FC Bayern und Wirecard: „Mehr Glück als Verstand“
Der FC Bayern wollte offenbar trotz Betrugsverdachts Wirecard als Sponsor haben. Die Pleite des Unternehmens kam dem Deal zuvor.
Einen weiteren Imageschaden hat der Verein, der Nachtflugverbot und normalsterbliche Behandlung als „Skandal ohne Ende“ sieht, offenbar so gerade abgewendet. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung wollte der FC Bayern sich ab Juli 2020 eine Sponsoring-Partnerschaft von dem nun insolventen Finanzdienstleister Wirecard finanzieren lassen. Sieben Millionen Euro wollte Wirecard den Bayern dafür drei Jahre lang zahlen.
Noch am 10. Juni kursierten dazu E-Mails zwischen dem Finanzkonzern und der Führungsetage des FC Bayern; und laut Wirecard-Unterlagen war im Mai ein exklusives Treffen zu Hause bei Uli Hoeneß geplant, so berichten WDR und NDR. Unklar ist, ob es dazu kam. Am 18. Juni dann fiel das Kartenhaus des mutmaßlichen Milliardenbetrugs bei Wirecard zusammen, es folgte die Verhaftung des Unternehmenschefs und die Insolvenz.
Der inzwischen insolvente Konzern hat Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“ seit dem Jahr 2015 aus. Schon 2019 berichtete die Financial Times über mutmaßlichen Betrug; das war auch dem FC Bayern bewusst, der, wie die Unterlagen zeigen, um einen Call zum Thema bat. Und trotzdem die Partnerschaft eingehen wollte. „Hoeneß & Co. hatten offenbar mehr Glück als Verstand“, schreibt die SZ.
Außerdem war Ende 2019 mit den Basketballern des FC Bayern eine Partnerschaft über 1,5 Millionen Euro abgeschlossen worden. Sie wurde, so WDR und NDR, just an dem 5. Juni verkündet, als Staatsanwälte erstmals die Wirecard-Zentrale durchsuchten.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert