Entwicklung von Wasserstoffmotoren: Zug-Spezialist*innen ziehen mit
Das Bremer Werk der DB-Fahrzeuginstandhaltung will mit dem Fraunhofer-Institut testen, wie sich Verbrenner-Motoren auf Wasserstoff umstellen lassen.

Powerpacks setzen sich zusammen aus Motor, Getriebe und Kühlanlage. Eigentlich wie im Auto, sagt Herzog. Die Idee ist, das Austauschen leichter zu machen: Man kann die Antriebseinheit mit allem Drum und Dran aus dem Zug nehmen und durch ein frisches Powerpack ersetzen. So kann der Zug schnell zurück auf die Schiene.
Wenn ein Motor in Bremen ankommt, wird er komplett demontiert, „bis auf die letzte Schraube“, erklärt Herzog. Einige Teile sind schrottreif und werden ersetzt, andere Teile werden aufgearbeitet.
Neu zusammengesetzt kommt jeder Motor auf den Prüfstand, je nach Größe acht bis 14 Stunden: Kraftstoffverbrauch, Drehzahl, Drehmoment – alles wird in verschiedenen Belastungszyklen getestet. Herzog vergleicht den Motor auf dem Prüfstand mit seinen zahlreichen Drähten, Sensoren und Stöpseln mit einem Sportler beim Leistungstest. Die Verbrennungsmotoren, die hier auf dem Prüfstand stehen, werden vor allem in Regional- und Güterzügen genutzt. Andere Züge fahren mit Strom aus Oberleitungen.
Sebastian Herzog, Werkleiter DB-Fahrzeuginstandhaltung
Wie viele Motoren ein Eisenbahnunternehmen für den Austausch bereithält, entscheidet es selbst. Die Bremer*innen sind für die Instandhaltung zuständig – „schnellstmöglich und in der geforderten Qualität“, sagt Herzog.
Die Arbeit im Werk ist dafür fast durchgängig digital und papierlos organisiert. Werkleiter Herzog nennt das „digitale Produktionssteuerung“: Mitarbeitende erhalten ihre Arbeitsaufträge aufs Tablet und bestätigen elektronisch, was erledigt wurde. „Wir haben es immer wieder geschafft, uns an die Zukunft anzupassen“, sagt Herzog.
Dass in Zukunft deutlich weniger Züge mit Diesel fahren werden, wissen sie auch in Bremen. Bald will das Werk gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (Ifam) Wasserstoff in Verbrennungsmotoren testen. Dafür soll auf dem Werksgelände ein Prüfstand entstehen. Die DB-Fahrzeuginstandhaltung stellt Raum und Wissen zur Verfügung, das Ifam kümmert sich um Bau und Betrieb des Prüfstands.
Das Werk Bremen richte sich am Bedarf der Kunden aus, sagt Herzog. Wenn sich der Markt Richtung Klimaneutralität entwickelt, wolle man bereit sein: „Wir wollen mit Ja antworten können, wenn gefragt wird, ob wir einen Wasserstoffmotor prüfen können.“
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) spricht in Bezug auf das Projekt von der „Zukunftssicherung des Werkes“. Verkehrssenatorin Özlem Ünsal (SPD) nennt die Umrüstung bestehender Antriebe auf klimafreundliche Technologien „ein Schlüsselelement der Verkehrswende“.
Das Werk ist 111 Jahre alt. Bis 2019 wurden hier auch Loks instandgehalten. Dann folgte die Spezialisierung auf Motoren und Powerpacks.
Kundin ist vor allem die DB, aber auch andere Verkehrsbetriebe geben hier Motoren ab. Das Werk ist Ausbildungsbetrieb für Industriemechaniker*innen und Lagerlogistiker*innen. Rund 400 Menschen arbeiten hier im Dreischichtbetrieb auf knapp 40.000 Quadratmetern im Industriegebiet in Bremen-Sebaldsbrück.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Straffällige Ausländer*innen
Es ist nicht der Pass
Laut Medienbericht
Trump-Berater Elon Musk zieht sich zurück
Verurteilung von Marine Le Pen
Recht so?
Zölle von US-Präsident Trump
Eskalation vermeiden
Rechtsextreme Jugendszene
Brutal jung
Der Nahe Osten und ich
Ist die Linke kaputt?