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Extremes WetterVersicherung klagt über hohe Hagelschäden

Die harten Körner sind zerstörerisch. Die Klimakrise macht sie teils häufiger – und auch größer. Besonders Süddeutschland ist stark betroffen.

Extremwetter: Tennisballgroße Hagelkörner sind eine wachsende Gefahr für Menschen, Häuser und Wirtschaft Foto: Bernd März/imago

Azzano Decimo? Der kleine Ort im flachen Nordosten Italiens ist kein typisches Touristenziel. Seit dem 24. Juli 2023 aber kennen ihn zumindest Extremwetter-Experten. Damals ging ein Sommergewitter nieder und brachte Hagelkörner mit bis zu 19 Zentimeter Durchmesser – Europarekord. Und eine wachsende Gefahr für Menschen, Häuser, Wirtschaft.

„Schwere Sommergewitter mit Hagel verursachen global gesehen mehr versicherte Schäden als andere Naturgefahren“, sagt Matthias Hackl, bei Allianz Reinsurance, dem Rückversicherer des Versicherungskonzerns Allianz, verantwortlich für Forschung und Entwicklung rund um Katastrophen. Einzelne Gewitterfronten seien zwar nicht so teuer wie etwa ein tropischer Wirbelsturm oder eine Überschwemmung, doch aufsummiert geben die Versicherer für Hagelschäden mehr Geld aus.

Das Gewitter über Azzano Decimo im Juli 2023 war nicht das erste in dem Monat in Norditalien. Die Schäden einer Woche mit Unwettern beliefen sich insgesamt auf mehr als 6 Milliarden Euro.

2023 war auch in Deutschland das Jahr mit den bisher größten Hagelschäden. Rund 1,9 Milliarden Euro zahlten die Versicherer dem Dachverband GDV zufolge allein für Sturm und Hagelschäden an Autos. Weitere 3 Milliarden Euro wurden für Gebäude und anderes fällig. Insgesamt kosteten Naturereignisse die Branche damals 6,2 Milliarden Euro. 2025 sank die Gesamtschadenhöhe auf 2,6 Milliarden Euro. Das heißt nicht, dass es ruhiger wird. Die Werte schwanken über die Jahre stark.

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Mehr Hagelschäden durch den Klimawandel

Hagel entsteht meist im Sommer, wenn Winde Feuchtigkeit aus warmen Luftschichten in kalte wehen. Dort gefrieren die Wassertröpfchen und wachsen zu Hagelkörnern. Weil sie meist nur sehr begrenzt niedergehen und schnell vorbei sind, lassen sie sich nur schwer erfassen und wissenschaftlich untersuchen. Aussagekräftiger als die bloße Wetterbeobachtung sind da womöglich die Schadensdaten des größten deutschen Versicherers.

Und demnach hat Hagel zwischen 2005 und 2024 vor allem in Süddeutschland zugenommen. Besonders betroffen sind den Zahlen zufolge die Schwäbische Alb und das Alpenvorland sowie die Region München. Vor allem in der Eifel und der Pfalz sowie südlich Hamburgs und Berlins gab es aber weniger Hagel, der Schäden verursachte. Die Körner können aber schon Golf- oder Tennisballgröße erreichen.

Insgesamt sei die Luft sauberer geworden, sagt Hackl. Wo weniger Aerosole vorhanden seien, könne die Feuchtigkeit nicht so gut zu Tropfen werden, Hagel sich also nicht bilden. Dass es im Süden häufiger hagelt, erklärt der Experte zum Teil mit dem Klimawandel. Die Zahl der Tage, an denen Hagel entstehen könne, sei in Süddeutschland gestiegen.

Und auch der Trend zum großen Hagelkorn hat mit dem Klimawandel zu tun. Es gebe mehr Stürme, die Hagelzonen lägen höher, sagt Hackl, viele Körner tauten noch in der Luft. Der Schluss: Das, was durchkommt, ist dann in der Regel umfangreicher – und gefährlicher. Die Eisklumpen zerstören Solarflächen, durchschlagen Dächer, lassen mit ihrem Gewicht Hallen einstürzen und dellen Autos ein.

Verhindern lässt sich ein Schaden nicht, aber verringern. In der Landwirtschaft schützen Hagelnetze. Bei Gebäuden helfen stabilere Materialien, Firmen sollten keine Anlagen im Freien betreiben, wie Christin Hoefflin, Risikoexpertin beim Industrieversicherer Allianz Commercial, sagt. Autofahrer sollten den Wagen – wenn möglich – unterstellen.

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