Folgen des Irankriegs: Spritflation drückt auf Kauflaune
Die Konsumbereitschaft in Deutschland ist so niedrig wie seit Anfang 2023 nicht mehr. Nicht nur die Inflation bereitet den Menschen Sorgen.
Foto: Wolfgang Maria Weber/imago
Die Folgen des Irankriegs drücken zunehmend auf die Kauflaune und damit auf die Nachfrage auf dem deutschen Markt. Die Konsumneigung der Menschen hierzulande ist mittlerweile so schlecht wie seit Anfang 2023 nicht mehr. Dies teilten die Marktforschenden vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Montag mit. „Die Einkommenserwartungen brechen infolge der gestiegenen Inflation regelrecht ein“, erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl. So erachteten die Menschen auch den Zeitpunkt für größere Anschaffungen derzeit als weniger günstig. Die Binnennachfrage gilt als wichtiger Indikator für die Konjunktur.
Auch Anfang 2023 drückte die Inflation auf die Stimmung der Menschen im Land. Damals stiegen die Energiepreise im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Nun verknappt der Krieg der Regierungen der USA und Israels gegen das iranische Regime rund um die Straße von Hormus das globale Angebot an fossilen Energieträgern, hierzulande haben die Mineralölkonzerne daraufhin besonders die Spritpreise erhöht.
Die NIM-Einschätzung zum Konsumklima beruht auf 2.000 Interviews mit Verbraucher*innen, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. Für die aktuelle Erhebung fanden die Gespräche vom 2. bis zum 13. April. Demnach sorgen sich die Menschen nicht allein vor steigenden Preisen, sondern auch vor Folgen der gestiegenen Benzinpreise auf die Konjunktur.
Diese Sorgen werden von Ökonom*innen geteilt. Zuletzt senkte auch die Bundesregierung ihre Konjunkturerwartungen deutlich. Demnach geht sie davon aus, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird. Im Januar, also vor dem Beginn des Krieges, prognostizierte sie noch 1,0 Prozent. Dabei geht die Bundesregierung von einer Inflationsrate von im Schnitt 2,7 Prozent in diesem Jahr aus. Diesen Wert hat die Teuerung bereits im März erreicht, nachdem sie im Februar noch bei 1,9 Prozent lag.
EZB könnte mit Zinsanhebung reagieren
Legt die Inflationsrate zu, wird auch ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) wahrscheinlicher, die ein Inflationsziel von rund 2,0 Prozent verfolgt; sie könnte mit höheren Zinsen reagieren. Dies würde die Konjunktur zusätzlich bremsen.
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