Extreme Kälte in den USA: Te­xa­ne­r:in­nen ohne Strom

Durch das Winterchaos gibt es vor allem im US-Bundesstaat Texas Stromausfälle. Das hat Energiewende-Kritiker:innen auf den Plan gerufen – zu Unrecht.

Ein Man steht auf der Arbeitsplatte seiner Küche und wärmt sich die Füße über kochenden Töpfen auf dem Gasherd

Pflugerville, Texas: in diesem zugeschneiten Wohngebiet ist der Strom ausgefallen Foto: Ashley Landis/ap

BERLIN taz | Fast überall Kälterekorde, Schnee an texanischen Stränden, mehrere Tote – die USA versinken im Winterchaos. Beim US-Wetterdienst ist von einem „noch nie dagewesenen und weitreichenden, gefährlichen Winterwetter“ die Rede.

Im Norden sind die Temperaturen besonders schlimm, minus 38 Grad wurden im Bundesstaat Minnesota zwischenzeitlich gemessen – aber der Süden ist besonders schlecht vorbereitet. Einige Bundesstaaten haben mit Stromknappheit und -ausfällen zu kämpfen. Nirgendwo aber sind so viele Menschen davon betroffen wie in Texas.

Am Montag, als sich der Engpass wegen des beispiellosen Heizbedarfs ankündigte, war der Netzbetreiber Electric Relia­bi­lity Council of Texas (Ercot) die Sache noch humorvoll angegangen. „Zieht den Stecker bei all euren schicken, neuen Geräten, die ihr während der Pandemie gekauft und nur einmal genutzt habt“, schrieb die Organisation auf Twitter, um möglichst viele Menschen zum Stromsparen zu bewegen.

Ercot betreibt das Stromnetz Texas Interconnection, das den Großteil des Bundesstaats abdeckt. Es ist nicht mit den anderen Stromnetzen der USA verbunden. Sich in dieser Frage der Bundesregulierung zu unterwerfen, die notwendige Folge eines integrierten Stromsystems, ließ sich schon in den Dreißigerjahren nicht mit dem texanischen Lokalpatriotismus vereinbaren.

Eingefrorene Windräder und Gasleitungen

Die Leitungen nach außen wurden gekappt. Das heißt aber auch, dass nicht mal eben Strom aus anderen Bundesstaaten importiert werden kann, wenn es eng wird.

In den vergangenen Tagen hat sich die Lage zugespitzt. Laut dem Datendienst Poweroutage bekamen am Mittwochmorgen (Ortszeit) fast 3 Millionen texanische Haushalten keinen Strom, zwischenzeitlich hatte die Zahl schon bei 4,4 Millionen gelegen. In manchen Landkreisen sind fast alle Haushalte betroffen.

Über die Ursachen für die Notlage hat sich eine aufgeheizte Debatte entbrannt. Für viele Rechte ist klar: Schuld ist die Energiewende. „Das passiert, wenn man das Netz dazu zwingt, auf Windkraft zu bauen“, echauffierte sich etwa Dan Crenshaw auf Twitter, der für die Repu­bli­kaner im Repräsentantenhaus sitzt.

„Zu viele Subven­tio­nen für Windräder, zu wenig Investitionen in Gaskraft“, beklagte er. „Unterm Strich: Erneuerbare Energien funktionieren nicht gut bei extremem Wetter. Werden sie auch nie.“

Tatsächlich standen etliche texanische Windräder still – eingefroren. Abgesehen davon, dass neuere Windräder durchaus Heizungen auf den Rotorblättern haben können, um genau das zu verhindern: Die Hauptursache für die Stromausfälle sind die stillstehenden Anlagen nicht.

Insgesamt waren Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 30 Gigawatt ausgefallen. Und ungefähr 27 Gigawatt davon entfallen auf Gaskraftwerke. Vor allem fehlte es an Nachschub des fossilen Brennstoffs. Eingefroren sind nämlich nicht nur einige Windräder, sondern auch viele Gasleitungen.

Texas’ Gouverneur, der Republikaner Greg Abbott, findet den Stromausfall „inakzeptabel“ und will jetzt eine offizielle Untersuchung zu den Vorgängen bei Ercot anschieben.

Der Netzbetreiber ist allerdings formell eine Non-Profit-Organisation, die der bundesstaatlichen Aufsicht unterliegt. Und damit freilich vor allem der Kontrolle von Abbotts eigener Partei, die Texas schließlich seit Jahrzehnten regiert.

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