Erwerbsbeteiligung der Gen Z steigt : Ganz so wie Friedrich Merz es will
Entgegen dem gängigen Klischee gehen immer mehr junge Erwachsene einer Beschäftigung nach. Wie schön: Die Politik der Bundesregierung wirkt.
Foto: Georg Ulrich Dostmann/ERZ-Foto/imago
D ie Gen Z hat einen Grund, sich zu freuen. In der Achtung des Bundeskanzlers dürfte sie in den letzten Jahren gestiegen sein. Um 7,1 Prozentpunkte zwischen 2015 und 2025, um genau zu sein. So groß ist laut einer Auswertung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Anstieg die Erwerbsquote unter den 20- bis 24-Jährigen. Und wir wissen ja, dass nichts Friedrich Merz so sehr freut wie tatkräftiges Engagement auf dem Arbeitsmarkt.
So fanden die Forscher heraus, dass fast 77 Prozent der jungen Erwachsenen einer Beschäftigung nachgehen. Bemerkenswert ist auch, dass die Erwerbsquote trotz schwacher Konjunktur seit 2023 noch mal um 0,9 Prozentpunkte gestiegen ist.
Laut den Autoren der Studie arbeiten die jungen Menschen überdurchschnittlich oft im Handel und in der Gastronomie – typische Studierendenjobs. „Arbeit ist nicht nur eine Unterbrechung der Freizeit, sondern ein Teil der Lebenserfüllung“, sagte Merz Anfang 2025 im Wahlkampf. Und die Studis der Gen Z finden diese Erfüllung offenbar auch immer mehr abseits der Hörsäle ihrer Unis und Hochschulen.
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Wie trefflich also, wenn die Volkswirtschaft den orientierungslosen Jungen auf die Sprünge hilft. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten sind nicht allein eine Umverteilung von unten nach oben. Sie sind auch ein Anreiz, sich als tätiger Mensch selbst zu verwirklichen.
Rüstung als Chance
In der nationalen Kraftanstrengung darf man es mit den Fakten nicht zu eng sehen. Wenn der Bundeskanzler im Sommerinterview des ZDF darauf hinweist, dass die Schweizer 200 Stunden mehr arbeiten als die faulen Deutschen, dann muss man nicht – wie der Journalist Maurice Höfgen – darauf rumreiten, dass die OECD-Studie, auf die sich Merz beruft, explizit nicht für Ländervergleiche gedacht ist. Oder dass Länder wie Kolumbien und Mexiko, in denen am meisten und fast doppelt so viel gearbeitet wird wie in Deutschland, dadurch nicht gleich doppelt so reich sind, weil Arbeitszeit nicht das Gleiche ist wie Produktivität.
Nein, man muss den Fokus auf das Mindset bewahren – und sich nicht durch Forderungen nach einem Konjunkturprogramm aus dem Konzept bringen lassen. Denn öffentliches Geld ist aktuell eben vor allem für eine Branche da, und das ist die Rüstungsindustrie.
Während die Regierung in den kommenden vier Jahren 607 Milliarden Euro für Kriegsgerät ausgeben will, müssen die Studierenden noch bis zum Sommersemester 2029 auf ihre Erhöhung der Bafögsätze auf Grundsicherungsniveau warten. Auch die Zahl junger Menschen, die die staatliche Ausbildungsförderung beziehen, ist auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren.
Das dürfen die Jungen ruhig als weiteren Ansporn verstehen. Wieso müßigen Lifestyle-Teilzeit-Studis mehr Geld geben, wenn man damit auch Waffenfabrikanten alimentieren kann? Jene Konzerne wie Rheinmetall, bei denen auf Rüstungsmessen schon mittags der Champagner fließt. Und wer weiß: Vielleicht springt ja dort – oder bei einem der sympathischen neuen Drohnen-Start-ups – der nächste Nebenjob raus.
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