Fasten während der Pandemie: Ramadan trotz Corona

Für die meisten Muslime und Musliminnen beginnt heute der Fastenmonat. Die Länder haben unterschiedliche Strategien, mit der Coronakrise umzugehen.

Schatten eines Mannes, der durch ein Fernrohr schaut.

Ein Mann in Pakistan schaut durch ein Winkelmessinstrument, um den Beginn des Ramadan zu bestimmen Foto: Akhtar Soomro/reuters

BERLIN taz/dpa/afp | Für rund 1,6 Muslime und Musliminnen weltweit beginnt der Fastenmonat Ramadan. Das erklärte der saudische Königshof über die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstagabend nach Sichtung der Mondsichel. Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond und kann deshalb variieren. Auch die Islamverbände in Deutschland hatten den Freitag als ersten Fastentag festgelegt. In einigen Ländern wie Oman und Pakistan beginnt der Ramadan erst am Samstag.

Gläubige Muslim:innen verzichten im Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex – das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam. Geprägt ist diese Zeit normalerweise von gemeinsamen Gebeten und Fastenbrechen.

Doch wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen bleiben in diesem Jahr in den meisten Ländern die Moscheen geschlossen, auch Reisen in die heiligen Städte des Islam sind nicht möglich. Solche Maßnahmen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation in einem Ramadan-Leitfaden.

Die religiösen Autoritäten vieler Länder unterstützen die Restriktionen und fordern die Gläubigen auf, zu Hause zu beten und sich nicht in größeren Gruppen zu treffen. „Ich bin traurig, dass der Heilige Monat unter diesen Umständen kommt, die uns daran hindern, Gebete in Moscheen zu verrichten, wegen der vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Menschen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie“, zitierte SPA König Salman von Saudi-Arabien.

Menschen in Schutzanzügen in einer Moschee in Peshawar, Pakistan.

Pakistan erlaubt während des Ramadan teilweise Massengebete – dafür wird ordentlich desinfiziert Foto: Muhammad Sajjad/ap

Kein Trommler, aber Online-Almosen

Die Türkei verhängte zu Beginn des Ramadan bis Sonntag eine viertägige Ausgangssperre in 31 Städten. Das Fastenbrechen in großen Gruppen ist untersagt, wie das Innenministerium am Mittwoch mitteilte. Die Trommler, die normalerweise nachts um die Häuser ziehen, um die Gläubigen vor Sonnenaufgang zu wecken, dürfen keine Spenden an Haustüren einsammeln.

In Kirgistan, wo die Mehrheit muslimisch ist, waren die religiösen Autoritäten zu Beginn der Corona-Pandemie noch zögerlich und weigerten sich, Freitagsgebete einzuschränken. Jetzt, zu Beginn des Fastenmonats, bat der Obermufti Maksatadschy Toktomuschew die Gläubigen, die Feierlichkeiten ausschließlich zu Hause zu begehen. Religiöse Führer kündigten an, Informationen wie die Höhe der zu vergebenden Almosen über Telefon oder soziale Medien weiterzugeben. Das Spenden soll über Online-Banking möglich sein.

Doch nicht überall werden die Ausgangsbeschränkungen während des Ramadan strikt durchgeführt. Indonesien, das Land mit den meisten Muslim:innen weltweit, hat in der Provinz Aceh Massengebete erlaubt. Ägypten – mit 3.891 Infektionen und 287 Toten (Stand 24.04.2020) eines der am schwersten betroffene Länder auf dem afrikanischen Kontinent – verkürzt die nächtliche Ausgangsbeschränkung, und einige Geschäfte dürfen wieder öffnen. Und in Pakistan, wo der Ramadan erst am Samstag beginnt, gibt es bereits Diskussionen um mögliche Ausnahmen des Lockdowns.

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