Grenzkrieg Kolumbien und Ecuador: Verkohlte Leichen und eine mysteriöse Bombe
Die Lage zwischen Kolumbien und Ecuador ist angespannt. Zum Zollkrieg kommen nun auch noch Bombardierungen im Grenzgebiet hinzu.
Foto: Xavier Montalvo/epa
Es waren schwere Vorwürfe, die Kolumbiens Präsident Gustavo Petro bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung erhob: „Wir werden aus Ecuador bombardiert, und es sind nicht Rebellengruppen, die das tun.“ Er habe US-Präsident Donald Trump aufgerufen, den ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa dazu zu bringen, Einsätze auf kolumbianischem Territorium einzustellen. „Denn wir wollen keinen Krieg.“
Einen Tag später sprach Petro in einem Post auf der Plattform X von „27 verkohlten Leichen“ im kolumbianischen Departamento Nariño. Getötet durch eine Militäroperation, die Ecuador in der Grenzregion durchführe. Präsident Noboa widersprach: Sein Land kämpfe „gegen den Drogenterrorismus in all seinen Formen“ – aber nur auf seinem eigenen Territorium. Viele der Banden würden aus Kolumbien stammen.
Zu diesen Vorwürfen kommt ein weiterer mysteriöser Fall. Nahe der Grenze zu Ecuador im Departamento Putumayo entdeckten Bauern bereits Anfang März eine Bombe, wie die New York Times berichtete. Gefunden wurde das Kriegsgerät auf einem Feld, auf dem Bananen und Koka angebaut werden. 250 Kilo schwer soll sie sein. Putumayo grenzt an Nariño, das Gebiet, wo die verkohlten Leichen gefunden wurden.
Der Bombenfund fällt zusammen mit dem Tag, an dem die USA den Beginn von gemeinsamen Militäroperationen mit Ecuador verkündeten. Trump hatte zuletzt eine – bislang vor allem symbolische – „Amerikas Anti-Kartell-Koalition“ (A3C) aus 17 Ländern zusammengetrommelt. Ecuador ist dabei. Kolumbien nicht.
Sehr unübersichtliche Situation
Man habe aus Sicherheitsgründen die kolumbianische Regierung verständigt, schreibt die New York Times. Kurz darauf erwähnte Petro die Bombe im Fernsehen und beschuldigte Ecuador, sie abgeworfen zu haben. Beweise lieferte er allerdings nicht. Sie gehöre nicht der Armee – und die bewaffneten Gruppen hätten keine Flugzeuge, sagte Petro nur.
Die kolumbianische Außenministerin Rosa Villavicencio versucht, die Wogen zu glätten. Am Donnerstag sagte sie: „Wir befinden uns mit Ecuador in einem Dialogprozess.“ Die Verteidigungsministerien arbeiteten an einer gemeinsamen Untersuchung zu der Bombe. Dass diese aus Ecuador stamme, sei mittlerweile klar.
Im Widerspruch zu den Aussagen des Präsidenten zu den verkohlten Leichen stehen Recherchen der Zeitung El Espectador, die sich auf Angaben der Rechtsmedizin berufen. Demnach habe es nur zwei Ereignisse mit verkohlten Leichen in Nariño gegeben – beide schon im Januar. In einem Fall sei nachts in einem Kokainlabor auf dem Land ein Brand ausgebrochen, bei dem zwölf Menschen starben. Der zweite Fall war ein Feuer mit zwei Toten.
Schon im Februar hatte das Onlinemedium Revista Raya über drei bombardierte Kokainlabore in Nariño und Dutzende Tote, darunter Zivilist:innen berichtet, und gefragt: „Sind die USA oder Ecuador verantwortlich?“ Die Vermutung: eine verdeckte Militäroperation, ausgeführt von Ecuador aus mit Drohnen, unterstützt von den USA.
Angespannte Lage
Die Beziehungen zwischen der rechten Regierung in Ecuador und der linken Regierung in Kolumbien sind seit Monaten angespannt. Im Januar hatte Noboa US-Präsident Trumps Strafzölle nachgeahmt und Waren aus Kolumbien mit 30 Prozent belegt. Er nennt das „Sicherheitsabgabe“. Angeblich, weil Kolumbien in der Grenzregion nicht seinen Teil zur Verbrechensbekämpfung beiträgt.
Mittlerweile hat sich der Zollkrieg auf beidseitige 50 Prozent hochgeschaukelt. Wirtschaftsverbände in beiden Ländern schlagen Alarm. Sie befürchten, dass 300.000 Arbeitsplätze wegfallen und der illegale Handel explodieren wird. Auch das Leben von Dialysepatient:innen sei in Gefahr, die von kolumbianischem Zubehör abhängig seien.
Nun muss die Diplomatie helfen. Beide Präsidenten sollen sich in Lima bei der Andengemeinschaft (CAN) am 23. und 24. März dank internationaler Vermittlung treffen. Es soll der erste persönliche Versuch werden, die wirtschaftliche und militärische Krise zu lösen.
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