Gewalttat mit zwei verletzten Mädchen: Ermittler sehen „extremistische Tatmotivation“ in Schongau
Den Messerangriff an einem bayerischen Gymnasium überlebten zwei Mädchen nur knapp. Immer mehr spricht für ein rechtsextremes Motiv des tatverdächtigen 16-Jährigen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Hinweise verdichten sich, dass die Gewalttat von Schongau letzte Woche einen rechtsextremen Hintergrund hatte. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) in München die Ermittlungen gegen den 16-jährigen mutmaßlichen Täter übernommen hat.
Zwar teilt die Stelle offiziell nur mit, es gebe Hinweise auf eine „extremistische Tatmotivation“. Indirekt stärkt sie damit aber den Verdacht des Rechtsextremismus, der nach der Tat schnell aufgekommen war, als ein mutmaßliches Tätermanifest im Netz auftauchte.
Bei dem Angriff letzten Mittwoch wurden zwei Mädchen am Schongauer Welfen-Gymnasium schwer verletzt. Als mutmaßlicher Täter wurde ein Mitschüler festgenommen. Er soll mit einem Messer auf die beiden eingestochen haben, nachdem eine Pistole zuvor nach einem Schuss versagt hatte. Eines der Opfer überlebte offenbar nur, weil Mitschüler*innen Erste Hilfe leisteten.
Der Tatverdächtige wurde von Lehrkräften und Polizist*innen überwältigt. Die Generalstaatsanwaltschaft München, bei der die Extremismus-Zentralstelle angesiedelt ist, wirft dem Jugendlichen nun zweifachen versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor.
Behörden sprachen von Amok
In den Stunden und Tagen nach der Tat hatten die Sicherheitsbehörden stets von einer Amoktat gesprochen und damit einen unpolitischen Hintergrund nahegelegt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte zunächst vor allem mögliche psychische Probleme des Täters betont.
Am unpolitischen Charakter der Tat kamen allerdings Zweifel auf, als das mutmaßliche Manifest im Netz auftauchte, aus dem der Spiegel ausgiebig zitierte. Neben Beleidigungen gegen Mitschüler*innen und Lehrkräfte soll das Dokument auch Drohungen gegen Frauen, Muslime, Homosexuelle und Transpersonen beinhalten.
Waffe angeblich aus dem 3D-Drucker
Und: Der Autor soll sich als „rechtsgerichtet“ und als „faschistischen Akzelerationisten“ bezeichnen. Gleichzeitig soll sich der Autor aber laut Spiegel auch explizit von der AfD und allen anderen politischen Parteien distanzieren.
Ob das Manifest nun der Grund dafür ist, dass die Extremismusstelle die Ermittlungen übernimmt, ist unklar. Die Sprecherin teilte mit, wegen der laufenden Ermittlungen werde man vorerst keine weiteren Details mitteilen. Nicht bestätigt ist damit auch, ob der mutmaßliche Täter tatsächlich versuchte, seine Tat per Video im Internet zu streamen, wie es nach der Tat verschiedentlich geheißen hatte.
Woher er die Waffen für seine Tat hatte, ist auch noch offen. Bei der Pistole soll es sich aber laut Medienberichten um eine Konstruktion aus einem 3D-Drucker handeln.
Klar ist aber: Der Tatverdächtige war in den letzten Jahren bereits mehrfach aufgefallen. So hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bereits letzte Woche mitgeteilt, es sei bereits zweimal gegen den Jugendlichen ermittelt worden. Er soll Mitschüler*innen bedroht und im Netz Amokläufe verherrlicht haben.
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