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Gedenkstein gegen RassismusErinnerung an Ufuk Şahin

37 Jahre nach der Tat würdigt der Bezirk Reinickendorf erstmals dauerhaft das Andenken an den ermordeten Ufuk Şahin – und an seine letzten Worte.

Die Trauerdemonstration für Ufuk Şahin am 20. Mai 1989 Foto: Christian Ditsch

Am 12. Mai 1989 wurde der 24-jährige Ufuk Şahin vor seinem Wohnhaus im Märkischen Viertel ermordet. Nun, 37 Jahre später, wurde am Tatort ein Gedenkstein mit seinen letzten Worten eingeweiht.

Der Gedenkstein mit dem Schriftzug „Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch – also was soll das?“ schaffe Sichtbarkeit genau dort, wo die Tat geschehen ist, erklärt Ebru Okatan, die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bezirksamts Reinickendorf. Er mache deutlich, dass diese Geschichte Teil des Bezirks sei und nicht verdrängt werde. Gleichzeitig gehe es nicht nur um Erinnerung, sondern auch um Haltung. Der Stein solle Menschen dazu anregen, innezuhalten, Fragen zu stellen und sich mit Rassismus auseinanderzusetzen.

Die Einweihung beschreibt Okatan als einen sehr bewegenden Moment. „Besonders eindrücklich war die Anwesenheit seiner Familie – darunter sein Bruder, seine Schwester und sein Sohn. In solchen Momenten wird deutlich, dass es sich nicht um eine abstrakte Geschichte, sondern um ein konkretes Schicksal handelt, das bis heute nachwirkt.“

Der Gedenkstein vor Ufuk Şahins Wohnhaus im Märkischen Viertel Foto: Bezirksamt Reinickendorf

An jenem Abend war Şahin mit einem Freund unterwegs, als sie auf den späteren Täter und dessen Verlobte trafen. Der Mann beleidigte Şahin rassistisch. Şahin antwortete: „Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch. Also was soll das?“ Der Täter zog ein Messer und stach ihm in die Leiste. Die Klinge traf eine Hauptschlagader. Ufuk Şahin verblutete noch am Tatort.

Wenige Monate vor dem Mauerfall galt das Märkische Viertel als Hochburg der rechtsextremen Partei Die Republikaner. Bei den Wahlen im Januar 1989 hatten rund 20 Prozent der männlichen Erstwähler in Westberlin für sie gestimmt.

1989 zogen 1.500 Menschen durch das Märkische Viertel. Einen Tag später demonstrierten fast 10.000 vorm Rathaus Schöneberg

Unmittelbar nach Şahins Tod organisierten Angehörige, Freun­d:in­nen und Nach­ba­r:in­nen Proteste. Am 19. Mai 1989 zogen 1.500 Menschen durch das Märkische Viertel. Einen Tag später demonstrierten fast 10.000 Menschen vor dem Rathaus Schöneberg, dem damaligen Regierungssitz Westberlins.

Im Oktober 1989 wurde der Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ein rassistisches Motiv erkannte die Richterin nicht an, obwohl sich der Täter vor Gericht weiterhin rassistisch äußerte.

Die Erinnerung an Ufuk Şahin musste lange erkämpft werden. Auch weil rassistisch motivierte Taten in Berlin erst ab 1990 systematisch erfasst wurden. Erst im Jahr 2019 rückte der Mord durch eine öffentliche Gedenkveranstaltung vor seinem Wohnhaus wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Um die Erinnerungsarbeit im Bezirk weiter auszubauen, wurde am 11. Mai erstmals der Ufuk-Şahin-Preis verliehen, der Engagement für ein respektvolles und solidarisches Miteinander würdigt. Unter dem Motto „Ich bin Mensch, du bist Mensch!“ ehrt die Auszeichnung Menschen und Initiativen, die sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Der diesjährige Preis ging an den Offenen Kinder- und Jugendtreff LAIV und soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.

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