piwik no script img

Gewerbemieter stärker schützenSelbst ist der Senat

Bezirksbürgermeisterin Herrmann und Wirtschaftssenatorin Pop (beide Grüne) wagen Vorstoß in Sachen Gewerbemieten. Ein Wochenkommentar.

In keiner deutschen Stadt steigen die Mieten für Gewerbe so stark wie in Berlin. Dies ergab zuletzt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. So stiegen die Mieten für ein 150 Quadratmeter großes Geschäft in einer 1B-Lage in Berlin in den vergangenen zehn Jahren um sagenhafte 267 Prozent. Im prosperierenden Erfurt waren es 127 Prozent, in Dresden 100 Prozent. Kein Wunder, wenn nun Stimmen laut werden, auch Gewerbemieter und -mieterinnen stärker zu schützen.

In einem RBB-Interview machte Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) den Anfang. Sie plädierte dafür, auch beim Gewerbe – analog zum Wohnen – einen Mietendeckel einzuführen. Allerdings seien dem Bezirk dabei die Hände gebunden, denn Gewerbemieten seien Bundesrecht.

Kurze Zeit später meldete sich auch die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zu Wort. Nächste Woche will sie auf der Wirtschaftsministerkonferenz eine Vorlage für einen Gewerbemietspiegel vorlegen. Außerdem will Pop auch eine Ausweitung des Milieuschutzes für Gewerbe.

So richtig diese Forderungen sind, so kurz gesprungen könnten sie dennoch sein. Bis im vergangenen Jahr startete Berlin eine Bundesratsinitiative nach der anderen, um die Mietengesetzgebung für Ballungsräume zu verbessern. Die meisten dieser Initiativen waren erfolglos. Bis ein Mitarbeiter des Bezirksamts Pankow die These aufstellte, dass mit der zweiten Föderalismusreform die Länder die Gesetzgebungskompetenz für Mieten zurückbekommen hätten. Das Ergebnis ist das Eckpunktepapier für einen Mietendeckel, den der rot-rot-grüne Senat gerade beschlossen hat.

Warum nicht die Milieuschutzgebiete um das Thema Gewerbe ergänzen

Auch in Sachen Gewerbe hat der Senat bereits eine Bundesratsinitiative gestartet – bislang ohne Ergebnis. Warum also nicht auch hier einen Schritt weitergehen und selbst Nägel mit Köpfen zu machen. Warum nicht die Milieuschutzgebiete um das Thema Gewerbe ergänzen und jede Mieterhöhung genehmigungspflichtig machen?

Alleine ein Eckpunktepapier hat die Deutsche Wohnen dazu bewogen, selbst den Vorschlag eines Mietendeckels in die Debatte zu werfen. Warum sollte zum Beispiel nicht auch Aroundtown, Berlins größter Gewerbevermieter (und Sponsor des FC Union) diesem Beispiel folgen, wenn der Senat einen Gewerbedeckel auf den Weg bringt. Und gleichzeitig eine Volksinitiative fordert: Aroundtown und Co. enteignen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Wer sind die Treiber, und gilt das auch fuer die immer zahlreicheren Ladenflaechen in Einkaufszentren?



    " So stiegen die Mieten für ein 150 Quadratmeter großes Geschäft in einer 1B-Lage in Berlin in den vergangenen zehn Jahren um sagenhafte 267 Prozent."



    Sagenhaft v.a. im Zeitalter des online-shoppings. Sind da die Kneipen fuer Touristen auf der Nachfrageseite massgeblich oder Einkaeufe der Touris?



    Die Gruenen sollten sich mal mehr um Klimaschutz kuemmern, dann kaemen auch weniger Flugtouris und das wuerde wohl auch die Ladenmieten bremsen.



    Viell. haben sich auch nur ein paar 1B -Lagen zu toplagen gewandelt? Wie ist das im uebrigen in der Altstadt Spandau zu verstehen?