere der europäischen Biobewegung. Gutmann erkannte in Avdijaj ein Stück seiner eigenen Geschichte wieder. Auch er hatte einst mit kaum mehr als einer Garage und einer Handvoll Landwirte begonnen. Die beiden Männer wurden Geschäftspartner.

Heute zählt Sonnentor zu den langjährigsten Abnehmern kosovarischer Kräuter. Deutschland ist inzwischen der wichtigste Absatzmarkt der Branche. Rund 30 deutsche Unternehmen beziehen Rohstoffe aus dem Kosovo – mehr als aus jedem anderen Absatzmarkt. „Wir schätzen den Kosovo sehr“, sagte Gutmann der taz auf der diesjährigen Biofach. „Sie haben die Landschaften, die Höhenlagen und die Tradition der Wildsammlung. Deshalb funktioniert das so gut.“

Saisonarbeiter wandern ab

Es funktioniert – noch. Wie viele andere Wirtschaftsbereiche leidet auch die Heilpflanzenbranche unter der Abwanderung aus dem Kosovo. Saisonarbeit in den Bergen oder auf kleinen Feldern kann mit den Löhnen in Deutschland oder der Schweiz kaum konkurrieren. Viele junge Menschen verlassen das Land für Jobs im Ausland, wie das kosovarische Statistikamt weiß. Insbesondere seit 2024, als das Reisen innerhalb der EU für Ko­so­va­r:in­nen visafrei möglich wurde, hat sich die Abwanderung beschleunigt. Die Folge: Immer weniger Bauern bauen Kamille, Pfefferminze oder Zitronenmelisse an. Nach Jahren des Wachstums hat sich die Anbaufläche von 570 Hektar im Jahr 2020 auf nur noch 225 Hektar reduziert.

Für Toralf Richter vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau ist der Arbeitskräftemangel weniger die Ursache als das sichtbarste Symptom eines tieferliegenden Problems. Die Branche stößt zunehmend an die Grenzen jenes Modells, auf dem ihr Erfolg seit 25 Jahren beruht: sammeln, trocknen, exportieren.

Doch die Abhängigkeit von wenigen Unternehmen, die den Zugang zu internationalen Förderprogrammen, globalen Netzwerken und Auslandsmärkten garantiert haben, ist die Achillesferse des Systems. „Das Kosovo bräuchte zehn Halits“, sagt Richter mit Blick auf den Agroproduct-Gründer Halit Avdijaj. „Aber er hat nur einen.“

Mit dem, was heute im Kosovo biologisch angebaut werde, lasse sich kaum ein heimischer Biomarkt aufbauen, sagt Richter. Für einen funktionierenden Biomarkt brauche es auch Gemüse, Obst, Getreide und Tierhaltung. „Man muss ja auch Brot backen können.“ Aber: „Alles dreht sich um Kräuter.“

Die starke Exportorientierung hat bisher allerdings auch für Fördergelder gesorgt. Millionen Euro aus Deutschland flossen in Trocknungsanlagen, Zertifizierungen und den Zugang zu internationalen Märkten.

Übernutzung ist ein Problem

Avni Hajdari, Ethnobotaniker an der Universität Prishtina

Gleichzeitig gerät die natürliche Grundlage des Geschäfts unter Druck. Die Branche lebt von Kosovos außergewöhnlicher Biodiversität. Doch gerade diese Ressourcen werden immer intensiver genutzt. „Übernutzung ist ein Problem“, sagt Avni Hajdari, Ethnobotaniker an der Universität Prishtina. Der Gelbe Enzian sei ein warnendes Beispiel. Seine Wurzeln wurden über Jahre so intensiv gesammelt, dass der Export schließlich verboten werden musste. Auch Heidelbeeren und Wacholderbeeren würden teilweise zu früh geerntet oder Pflanzen beschädigt, um das Sammeln zu beschleunigen. Langfristig könne auch die Schlüsselblume unter Druck geraten.

Wertschöpfung entsteht anderswo

Die Sammelbetriebe und Exportfirmen weisen den Vorwurf einer unkontrollierten Sammlung zurück. Agroproduct verweist auf eigene „Goldene Regeln“ für nachhaltiges Sammeln, dokumentierte Sammelmengen, Feldkontrollen und Schulungen für Sammlerinnen und Sammler. „Man kann eine Fläche nicht komplett abernten“, sagt Blenishta Beqiraj. „Sonst wächst dort im nächsten Jahr nichts mehr.“

Hajdari sieht dennoch Lücken: „Ja, es gibt ein oder zwei Tage Schulung. Aber sobald die Leute draußen auf dem Feld stehen, fragt doch keiner mehr nach der Schulung. Viele sammeln einfach so viel wie möglich, weil sie die natürlichen Ressourcen als Geld betrachten.“ Regeln und Kontrollen gebe es zwar, „aber oft existieren sie nur auf dem Papier“. Geberorganisationen fördern inzwischen auch neue Anbaumethoden und die Ausbildung junger Agronomen.

Für Arben Mehmeti von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Prishtina reicht das jedoch nicht aus. „Wir müssen den lokalen Markt entwickeln, junge Menschen einbinden und mehr Wertschöpfung im Land halten.“

Noch immer verlassen Schlüsselblumen, Wacholderbeeren, Pilze und Kräuter das Land überwiegend als Rohstoffe. Die Verarbeitung, die Marken und damit ein großer Teil der Wertschöpfung entstehen anderswo.

Immerhin, der Wandel hat bereits begonnen. Oft sind es Frauen, darunter die Töchter der Branchenpioniere, die ihn vorantreiben. Zum Beispiel Blerinda und Arnita Veliu in Polac, einem landwirtschaftlich geprägten Dorf in der zentralen Region Drenica. Während ihr Vater Xhemshir Veliu sein Unternehmen Agro-Florentina nach dem Krieg aus einer Garage heraus aufbaute, begleiteten die Schwestern ihn beim Pilzesammeln und Kräutersuchen in den Bergen. Ihr Vater hatte nur einen Rat: Lernt! Geht in die Welt!

Teeschachteln statt Kräutersäcke

Blerinda absolvierte einen Master in Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement in Colorado in den USA. Arnita studierte ökologischen Landbau in Italien. Beide hätten im Ausland bleiben können. Stattdessen kehrten sie zurück. Mit Botanic, ihrer Teemarke aus Kräutern der kosovarischen Berge, verkaufen sie Teeschachteln statt Säcke voller Kräuter.

Für Blenishta Beqiraj in Majstir liegt die Zukunft der Branche wiederum im Wissen, das weitergegeben wird. Während ihres Studiums der Lebensmitteltechnologie in Prishtina gehörte Beqiraj zu den ersten Teilnehmern eines Ausbildungsprogramms für Bioberater. Heute hilft sie Bauern beim Umstieg auf ökologischen Anbau, bei Zertifizierungen und beim Aufbau eigener Betriebe. Inzwischen gibt es Unternehmerinnen, die Essig aus Wildäpfeln herstellen, ätherische Öle direkt im Kosovo destillieren oder Gewürze aus heimischen Kräutern vermarkten. Gemeinsam stehen sie für eine kleine, aber wachsende Bewegung junger Kosovarinnen.

Als die Abenddämmerung auf die Berge fällt, hebt Lumnije Musaj neben ihrer Berghütte einen weiteren Sack voller Schlüsselblumen an. Auf die Schlüsselblumen folgen die Heidelbeeren. Danach kommt die Zitronenmelisse. Die Arbeit hört nie auf.

Morgen wird sie an einer Schulung für Frauen teilnehmen. Es geht darum, wie man Produkte vermarktet, sichtbarer wird und ein eigenes Geschäft aufbaut. Sie freue sich darauf weiterzugeben, was sie gelernt hat, und Frauen zu ermutigen, die sich so etwas nie zugetraut hätten. Frauen wie sie selbst. Musaj hat die Schule nie abgeschlossen, jung geheiratet, Kinder bekommen. Eines verlor sie im Krieg. Sie richtet sich auf und sagt: „Jetzt bin ich Geschäftsfrau.“

Die Recherchen für dieses Projekt wurden durch die Official Development Assistance Germany Grants des European Journalism Centre gefördert. Das Programm wird von der Gates Foundation unterstützt.

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