piwik no script img

Folgen des IrankriegsAbwarten und keinen Tee trinken

Der Krieg im Nahen Osten stoppt den Export des wichtigsten Handelsguts von Kenia. Und auch der Anbau wird erschwert. Birgt die Krise trotzdem Chancen?

Simone Schlindwein

Aus Kampala

Simone Schlindwein

An Kenias Hafen in der Küstenstadt Mombasa stapeln sich die Säcke meterhoch. Über 8 Millionen Kilogramm Tee können derzeit nicht exportiert werden. Der Irankrieg mache es unmöglich, die frisch geernteten und getrockneten Teeblätter zu exportieren, klagt George Omuga, Vorsitzender des Verbands der ostafrikanischen Teehändler: „Unsere Abnehmer hatten bereits vor Kriegsbeginn bei den Exporteuren Tee bestellt, doch dieser Tee konnte aufgrund der Unterbrechung der Schifffahrtswege den Hafen von Mombasa nicht verlassen“, erklärt er.

In Mombasa findet wöchentlich die weltweit größte Teeauktion statt. Händler vor allem aus den arabischen Ländern sind vor Ort, um sich neue Lieferungen zu sichern. Kenia ist das weltweit führende Anbauland für Schwarztee.

Seit Kriegsbeginn Anfang März seien jede Woche 20 Prozent des kenianischen Tees, der normalerweise in die Länder des Nahen Ostens exportiert werde, in Mombasa liegen geblieben, so Omuga: „In den letzten zwei bis drei Wochen haben wir insgesamt 24 Millionen US-Dollar an Exporterlösen verloren.“ Wenn der Krieg noch lange anhält, könne dies zu einem „völligen Zusammenbruch“ des Teesektors führen.

Kenias Hauptexportland ist mit rund 40 Prozent des Marktanteils Pakistan, gefolgt von Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. „Wir suchen derzeit nach alternativen Absatzmärkten in China, Ägypten und Großbritannien“, erklärte vergangene Woche Paul Ronoh, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft in Kenia.

Hoffnung auf innerafrikanischen Handel

Floice Mukabana, Direktorin von Kenias Teeexportverband, sieht in der Exportkrise auch eine Chance: „Für uns als Kenianer und kenianische Exporteure bedeutet das, dass wir nach neuen Märkten suchen müssen, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent.“ Das 2021 in Kraft getretene Afrikanische Freihandelsabkommen mache es möglich, Tee auf dem afrikanischen Kontinent ohne Export- und Importsteuer zu vermarkten.

Teeblätter sind das wichtigste Exportprodukt Kenias. Mit einem Anteil von 16 Prozent an allen Ausfuhren sind sie wesentlich für Deviseneinnahmen. Laut dem kenianischen Tea Board, wo sich sämtliche Teebauern, Händler und Exporteure registrieren lassen müssen, machte der gesamte Sektor 2024 einen Umsatz von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro. Rund sieben Millionen Menschen leben landesweit vom Teegeschäft, ein Großteil davon Kleinbauern, die nicht viele Möglichkeiten haben, Verluste auszugleichen.

Neben dem Export ist auch der Teeanbau vom Irankrieg betroffen. Denn die Teebauern importieren Düngemittel aus Saudi-Arabien und Marokko. Diese Ladungen müssen ebenso durch die Straße von Hormus, die von Iran blockiert wird.

Kenias Regierung hält derzeit täglich Krisensitzungen ab, um die Auswirkungen des Irankrieges auf die Wirtschaft und die Währung zu analysieren. Die größte Sorge bereiten den Kenianern die steigenden Benzinpreise, die zusätzlich zum reduzierten Teeexport die Wirtschaft und die Kleinbauern belasten. Denn steigende Transportkosten bedeuten automatisch steigende Preise für landwirtschaftliche Produkte, was sich im Geldbeutel jeder Familie niederschlägt. Kenias Regierung hat unter Führung des Vizepräsidenten eine hochrangige Delegation nach China entsandt, um dort einen steuerfreien Exporttarif für Kenias Tee auszuhandeln, um „den Schock des Kriegs abzufedern“, so Handelsminister Lee Kinyanjui.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare