Folgen der Waffenruhe in Bergkarabach: Angeblicher Anschlag vereitelt

Armeniens Sicherheitsdienste haben nach eigenen Angaben einen Anschlag auf Regierungschef Nikol Paschinjan vereitelt. Drei Personen seien festgenommen worden.

Ein sich umarmendes Paar vor dem Hintergrund eines Klosters

Ein armenisches Paar besucht das Kloster bei Kalbadschar, das an Aserbaidschan gegeben werden muss Foto: Sergei Grits/AP/dpa

ERIWAN rtr | Die Behörden in Armenien haben nach eigenen Angaben einen Anschlag auf Ministerpräsident Nikol Paschinjan und die Machtübernahme durch Putschisten verhindert. Der Geheimdienst NSS erklärte am Samstag, drei Personen seien festgenommen worden. Sie hätten die Machtübernahme durch die Ermordung des Ministerpräsidenten geplant und es sei auch schon über Personen für dessen Nachfolge diskutiert worden.

Zu den Festgenommenen gehören den Angaben zufolge der Ex-NSS-Chef Artur Vanetsjan und der ehemalige Fraktionschef der Republikaner im Parlament, Vahram Baghdasarjan.

Regierungschef Paschinjan steht nach seiner Zustimmung zur Waffenruhe in der Enklave Bergkarabach bei zahlreichen Armeniern in der Kritik. Bei Protesten gegen seine Entscheidung war er auch als „Verräter“ tituliert worden.

Armenien und Aserbaidschan hatten sich über Wochen schwere Kämpfe um Bergkarabach geliefert. Dort leben überwiegend christliche Armenier. Völkerrechtlich gehört die Region im Südkaukasus zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich aber 1991 losgesagt hatte.

Armenien muss Gebiete abgeben

Unter Vermittlung Russlands war Anfang der Woche eine Waffenruhe ausgehandelt worden, die die Kämpfe beenden soll. Der Unmut vieler Armenier richtet sich vor allem dagegen, dass das von der aserbaidschanischen Armee gewonnene Gelände unter Kontrolle Aserbaidschans bleiben soll.

Denn das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben – für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste. Armenien muss am Sonntag ein erstes umkämpftes Gebiet an Aserbaidschan übergeben.

Dabei geht es um den Bezirk Kalbadschar. In der gleichnamigen Regionalhauptstadt und umliegenden Dörfern packten Bewohner bereits am Samstag ihre Koffer für die Flucht, einige Dorfbewohner zündeten sogar ihre eigenen Häuser an, damit sie nicht von Aserbaidschanern genutz werden können.

Gläubige besuchten zudem ein letztes Mal ein berühmtes Berg-Kloster in der Region. Nach der Übergabe von Kalbadschar sollen noch die Bezirke Aghdam und Laschin folgen.

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