Filme im Stream: Ost-westliche Begegnungen

Der Blick auf den fremden Orient im Filmmuseum Potsdam, ägyptische Dokumentarfilme im Arsenal und tolle Reisereportagen von Franz Xaver Gernstl.

Szene aus „The Son of the Sheik“ (1926)

Feuer und Flamme: „The Son of the Sheik“ (1926) Foto: Filmmuseum Potsdam

Geht es um Orientabenteuer, ist „Son of the Sheik“ (1926) ein gern gesehener Gast auf den Leinwänden. Oder momentan eben im Streaming-Programm in der heimischen Flimmerkiste. Das Filmmuseum Potsdam spielt den Stummfilm in seiner Reihe „Rembrandts Orient“, mit der man die noch bis 27. Juni laufende gleichnamige Ausstellung im Museum Barberini inhaltlich begleitet.

Und da passt ein Film, der eine sehr eindeutig westliche Imagination der arabischen Welt darstellt, eigentlich ganz gut. Richtig ernst kann man das vergnügliche Wüstenabenteuer nicht nehmen: Mit heißem Wüstenwind, feurigen Feuersbrünsten und schwelender Liebesglut muss es Rudolph Valentino hier aufnehmen, um einmal mehr seinen Ruf als größter Liebhaber der Stummfilmära zu bestätigen.

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Valentino spielt sowohl den Scheich als auch dessen Sohn Ahmed, legt die Rolle(n) leicht parodistisch an, und bekommt es mit seltsam kostümierten Schurken und der schönen Tänzerin Yasmin (Vilma Banky) zu tun (www.filmmuseum-potsdam.cinemalovers.de).

Aus der Cimatheque – Alternative Film Centre in Kairo stammen die Filme der ägyptischen Dokumentarfilmerin Atteyat Al Abnoudy, die das Arsenal 3 im Rahmen seines Programms Archive außer sich vom 1. Mai bis 8. Juni zeigt. Al Abnoudys dokumentarischen Stil könnte man vielleicht als eine Variante des Direct Cinema bezeichnen, ihre Themen fand die 2018 verstorbene Filmemacherin vor allem in den Bereichen soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung von Frauen.

Die Filmreihe zeigt insgesamt zehn Werke von Atteyat Al Abnoudy, darunter „Rhythm of Life“ (1988), ein Film über ländliches Leben in Ägypten, „Permissible Dreams“ (1983), das Porträt einer Bäuerin, sowie „Buyers and Sellers“ (1992), in dem die Regisseurin Gewinner und Verlierer der neoliberalen Wirtschaftspolitik unter Präsident Mubarak einander gegenüberstellt ([Link auf http://www.arsenal-3-berlin.de]www.arsenal-3-berlin.de).

Keine Ahnung, wieso ich von der ägyptischen Bäuerin plötzlich auf „Gernstl unterwegs“ komme – möglicherweise hat es etwas mit der Zugewandtheit, dem Interesse an Menschen zu tun, die in den Reisereportagen des Journalisten Franz Xaver Gernstl zum Tragen kommen. Immer wieder sind Gernstl, sein Kameramann Hans Peter Fischer und der Tonmann Stefan Ravasz mit einem Kleinbus losgefahren, um mit den Menschen verschiedener Landstriche ins Gespräch zu kommen.

Die Reiseroute mag dabei einem Konzept folgen und festgelegt sein, doch die Begegnungen mit den Leuten ergeben sich oft spontan. Gernstls Talent besteht insbesondere darin, die Menschen zum Reden zu bringen: Er stellt einfache Konversationsfragen und kann gut Zuhören. So entsteht Vertrauen, und die Leute erzählen ihre Geschichten fast von allein.

Im besten Fall ergibt sich aus diesen Gesprächen eine Art Kulturgeschichte der Region, ein Aufzeigen von Traditionen, die häufig bereits im Verschwinden begriffen sind. Doch oft geht es einfach nur um eine Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben und ihren Tätigkeiten, um Leute, die eins sind mit sich und der Welt. Kann man in diesen Tagen gut gebrauchen (www.ardmediathek.de).

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Lars Penning, geboren 1962. Studium der Publizistik, Theaterwissenschaft und der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Freier Filmjournalist. Filmredakteur bei tipBerlin. Buchveröffentlichungen: Cameron Diaz (2001) und Julia Roberts (2003). Zahlreiche filmhistorische und –analytische Beiträge für verschiedene Publikationen. Lebt in Berlin.

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