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Grüner Petersdotter verlässt PolitikFraktionschef zieht Karrrierebremse

Er hätte Chancen auf ein Ministeramt gehabt. Aber Lasse Petersdotter tritt zur Landtagswahl im kommenden Jahr nicht wieder an.

Seine Botschaft verkündet Lasse Petersdotter mit einem Foto. Es zeigt den Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Kieler Landtag beim Abgang von einer Bühne. Im Hintergrund applaudieren Menschen in einem vollbesetzten Saal. Hinter Petersdotter steht ein Rednerpult, das im Licht giftig grün aussieht. Über dem Bild steht in großen Buchstaben „Ich kandidiere nicht“.

Lasse Petersdotter, der 1990 in Preetz in der Hügel- und Seenlandschaft im Kreis Plön geboren wurde, hat eine geradlinige Karriere hinter sich: Realschule, Abi auf der Berufsschule, Studium der Politik- und Islamwissenschaft in Kiel bis 2016.

Parallel engagierte er sich im Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) und weiteren Unigremien und bei der Grünen Jugend, deren Vorsitzender er 2013 wurde. Seit 2017 sitzt er im Landtag, wurde nach zwei Jahren bereits stellvertretender Fraktionschef und 2022 zum Vorsitzenden.

Eine blitzblanke Politiklaufbahn, die wie eine Vorbereitung auf weitere Aufgaben aussieht – bei einem guten Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl im Frühjahr 2027 könnte ein Ministerposten drin sein, irgendwann der Sprung auf die Bundesbühne. Stattdessen kündigt Petersdotter ein gutes Dreivierteljahr vor der Wahl seinen Rückzug an.

Ich bin nicht krank. Ich bin nicht zerstritten mit irgendwem. Und ich habe keinen schicken Lobbyjob in der Hinterhand

Lasse Petersdotter

Die Frage nach dem Warum beantwortet er mit Nichtantworten: „Ich bin nicht krank. Ich bin nicht zerstritten mit irgendwem. Und ich habe keinen schicken Lobbyjob in der Hinterhand.“

Er sei eben schon lange im Landtag, habe dort viele Erfahrungen sammeln können und werde obendrein im November Vater. „Es fühlt es sich so an, als wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt.“

Gut möglich, dass das stimmt: Lasse Petersdotter ist ein guter Kommunikator, ein Brückenbauer, ein offener, freundlicher, kluger Typ, der mit 36 Jahren jung genug ist, sich eine andere Karriere zu bauen. Aber es kann auch sein, dass Petersdotter bei der kommenden Wahl eine andere Rolle für sich gesehen hätte. Gerade hat ein Landesparteitag der Grünen die aktuelle Sozialministerin Aminata Touré zur alleinigen Spitzenkandidatin gewählt. Auch die Neumünsteranerin sitzt seit 2017 im Landtag, die beiden machen einen Podcast zusammen. Als Mann hat Petersdotter zwar keinen Anspruch auf den Spitzenplatz der Landesliste, aber Doppelkandidaturen wären für die Nordgrünen nichts Neues.

In der neuesten Folge des Podcasts, die noch vor der Wahl zur Spitzenkandidatin aufgenommen wurde, frotzeln Touré und Petersdotter über ihre Misserfolge bei früheren Parteitagen. So wollte Petersdotter, der damals erst kurz in der Partei war, gleich Vorsitzender werden und fiel durch. „Ich glaube, dass Scheitern der Charakterbildung hilft“, sagt er im Podcast.

Hat er gegen Aminata Touré den Kürzeren gezogen?

Sieht er sich gescheitert im Wettlauf mit seiner Parteifreundin? Er werde „Team Touré“ mit aller Kraft unterstützen, sagte er. Beide seien lange befreundet. Als Chef einer Regierungsfraktion, der auch immer Entscheidungen der Regierung erklären und vertreten muss, hatte Petersdotter sich in den vergangenen Jahren stets für die Ministerin eingesetzt, etwa als sie nach Entlassung ihrer Staatssekretärin Marjam Samadzade unter Druck geriet.

Nach seinem Entschluss gab es viel Lob und Bedauern aus den anderen Fraktionen. Es sei ein großer Verlust, aber die Entscheidung verdiene größten Respekt, sagte Tobias Koch (CDU): „Gerade in der Politik, in der Karrieren oft langfristig geplant werden, ist es bemerkenswert, neue Prioritäten zu setzen.“ Petersdotter habe die Landespolitik und die Grünen in Schleswig-Holstein lange Jahre maßgeblich geprägt, sagte Serpil Midyatli (SPD). Christoph Koch (FDP) lobte Petersdotter als „klugen, humorvollen und vertrauenswürdigen Kollegen“, dessen Ausscheiden er bedauere.

Bis zum Ende der Legislaturperiode bleibt Petersdotter im Amt und werde „mit voller Kraft meine Leidenschaft in diesen Job geben. Er macht immer noch Spaß.“ Eine Rückkehr in die Politik zu einem späteren Zeitpunkt schließt er nicht aus.

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