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Geschlechtstests im BoxenHochoffiziell zur Frau erklärt

Olympiasiegerin Lin Yu-ting wurde bei den Spielen 2024 vorgeworfen, keine Frau zu sein. Nach elend langen Untersuchungen darf sie nun wieder boxen.

Zertifiziert als Frau: Olympiasiegerin Lin Yu-ting darf wieder in den Ring Foto: ap

Lin Yu-ting darf endlich wieder boxen. Die Olympiasiegerin von Paris 2024 im Federgewicht aus Taiwan darf an den Asienmeisterschaften teilnehmen, die am 29. März in der Mongolei beginnen. Nach dem Ergebnis eines Geschlechtstests ist sie im Frauenwettbewerb startberechtigt. Über ein Jahr lang musste die 30-Jährige auf diese Entscheidung warten, über die der olympische Weltverband World Boxing nun auf seiner Website informiert hat. Um sie hatte es während der Spiele von Paris Diskussionen um ihre Startberechtigung gegeben.

Wie die Algerierin Imane Khelif, über die sich während der Spiele eine wahre Hassorgie ergoss, war sie 2023 bei den Weltmeisterschaften der International Boxing Association, der Vorgängerorganisation von World Boxing als olympischer Verband, aus dem Wettbewerb genommen worden, weil ein Geschlechtstest ergeben haben soll, dass sie nicht am Frauenwettbewerb teilnehmen darf.

Bei Olympia 2024 durfte sie ebenso wie Khelif dennoch starten. Nachdem die zutiefst korrupte IBA vom Internationalen Olympischen Komitee suspendiert worden war, fand das Boxturnier von Paris unter direkter IOC-Regie statt. Geschlechtstests waren für die Athletinnen dabei nicht vorgeschrieben.

Erfolgreicher Einspruch

Das hat sich unter der Ägide von World Boxing geändert. Wer nun an einem Wettbewerb von World Boxing teilnehmen möchte, muss sich testen lassen. Der Internationale Leichtathletikverband handhabt das genauso. Mittels eines PCR-Tests soll dabei festgestellt werden, ob die betreffende Person über ein Gen verfügt, das für die Entwicklung von Hoden verantwortlich ist. In einem ersten Test wurde das bei Lin Yi-Ting festgestellt. Doch so eindeutig, wie sich das Sportfunktionäre, die so gerne vom Schutz des Frauensports reden, wohl wünschen würden, ist das Verfahren keineswegs.

Die Boxerin und ihr medizinisches Team von der Chinese Taipeh Boxing Association legten Einspruch ein und reichten jede Menge medizinische Unterlagen bei World Boxing vor. In einem Schreiben von World Boxing an den taiwanischen Verband heißt es nun: „Das medizinische Komitee von World Boxing hat die vorgelegten medizinischen Unterlagen geprüft, bewertet und festgestellt, dass die Boxerin als weiblich eingestuft und somit berechtigt ist, in der Frauenkategorie anzutreten.“

Über ein Jahr lang hat es gedauert, bis Lin Yi-Ting nun die Freigabe für die Asienmeisterschaft erhalten hat. „Wir sind uns bewusst, dass dies eine schwierige Zeit für die Boxerin war“, meinte dazu Tom Dielen, der Generalsekretär von World Boxing. Und der taiwanische Verband ließ mitteilen: „Das ist eine enorme Erleichterung für Lin Yu-ting. Wir freuen uns, dass die unabhängigen medizinischen Experten von World Boxing alle Beweise sorgfältig geprüft und bestätigt haben, dass sie seit ihrer Geburt weiblich ist, keinen Wettbewerbsvorteil hat und ihr somit rechtmäßig ein Platz in der Frauenkategorie zusteht.“

Auch Imane Khelif, die in Paris so stark angefeindete Algerierin, hat vor Kurzem ihre Bereitschaft kundgetan, sich den neuen Regeln des Geschlechtstests bei World Boxing zu unterwerfen, wenn das die Voraussetzung für eine Titelverteidigung bei dem Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sei. Sie habe nichts zu verbergen, sagte sie in einem Interview mit dem US-Sender CNN. „Ich würde alles tun, was nötig ist, um an dem Wettbewerb teilnehmen zu können.“

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