Facebook, Großbritannien und Merkel

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Warum Facebook nur einen Share bekommt, Großbritannien weder groß noch artig ist und RTL womöglich bald „Sauer sucht Frau“ dreht.

Merkel, Söder und Söders Frau Karin Baumüller-Söder in Abendkleidung nebenander

Musste den Abend mit Markus Söder verbringen: Angela Merkel Foto: dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Die SPD will das Parlament verkleinern.

Und was wird besser in dieser?

Sie geht mit gutem Beispiel voran.

Ein Hitzerekord jagt den nächsten. Vier Jahre lang wurden die 40,3 Grad Celsius in Deutschland nicht geknackt, am Donnerstag gab es dann gleich drei Rekorde auf einmal. Was ist Ihr Rezept gegen die Hitze?

Homo sapiens ist das einzige Tier, das sich nicht der Umwelt anpasst, sondern die Umwelt sich. Das findet die Umwelt so halbtoll und deutet gerade mit Hitze und Dürre an, wie darwinistischer Konterfußball aussieht. Der Mensch steht vor der Wahl, das Wetter zu beeinflussen, was viele für unmöglich halten. Dann schon besser so weitermachen und das Wetter beeinflussen. Dafür aber das „sapiens“ – „weise“ – am Eingang gewaschen und gebügelt zurückgeben.

Boris Johnson ist neuer britischer Premierminister – und möchte Großbritannien durch den Brexit zum „großartigsten Land der Welt“ machen. Erinnert Sie das an jemanden?

Kann sich ein bisschen hinziehen, bis die UNO aus 193 großartigsten Ländern der Welt besteht – die dann ernüchtert feststellen, dass sie trotzdem miteinander reden müssen. Johnsons UK ist weder groß noch artig, und langfristig sieht es aus, als habe ein Weltreich kurz in Europa verschnauft auf dem langen Weg zum schrulligen Zwerg. Diesem lärmenden Nationalismus im Stile Trumps entgegenzuwirken, hülfe gediegener Patriotismus. Etwa zur Melodie „Deutschland, Deutschland, unter anderem“.

Fünf Milliarden Dollar. Diese Strafzahlung hat die US-Handelskommission FTC für Facebook angesetzt. Der Grund: mehrere Datenschutzskandale. Das Unternehmen akzeptiert die Strafe. Ein Funken von Reue oder doch nur ein abgekartetes Spiel?

Ein Share. Von 22 Milliarden US-Dollar Gewinn allein in 2018. Immerhin ist damit amtlich, dass Facebook illegal Nutzerdaten weitergab, die Cambridge Analytica nutzte, um Trump die Wahl gewinnen zu lassen. Der verübelt den Onlinegiganten eher mangelnde Beflissenheit, denn Twitter „macht es meinen Leuten schwer, sich anzumelden“. Und beim Googeln gebe es schlimme Suchergebnisse fürs Suchwort „Trump“. Wissen wir, was er nach Feierabend so macht. Kurz: Die Attitüde der US-Regierung zu den globalen Onlinediensten ­ähnelt der Chinas, beide können Zensur nicht von Marktregulation unterscheiden.

Wenn es nach Grünen-Chef Robert Habeck geht, werden Inlandsflüge bis 2035 abgeschafft. Ist die Deutsche Bahn dafür gewappnet?

Ohne so ein Ziel wird sie es nie werden.

Annegret Kramp-Karrenbauer wurde diese Woche als Verteidigungsministerin vereidigt. Kurz zuvor forderte sie eine Steigerung der Rüstungsausgaben bis zum 2-Prozent-Ziel der Nato. Die SPD ist entsetzt. Wie halten Sie von AKKs Aufrüstungsfantasien?

Eine solide Wirtschaftskrise weiter kann das Ziel erreicht werden. Denn die 2 Prozent bemessen sich am Bruttoinlandsprodukt. Und könnten auch erzielt werden, wenn die Ausgaben nur mäßig steigen – dafür aber die Wirtschaft abraucht. Dann steigen die Verteidigungsausgaben relativ zum BIP. Für 2020 sind 1,37 Prozent avisiert, die Kluft bleibt erheblich. „Nach 25 Jahren des Sparens haben wir den Hebel umgelegt“ war AKKs neue Hülse für das, was auch Christdemokraten nach dem Ende des Kalten Krieges „Friedensdividende“ nannten. Die Schnaps- bzw. Rumidee vom „europäischen Flugzeugträger“ – ein Heiterkeitskracher unter kompetenten Militärs – hat sich nicht wiederholt.

In fernen Jahren mag man sich mal fragen, wie sich die Deutschen so lange unter der selbst gelegten Latte „2 Prozent“ durchmogeln konnten. Eine Antwort wird dann sein: Na ja, Sommer 2015, „Wir schaffen das“ – einer muss ja hinterher auch den Opfern von Kriegen helfen. Offenbar ist Merkel sogar zu schlau, zuzugeben, dass sie damals zu schlau war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kam ohne ihren Ehemann zu der „Tannhäuser“-Aufführung bei den Wagner-Festspielen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fühlte sich für sie zuständig und begleitete sie über den roten Teppich. Wieso darf man heutzutage nicht allein auf einer Party erscheinen?

Dann kommt RTL und dreht „Sauer sucht Frau“.

Und was machen die Borussen?

14.500 Zuschauer beim Viertligaspiel Rot-Weiss Essen gegen die zweite Mannschaft des BVB.

FRAGEN: ck, cas

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