Gendersprache in der katholischen Kirche: Bei Gott* hört’s auf

Beim Gendern prescht auch im Katholizismus die Jugend vor, nur langsam ziehen Bischöfe nach. Priester können aber weiterhin bloß Männer werden.

Malerei in einer Kirche zeigt eine Darstellung von Gott und dem heiligen Geist als Taube

Typische Darstellung von Gott: Alter weißer Mann am Himmelszelt Foto: Robert Harding/imago

Das mit der Sprache ist bekanntlich eine komplizierte Sache. Was ist korrekt? Was Satire? Welches Lob gilt als vergiftet? Wenn in Arbeitszeugnissen steht, Herr Müller habe sich „bemüht“, heißt das übersetzt: Herr Müller ist schlichtweg doof.

So ähnlich könnte man auch das gerade vom Trierer Bischof Stephan Ackermann geäußerte Statement verstehen, die katholische Kirche sei „um gendersensible Sprache bemüht“. Oder zugespitzt formuliert: Ein „liebe Christinnen und Christen“ ist weit davon entfernt, aus dem patriarchalen Katholikenhaufen eine gleichberechtigte Organisation zu machen.

Ackermann selbst sieht das naturgemäß anders. Für ihn „hinkt die Kirche beim Gendern nicht mehr hinterher“. Möglicherweise ein großer erkenntniskognitiver Schritt für Ackermann. Ein kleiner indes für die Katholische Studierende Jugend (KSJ). Die hatte schon im Herbst vergangenen Jahres beschlossen: Gott ist jetzt Gott*, also Gott mit Gendersterchen – und damit weder männlich noch weiblich, sondern binär, geschlechtslos, wie auch immer.

Da kann Ackermann natürlich nicht mitgehen: „Gott mit Genderstern. Da bin ich dagegen.“ Für ihn gibt es zwar nicht der/die/das Gott, sondern nur „Gott als Chiffre“. Doch genau das ist die Crux: Die jungen Gläubigen stellen mit Gott* die patriarchalen Strukturen ihrer Kirche infrage, während Ackermanns Chiffre-Gott lediglich den Status quo beschreibt.

Sprache kann wirkmächtig sein

Nun könnte man sagen, sprachliche Anpassungen von Gott wie Gott* und Göttin sind eher Makulatur als ein echter Wandel der Kirche hin zu einer offenen, die gelebte Realität anerkennenden Glaubensorganisation. Aber Sprache kann bekanntlich wirkmächtig sein und auf lange Sicht eine Gesellschaft verändern. Was könnte auf Göttin und Gott* also folgen? Beispielsweise Frauen und Transgenderpersonen als Priester*innen. Dieses Amt ist ihnen bislang verwehrt.

In der Antike war man bei der „Geschlechterfrage“ schlauer. So hatten beispielsweise die ägyptischen männlichen Götter Bes und Hapi weibliche Brüste und standen für Fruchtbarkeit und Leben.

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Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Journalistin, Germanistin, Slawistin. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es immer tun" über Partnerschaftsgewalt.

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