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G7-Gipfel in FrankreichIm Fokus steht nur einer

Bis Mittwoch treffen sich die G7-Staaten in Evian, um über Nahost, die Ukraine und China zu beraten. Wie geschlossen können die Industrienationen trotz Trump auftreten?

Am Montag kommen die G7-Staats- und Regierungschefs erstmals seit dem Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar persönlich zusammen. Bis Mittwoch wollen sie im Französischen Evian über die aktuelle Weltlage beraten. Hauptthemen sind neben der instabilen Lage in Nahost, der Krieg in der Ukraine und die Unwuchten in den weltweiten Wirtschaftsbeziehungen zum Vorteil Chinas.

Auch wenn US-Präsident Trump am Donnerstag erklärt hatte, dass ein Abkommen mit dem Iran „unmittelbar“ bevorstehe und es „in Europa“ unterzeichnet werden könne, sieht es derweil so aus, als würde ein Deal bis zum G7-Treffen ausstehen.

Dann dürften die Europäer darauf drängen, die Wiederöffnung der Straße von Hormus von den Verhandlungen abzukoppeln. Frankreich und Großbritannien könnten ihre Pläne für einen internationalen Einsatz zur Absicherung der Schifffahrt bekräftigen, um die Folgen der Sperrung für die Weltwirtschaft einzudämmen. Die USA haben allerdings wenig Interesse, ihre Gegenblockade iranischer Häfen aufzugeben, weil dies ein wichtiges Druckmittel in den Verhandlungen ist.

Auch über die Ukraine soll in der Stadt am Genfer See ausführlich gesprochen werden. Bei einer Arbeitssitzung der G7 am Dienstag werden sich Trump und Wolodymyr Selenskyj persönlich treffen. Anders sah es im vergangenen Jahr aus. In Kanada 2025 war ein Treffen wegen Trumps vorzeitiger Abreise gescheitert. Wie auch im vergangenen Jahr wird es auch in Evian keine gemeinsame Abschlusserklärung geben.

Umgang mit China

Der ukrainische Präsident dürfte versuchen, zusätzliche Luftabwehr und Unterstützung bei der Reparatur der Energie-Infrastruktur zu organisieren. Die Europäer werden Trump voraussichtlich nahelegen, die Verhandlungen mit Russland voranzutreiben und dabei keine allzu großen territorialen Zugeständnisse von der Ukraine zu fordern.

Macron hat den „Abbau globaler Ungleichgewichte“ als vorrangiges Gipfelthema vorgegeben. Im Visier ist dabei in erster Linie China, das einerseits den Export wichtiger Materialien wie seltener Erden beschränkt und andererseits mit billigen E-Autos, Solarpaneelen und anderen Gütern die westlichen Märkte überschwemmt.

Die G7-Gruppe steht seit langem in der Kritik, ein elitärer Club zu sein, der über die Köpfe von anderen hinweg entscheidet. Um ihr Image aufzubessern, sind daher auch die Staats- und Regierungschefs von Brasilien, Indien, Ägypten, Kenia und Südkorea am Konferenzort am Genfer See vor Ort.

Die sechs Regierungschefs scheinen aus der vorzeitigen Abreise Trumps im vergangenen Jahr gelernt zu haben und versuchen, den Aufenthalt so gut es geht nach seinen Vorstellungen zu gestalten. So wurde der Gipfel verschoben, damit der US-Präsident am Sonntag seinen 80. Geburtstag mit einer Käfigkampf-Show vor dem Weißen Haus feiern kann.

Strittige Themen kamen gar nicht erst auf die Tagesordnung, etwa der Kampf gegen den Klimawandel. Auf Druck der USA wurde statt Südafrika Kenia eingeladen. Auch Kanzler Friedrich Merz, der am Montag nach Evian fliegt, hat sich im Vorfeld bemüht, sein abgekühltes Verhältnis zu Trump wieder aufzuwärmen – mit einem handschriftlichen Brief zum 80. Geburtstag. Ob Trump sich dadurch beeindrucken lässt?

Bundesregierung will sich mit kritischen Rohstoffen befassen

Aus Sicht der Bundesregierung geht es vor allem darum, die Straße von Hormus wieder für Handelsschiffe zu öffnen und den Iran daran zu hindern, sich weiterhin zu bewaffnen.

Die Weltwirtschaft generell und die sehr hohen Exportüberschüsse einzelner Länder werden Thema einer weiteren Arbeitssitzung am Dienstag. Die Bundesregierung hofft vor allem beim Zugang zu kritischen Rohstoffen voranzukommen.

Am Mittwoch steht ein Mittagessen mit Che­f:in­nen von Tech-Unternehmen auf dem Programm, bei der sie über die Umwälzungen durch ‌die künstliche Intelligenz beraten werden. Nach Angaben aus ⁠französischen Kreisen sind die Bosse von Anthropic, OpenAI, Alphabet, Mistral AI oder Meta eingeladen. In einer Videoschalte hatten Macron, Kanzler Friedrich Merz und andere G7-Chefs bereits am Donnerstag mit China über Handelsprobleme beraten.

Europäer wollen Putin unter Druck setzen

Im Kanzleramt hofft man, dass es gelingt gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer, Trump davon zu überzeugen, mehr Druck auf Putin auszuüben, damit dieser in Gespräche über ein Ende des Krieges einwilligt. Man sehe die Ukraine in einer Position neuer Stärke, Russland sei wirtschaftlich angeschlagen, heißt es. Mit aller gebotenen Vorsicht könne sich erstmals ein Fenster für Verhandlungen öffnen.

Doch bis es so weit ist, dauert es wohl noch eine Weile. Ohnehin dient der G7-Gipfel eher der Vorbereitung des wichtigen Natogipfels im Juli in Ankara. Fraglich ist auch, welche Rolle Starmer, dessen Verteidigungsminster nun kurz vor dem Nato-Treffen aufgrund eines Haushaltsstreites zurückgetreten ist, bei dem Gipfel mit der Regierungskrise im eigenen Land spielen wird. Gastgeber Macron fokussiert sich auf den Besuch aus den Vereinigten Staaten.

Dass Trump sein Kommen angemeldet hat, wertet Frankreich bereits als positives Signal einer minimalen Gesprächsbereitschaft und soll mit einem Willkommensgeschenk des Gastgebers belohnt werden. Präsident Macron hat Trump zu einem festlichen Tête-à-Tête bei einem Diner im Schloss von Versailles nach dem offiziellen Treffen in Evian eingeladen.

Macron, der sich weitgehend von der Innenpolitik abgewandt hat, bleibt auf dem internationalen Parkett sehr initiativ, und der G7-Vorsitz liefert ihm dafür eine Motivation und eine Legitimation. Trump hat sich in den vergangenen Monaten jedoch mehrfach über „Emmanueeel“ und dessen telefonische Anrufe lustig gemacht. Dass er dem französischen Gastgeber also vor, während oder nach dem Gipfel entgegenkommt, wäre mehr als erstaunlich.

Macron erklärte bei der Vorstellung des G7-Gipfels, dass er die Diskussion in den zahlreichen Divergenzen zumindest auf die „Agenda“ setzen kann, wenn nicht in Evian, dann für das G20-Treffen in Miami im Dezember oder sonst den G7-Gipfel 2027 oder 2028.

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