Fahndungen nach Anschlägen in Brüssel

Terrorverdächtiger in Italien verhaftet

Die Suche nach dem Netzwerk geht weiter: In Italien wurde ein Algerier festgenommen. Er soll mit gefälschten Pässen die Einreise mutmaßlicher Täter ermöglicht haben.

Ein Polizist mit Hund, der schnüffelt an alten Steinen

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen auch in Rom: Polizist im Colosseum am Freitag Foto: reuters

BRÜSSEL/ROM dpa/ap | Nach den Bombenanschlägen von Brüssel setzen Ermittler die Suche nach möglichen Hintermännern fort. Aus Italien meldete die Polizei am Sonntag die Festnahme eines algerischen Verdächtigen, der auch Verbindungen zu den Urhebern der Pariser Terrorserie unterhalten haben soll. Ihm werde im Zusammenhang mit den Attacken vorgeworfen, die illegale Einreise von Migranten ermöglicht zu haben.

Der Mann gehöre zu einer Bande von Passfälschern, die mit den Attentätern in Verbindung gestanden habe, teilte die italienische Polizei am Samstagabend auf Twitter mit. Neben Abdeslam sollen jeweils mindestens einer der Attentäter von Brüssel und Paris von der Bande gefälschte Papiere genutzt haben.

Die Sicherheitsbehörden fahnden weiter nach mehreren mutmaßlichen Terrorhelfern. Nach Informationen der Welt am Sonntag sollen sich mindestens acht Verdächtige in Syrien aufhalten oder in Europa auf der Flucht sein. Die meisten davon seien Franzosen und Belgier, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. In Brüssel wird eine Klarstellung der Staatsanwaltschaft erwartet, ob es sich bei einem festgenommenen Mann um den tagelang gesuchten dritten Attentäter vom Flughafen handelt.

Nach dem Welt am Sonntag-Bericht zählen die gesuchten Islamisten zu den Kontaktpersonen des mutmaßlichen Drahtziehers der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, und des in Belgien gefassten Terrorhelfers Salah Abdeslam. An der Fahndung sei in Deutschland unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

DNA-Analyse

Nach Ermittlungsergebnissen aus Frankreich und Belgien soll der mutmaßliche Kopf der europäischen IS-Terrorzellen der Algerier Mohamed Belkaid gewesen sein, der bei einem Polizeieinsatz in Belgien erschossen wurde. Er soll gemeinsam mit Najim Laachraoui, einem Bombenbauer und späteren Brüssel-Attentäter, die Terrorkommandos bei den Pariser Attentaten von Belgien aus per Telefon angeleitet und koordiniert haben, wie das Sonntagsblatt weiter berichtete.

Laut der belgischen Zeitung Le Soir ist der dritte Attentäter vom Brüsseler Flughafen längst gefasst. Der in der Nacht zum Freitag festgenommene Fayçal C. sei von jenem Taxifahrer identifiziert worden, der das Terrorkommando zum Flughafen brachte. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Wie der Sender RTBF berichtete, wird noch auf das Ergebnis einer DNA-Analyse gewartet. Gegen Fayçal C. wurde Haftbefehl erlassen wegen Beteiligung an terroristischen Morden. Waffen oder Sprengstoff waren bei ihm nicht gefunden worden.

Nach den Razzien in Brüssel vom Donnerstag und Freitag sitzen weiterhin mehrere Verdächtige im Gefängnis. Neben Fayçal C. wurden gegen zwei weitere Verdächtige, die am Freitag bei Razzien festgenommen worden waren, Haftbefehle wegen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten erlassen.

Zu den Anschlägen in Brüssel und Paris hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. In der französischen Hauptstadt wurden am 13. November 130 Menschen getötet, in Brüssel rissen drei Selbstmordattentäter am 22. März 28 Menschen mit in den Tod.

Die Sicherheitslage in Belgien ist weiterhin angespannt. Ein für diesen Sonntag geplanter „Marsch gegen die Angst“ in Brüssel wurde abgesagt, da die Polizei mit laufenden Ermittlungen ausgelastet ist. Zuvor hatte Innenminister Jan Jambon hat die Bürger gebeten, nicht an der Kundgebung teilzunehmen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de