Entsiegelung in Bremen: Grün hilft dem Klima und gegen Depression
Bremen fördert, dass Menschen Flächen entsiegeln und sie begrünen – mit Erfolg. Das hilft auch der psychischen Gesundheit, belegen Studien.
Seit diesem Jahr beteiligt sich Bremen am bundesweiten Wettbewerb „Abpflastern“, bei dem Menschen in privater Initiative Flächen entsiegeln und in den meisten Fällen auch bepflanzen. Das hat in Zeiten des Klimawandels mehrere positive Folgen: Zum einen kann bei Starkregen das Regenwasser besser im Boden versickern. So werden Überschwemmungen der Kanalsysteme verhindert. Zum anderen kühlen begrünte Flächen die Lufttemperatur ab, während Stein und Beton Hitzeeffekte verstärken. Zudem gewinnen Pflanzen und Tiere neue Lebensräume, wenn Grünflächen angelegt werden.
Aber Menschen profitieren noch in einer zusätzlichen Weise, sagt Elke Meier, Ingenieurin für Umwelttechnik bei der Bremer Umweltberatung. Sie berät Bürger:innen, die Förderanträge für Entsiegelung und ähnliche Maßnahmen wie Dachbegrünung stellen wollen. „Das dient der psychischen Gesundheit.“
Tatsächlich ist dieser Effekt schon in mehreren Studien nachgewiesen worden. Im vergangenen Jahr veröffentlichten chinesische Wissenschaftler:innen eine groß angelegte Kohortenstudie. Bei dieser wurde der Zusammenhang von Wohnumfeld und Depressionen von knapp 335.000 Stadtbewohner:innen in Schottland, Wales und England untersucht.
Dabei zeigte sich, dass das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei guter Luftqualität geringer war als bei schlechter. Noch deutlicher war dieses Ergebnis, wenn es zusätzlich einen hohen Anteil von begrünten Flächen in der Nachbarschaft gab.
Grüne Infrastruktur in Städten hilft gegen Depression
Dies zeige das Potenzial, schreiben die Autor:innen, das grüne Infrastruktur in Städten, zusammen mit der Kontrolle von Luftverschmutzung, habe, wenn es darum geht, die sozioökonomisch ungleiche Verteilung von Depressionen in der Bevölkerung auszugleichen. „Das könnte essenzielle Möglichkeiten bieten, die Vision von psychischer Gesundheit für alle voranzubringen.“ Durch Studien ist auch belegt, dass Menschen mit wenig finanziellen und/oder sozialen Ressourcen überdurchschnittlich oft psychisch krank werden.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine ebenfalls 2025 publizierte internationale Studie: Danach korrespondierte vor allem in Städten eine grüne Umgebung mit einem geringeren Risiko wegen einer psychischen Erkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden.
Elke Meier von der Bremer Umweltberatung rät daher dazu, auch kleine Flächen zu entsiegeln und zu begrünen. „Ich stelle mir das wie ein Puzzle vor“, sagt sie in ihrem Büro in der Bremer Innenstadt mit Blick in die Wallanlagen, ein Park, der sich um den alten Stadtgraben zieht. „Jedes noch so kleine Teil trägt zu diesem Puzzle bei und irgendwann sind alle miteinander verbunden.“
Anfang 2025 hat Bremen ein Schwammstadt-Programm aufgelegt, mit dem sich Privateigentümer:innen die Kosten für Entsiegelung von Flächen vom Staat in Höhe von 30 Prozent zurückholen können. Seitdem hätten die Anfragen nach Beratung deutlich zugenommen, sagt Elke Meier. „Entsiegelung war bis dahin eigentlich kein Thema“, sagt sie. Zwischen 2020 und 2024 hätten sie für Klient:innen ganze 10 Anträge auf Förderung bearbeitet. Seit Beginn des Programms seien es jetzt schon 24 gewesen.
Je mehr Fläche versiegelt, desto teurer die Gebühren
Motivierend scheine auch noch ein Hinweis in den Bescheiden über die Abwassergebühren zu sein, vermutet Elke Meier. Denn seit zwei Jahren gilt in Bremen wie in vielen anderen Kommunen eine Gebührenordnung. Nach dieser werden Abwasser und der Kanalisation zugeführtes Regenwasser auch für Flächen unter 1.000 Quadratmetern getrennt berechnet. Das soll einen Anreiz zur Entsiegelung schaffen und die Gebühren gerechter aufteilen. Denn: Je mehr Fläche versiegelt ist, desto teurer wird es.
Allerdings ist das Berechnungsverfahren so aufwendig, dass die ersten Bescheide erst 2027 verschickt werden, wie die Umweltbehörde ankündigte. Dann aber rückwirkend.
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