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Friedensverhandlungen für die UkraineSprachliche Spezialoperation

Kommentar von

Barbara Oertel

Die Verhandlungen zwischen Russlands Präsident Putin und den US-Unterhändlern verliefen ohne Ergebnisse – und mit einer rhetorischen Kriegsumdeutung.

W ieder nichts. Auch die jüngste bilaterale Verhandlungsrunde zwischen Amerikanern und Russen über ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine – mittlerweile die sechste seit Jahresbeginn – hat keine wesentlichen Fortschritte, ja nicht einmal den Hauch einer Annäherung gebracht. Also alles wie immer? Nicht ganz. Hier lohnen ein Blick auf die Inszenierung des Treffens am Dienstag in Russlands Hauptstadt Moskau sowie die Beschäftigung mit der Rhetorik von Kremlchef Wladimir Putin – nach dem Motto: Da ist offensichtlich noch Luft nach oben.

Ganze drei Stunden ließ Putin die beiden US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner auf den Beginn der Zusammenkunft warten. Zwar gehört Zuspätkommen schon länger zu Putins Markenkern. Dennoch bleibt die klare Botschaft: Geringschätzung, ja regelrechte Verachtung für das Gegenüber, gepaart mit latentem Größenwahn. Immerhin fand Putin noch Zeit genug, um die Welt wieder an seinen Weisheiten teilhaben zu lassen, darunter das hier: Wenn der sogenannte dekadente Westen Krieg wolle, könne er ihn haben.

Dieser Krieg wird allerdings schon längst geführt – von Putin: mit Drohnen, Cyberangriffen, Sabotage, Desinformation. Schließlich ist der Westen, so sieht das Putin, der eigentliche Verantwortliche für Moskaus vollumfängliche Invasion, die bald vier Jahre dauert. Auch zur Ukraine, die laut russischem Narrativ keine Existenzberechtigung hat, wartete Putin mit originellen Überlegungen auf. Das sei kein Krieg im eigentlichen Wortsinne, vielmehr gehe Russland dort akkurat und chirurgisch vor. Täglich Tote, Verletzte, Gefolterte, Inhaftierte, gezielte Angriffe auf Wohnhäuser und Heizkraftwerke. Die militärische Spezialoperation einmal anders definiert – Chapeau!

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Immerhin scheint das Tête-à-Tête in Moskau nicht ganz umsonst gewesen zu sein. Denn angeblich soll es auch um lukrative beiderseitige Geschäfts- und Wirtschaftsbeziehungen gegangen sein. Die haben ohnehin Priorität, der sich alles andere unterzuordnen hat. Auch diese Erkenntnis hat nicht gerade Neuigkeitswert. Für die Ukraine kommt sie einer Katastrophe gleich, sicher nicht die letzte.

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Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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