Gwinn-Vertretung Carlotta Wamser: In der Liga unterschätzt
In der Bundesliga hatte Carlotta Wamser in der letzten Saison nicht viel Spielzeit. Jetzt vertritt sie Kapitänin Giulia Gwinn bei der EM im DFB-Team.
Hinter Carlotta Wamser liegt eine schwierige Saison in der Bundesliga. Die 21-Jährige, auf die nun so viele Augen gerichtet sind, weil sie Giulia Gwinn, die Kapitänin des DFB-Teams, nach deren Verletzung vertreten soll, gehörte bei Eintracht Frankfurt in der abgelaufenen Saison in der Bundesliga oft nicht zur ersten Elf. Auch am Dienstag im zweiten Gruppenspiel der Deutschen gegen Dänemark (18 Uhr, ARD) ist sie gefordert.
Wer gesehen hat, wie souverän sie nach ihrer Einwechslung im Spiel gegen Polen die Außenbahn bearbeitet hat, wird sich fragen, wie es sein kann, dass eine derart begabte Fußballerin im Ligaalltag oft erst spät eingewechselt worden ist. Und während das DFB-Team um Bundestrainer Christian Wück ihr Talent nie aus den Augen verloren hat, ließ Eintracht Frankfurt Wamser nach dem Ende ihres Vertrags zu Bayer Leverkusen ziehen, ohne ihr groß nachzutrauern. So wechselte eine Spielerin, deren Talent der Verband schon in der Jugend erkannt hatte, von einem Champions-League-Teilnehmer zu einem Klub aus der ambitionierten Mittelklasse des deutschen Fußballs.
Im Jahr 2020 wurde sie als eine der drei besten Juniorinnen ihres Jahrgangs mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet. Spätestens da war ihr Talent branchenweit bekannt. Damals war sie gerade mit der U17-Auswahl Europameisterin geworden und spielte sonst in der B-Jugend-Landesliga Westfalen für den TSV Brakel, in dessen männlicher C-Jugendmannschaft sie sich zuvor vielleicht die Widerstandsfähigkeit angeeignet hatte, die am vergangenen Freitag für so viel Aufsehen gesorgt hat. Schon 2020 ist sie in die Bundesliga zur SGS Essen gewechselt. Da war sie noch eine Offensive. Als solche wurde sie zwei Jahre später mit der Fritz-Walter-Medaille, diesmal in Silber, in der Kategorie der U19-Spielerinnen ausgezeichnet.
Weil sie beständig den Nachwuchskaderteams des DFB angehörte, wurde sie in das Sportförderprogramm der Bundeswehr aufgenommen. Bis 2023 war sie Sportsoldatin. Da stand sie schon ein Jahr lang bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Doch so richtig schaffte sie den Durchbruch nicht. Auch ein Gastspiel für eine halbe Saison als Leihspielerin beim 1. FC Köln verlief nicht wirklich glücklich. Nicht viel anders jedenfalls als die im Mai abgelaufene Saison mit Eintracht in der Bundesliga.
Kein Wunder also, dass doch recht laut gestaunt worden ist, als Christian Wück die nun zur Verteidigerin umgelernte Wamser als Backup für Giulia Gwinn in den EM-Kader berufen hat. Die DFB-Scouts scheinen in ihr immer mehr gesehen zu haben als die Klubverantwortlichen bei Eintracht Frankfurt. Gut so.
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