Friedrich Merz will Parteichef werden: Alles wie gehabt

Neustart heißt für die CDU, alte Männer aufzustellen, die zuvor bereits gescheitert sind. Doch vielleicht reicht es diesmal für Friedrich Merz, um Parteichef zu werden.

Friedrich Merz fasst sich an die Stirne.

Sogar Friedrich Merz bekommt nochmal eine Chance, endlich mal Erster zu werden Foto: Michael Kappeler/dpa

Die CDU hat drei Kandidaten für den Parteivorsitz aufgestellt, und weit und breit gibt es kein neues Gesicht. Stattdessen drei Männer, von denen zwei bei dem Versuch Parteichef zu werden, bereits gescheitert sind. Und der dritte steht so sehr für die Kanzlerin wie kaum ein anderer. Neustart? Fehlanzeige. Ein Hoffnungsträger? Nicht in Sicht. Oder gar eine Frau? Die eine, die bereit war, sich in den Wettbewerb zu stürzen, hat ihr eigener Kreisverband gleich umgehend ausgebremst.

Chancen hätte Sabine Buder aus Biesen­thal in Brandenburg in der CDU ohnehin nicht gehabt. Möglicherweise wäre sie keine gute Vorsitzende geworden. Aber ihre Kandidatur hätte für Irritation sorgen und Eingefahrenes zum Tanzen bringen können.

Stattdessen alles wie gehabt: Die einen in der Partei wollen Friedrich Merz an der Spitze im dritten Anlauf endlich durchsetzen, die anderen genau das unbedingt verhindern. Eine neue Runde in dem alten Konflikt, der die Partei seit Jahren blockiert, nur dass dieses Mal die Mitglieder abstimmen dürfen. Die drei Kandidaten zeigen, wie festgefahren die Lage der CDU wirklich ist – und wie desolat.

Nun kann man anführen, dass Norbert Röttgen sich wirklich um Aufbruch bemüht. Aber der Ex-Umweltbundesminister ist in der Partei kaum vernetzt und gilt als Solist, der zu echter Teamarbeit nicht fähig ist. Helge Braun wiederum, dem freundlichen und klugen Noch-Kanzleramtsminister, nimmt man zwar ab, dass er sich in den Dienst der Partei stellen will. Doch als enger Vertrauter der Kanzlerin ist er in die alten Grabenkämpfe verstrickt. Und als Mitglied der abgewählten Regierung kann er auch nicht für Aufbruch stehen.

Bleibt Merz, der sich bei der Vorstellung seiner Kandidatur überraschend mittig präsentierte, der wirtschaftsliberale Rechte schien plötzlich verschwunden. Mit dem Sozialpolitiker Mario Czaja holte er sich gar einen potenziellen Generalsekretär vom anderen Ende der Partei an seine Seite, lobte potenzielle Parteivizes, die ihm alles andere als nahestehen, und betonte, dass nur ein Team die Partei retten könne.

Es wäre eine irre Wendung in der neue­ren Geschichte der CDU: Dass ausgerechnet Merz, der wie kaum ein anderer für die Spaltung der Partei steht, diese einen könnte. Nicht nur seine Unterstützer:innen, die die zwei Niederlagen nicht verschmerzten, gäben endlich Ruhe. Auch das Merkel-Lager ließe sich einbinden. Damit wäre Merz zweifellos der Beste unter den drei Kandidaten. Nimmt man seine Ankündigungen vom Mittwoch ernst, man könnte fast daran glauben.

Doch die Erfahrung mit Merz spricht dagegen. Selbst wenn er will: Sein übergroßes Ego wird diese Wendung kaum zulassen.

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Jahrgang 1966, Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 1998 bei der taz - in der Berlin-Redaktion, im Inland, in der Chefredaktion, jetzt als innenpolitische Korrespondentin. Inhaltliche Schwerpunkte: Union und Kanzleramt, Rechtspopulismus und die AfD, Islamismus, Terrorismus und Innere Sicherheit, Migration und Flüchtlingspolitik.

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