Hannover Messe in der Pandemie: Die Messe ist gesungen

Das Konzept Messe hat sich überlebt. Je mehr von den 80.000 Flugreisen der ausländischen Hannover-Mes­se­-Be­suc­he­r eingespart werden, desto besser.

Eine große leere Halle.

Gääähnende Leere: Blick in eine der Hallen der Messe Hannover Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Hannover Messe, 1947 gegründet und früher die weltgrößte Industrieschau, ist in diesem Jahr nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nach einer Pause 2020 findet sie seit Montag nur noch rein digital statt. Die Hannover Messe hofft auf 100.000 virtuelle Besucher – im Internet haben sich rund 1.800 Aussteller angemeldet. Wie immer öffnete die Bundeskanzlerin die Show. Doch sonst war nichts so wie vor Corona.

Die Pandemie hat die Messebranche schwer getroffen. Ihr erstes Opfer war im vergangenen Jahr die weltweit größte Touristikmesse ITB in Berlin, auch bekannt für rauschende Partys. Die ITB wurde abgesagt und fand 2021 nur online und stark geschrumpft statt. Bei der Hannover Messe sieht es ähnlich deprimierend aus. Das riesige Messegelände ist verwaist, denn kurz vor knapp wurden auch die letzten geplanten Präsenzveranstaltungen abgesagt.

Auf der „Leitmesse“ der deutschen Industrie hatten anno 2019 noch mehr als 6.000 Aussteller in zwei Dutzend Hallen ihr Können gezeigt. Mehr als 200.000 Besucher waren da und machten Deals, davon kamen 80.000 aus dem Ausland. Viele Aussteller haben sich in diesem Jahr die üppigen Messeinvestitionen – Standmieten, Reise-, Hotel- und Personalkosten – gespart. Für die Branche ist mehr als fraglich, wie es weitergeht. Zwar finden in China bereits wieder Präsenzmessen statt. Aber die Zukunft des klassischen – und ressourcenverschlingenden – Geschäftsmodells „Messe“ steht auf der Kippe. Das zeigen auch die Planungen für die Zukunft.

Mit Livestreams, Onlinepräsentationen, Videokonferenzen und einem Ver­net­zungs­tool sollen bis zum Ende der diesjährigen Messe am kommenden Freitag die „Grundlagen“ für ein neues „Hy­brid­modell“ gefunden werden. Messechef Jochen Köckler hofft, dass es bald auch wieder einige Präsenz­mes­sen geben wird.

Es lässt sich aber kaum übersehen, dass sich das Konzept Messe überlebt hat. Es ist ein Anachronismus aus einer analogen Zeit. Aus ökologischer Sicht ist das nur zu begrüßen. Mit den Geschäfts- und Privatreisen ist es nicht nur zu Coronazeiten ähnlich wie mit dem Ausdrucken von Mails: „Ist das wirklich nötig?“, sollte sich jeder überlegen, dem Umwelt und Klima wichtig sind.

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Ist Leiter des Ressorts Wirtschaft und Ökologie. Er hat in Bonn und Berlin Wirtschaftsgeschichte, Spanisch und Politik studiert. Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Seit 2012 wieder bei der taz.

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