Internationale Tourismus-Börse virtuell: Wohin geht die Reise?

Nächste Woche beginnt die führende Tourismus-Fachmesse. Das Angebot nachhaltiger Reiseformen wächst.

Postkartenidylle mit strahlend blauen Himmel und türkisfarbenden Wasser am Strand Long Bay Beach in Barbados

Sind Urlaubsreisen zu solchen Zielen nachhaltig? Long Bay Beach in Barbados Foto: Eleanor Scriven/imago

Ein Blick auf das Programm der weltgrößten Tourismusmesse ITB, die nächste Woche rein digital startet, offenbart einen Wettstreit zwischen dem alten, konventionellen und einem neuen, besseren Tourismus: „Building back better“ oder doch Festhalten an alten Geschäftsmodellen?

Als vor ziemlich genau einem Jahr die ITB kurzfristig abgesagt wurde, strotzte der Tourismussektor nur so vor Kraft. Gleichzeitig wurden die Bruchstellen des ungebremsten Wachstums immer sichtbarer: Proteste gegen Overtourism und der zunehmend thematisierte Zusammenhang zwischen Tourismus und Klimawandel hatte zu einem immensen Vertrauensverlust geführt. Immer mehr Menschen fragten sich: Ist es mein Reisevergnügen wert, dafür Lebensräume und Weltklima zu zerstören?

Der Zusammenbruch des Tourismus in Folge der Coronakrise hat die ökologische und soziale Fragilität des Tourismus noch um die wirtschaftliche Vulnerabilität ergänzt. Mit der Diskussion um Resilienz – also die Widerstandsfähigkeit – ist die wirtschaftliche Dimension der Nachhaltigkeit nun ganz oben auf der Agenda der ITB. Und da bei der Nachhaltigkeit alles mit allem zusammenhängt, ist jetzt neues Denken möglich.

Kein Wunder, dass es 2020 so viele Manifeste und Selbstverpflichtungen im Tourismus gab wie nie: Einige sind in altem Denken verhaftet und suchen die Lösung des touristischen Klimaproblems in nicht ausgereiften Zukunftstechnologien. Die meisten aber, wie „Tourism declares a climate emergency“, in dessen Rahmen mittlerweile über 200 Unternehmen den Klima-Notstand erklärt haben, setzen auch auf Veränderungen ihrer Produkte. Anderes Beispiel: In Deutschland haben 300 Un­ter­neh­me­r:in­nen das „Impulse4travel Manifest“ entwickelt und beginnen gerade mit der Umsetzung. Sie wollen eine neue Wertschätzung für das Reisen wecken. Die Initiativen haben gemeinsam, dass sie die Verantwortung nicht an andere delegieren, sondern sie annehmen.

Gleichzeitig wird aber auch noch der Tourismus nach altem Muster betrieben und sogar ausgebaut. Auf der Karibikinsel Barbuda kämpft die Bevölkerung gegen den Bau neuer Hotelkomplexe. Sie fürchtet die Zerstörung der Mangroven und Dünen und damit den Verlust ihres Schutzes vor den Folgen des Klimawandels. Der Premierminister begründet das umstrittenene Projekt jetzt vor allem mit Corona und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise. Noch ein Fall von disaster capitalism: 30 neue Airlines gehen aktuell an den Start – vor allem auf der klimaunsinnigen Kurz- und Mittelstrecke. Während einige Airlines ihre alten Maschinen abstoßen, profitieren andere von den Schnäppchen auf dem Gebraucht­flugzeugmarkt. Die kerosinschluckenden Altflugzeuge bleiben damit noch länger in der Luft.

Egal, ob die vielen neuen Initiativen einen optimistisch stimmen oder ob man weiter am real existierenden Tourismus zweifelt – eines ist sicher: Pandemien, Extremwetterereignisse oder digitale Großkatastrophen werden zunehmen. Wer diese Herausforderungen annimmt und sich auf den Weg zu einem klimaschonenderen Tourismus begibt, ist besser vorbereitet: „Change will come – by design or by disaster“.

https://www.tourism-watch.de/de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de