Hausbesetzung in Bremen: Kulturzentrum wieder eröffnet

Queerfeminist*innen haben das ehemalige „Dete“ in der Bremer Neustadt besetzt. Sie beziehen sich auf die geräumte Liebig 34 in Berlin.

Mehrere vermummte Personen stehen auf einem Dachvorsprung, dort hängen Transparente

Aktivist*innen haben das Haus besetzt, das jahrelang leer stand Foto: Michael Trammer

BREMEN taz | Am Freitagnachmittag haben Aktivist*innen der queer-feministischen Gruppe “Rosarote Zora“ die „Dete“, ein seit sechs Jahren leerstehendes ehemaliges Kulturzentrum in der Neustadt, besetzt. Bis Redaktionsschluss am Sonntagabend blieben die Aktivist*innen im Gebäude. Es ist die erste Hausbesetzung in Bremen seit drei Jahren.

Die „Rosarote Zora“ besteht ausschließlich aus Frauen*, Lesben, Inter-, Trans-, Nonbinären und A-Gendern – abgekürzt: Flinta*. Ihr Antrieb sei die Räumung des queerfeministischen Hausprojekts „Liebig 34“ in Berlin am Freitag gewesen. „Wir wollen einen sicheren Ort für Flinta*-Menschen schaffen, die im Alltag oft diskriminiert werden“, sagt eine Besetzerin, die anonym bleiben möchte. Dies solle im Dialog mit den Anwohner*innen geschehen.

Die Gegend um die „Dete“ und die Fassade des Hauses haben sich bereits verändert. Das Vordach wird nun durch eine Stoffgirlande verziert. Aus einer anliegenden Baustelle haben die Besetzer*innen Straßensperren gebaut. Am Freitag und am Samstag hatten sie zu einem Straßenfest vor dem Haus eingeladen, Nachbar*innen und Unterstützer*innen brachten Spenden.

Es sei wohl leider nötig, ein Gebäude zu besetzen, um den Diskurs anzuregen

Etwas abseits, auf der Treppe eines Altbaus, steht am Samstag ein älterer Herr und beobachtet das Treiben. Er sehe die Besetzung positiv: „Seit Jahren verrottet das Gebäude, es muss etwas geschehen.“ Zwar habe er Angst vor Ausschreitungen, aber es sei wohl leider nötig, ein Gebäude zu besetzen, um den Diskurs über Leerstand anzuregen.

Der Konflikt droht wieder hochzukochen

Auch die Grünenabgeordnete Kai Wargalla und die Linken Maja Tegeler und Olaf Zimmer sind vor Ort. „Ich finde es charmant, dass das einen queer-feministischen Anstrich hat“, sagt Tegeler, „so etwas fehlte in Bremen.“ Wargalla sagt, sie habe immer einen Stich im Herzen empfunden, wenn sie an dem Leerstand vorbei geradelt sei.

Die Unterstützung der Anwohner*innen ist nicht verwunderlich – viele wollten das Kulturzentrum 2014 erhalten. Nun droht der Konflikt wieder hochzukochen, denn der Besitzer, Investor Marco Bremermann, hat Anzeige erstattet. Die Polizei hält sich bislang zurück: Als am Samstagabend eine Spontandemonstration mit reichlich Pyrotechnik vor dem Haus ankommt, filmt sie lediglich. Man wolle „lageangepasst reagieren“, sagt ein Sprecher.

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