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Ende der „Bäderbahn“ in der Lübecker BuchtWillkommen im Stau

André Zuschlag

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André Zuschlag

Die „Bäderbahn“ macht die Küstenorte an der Lübecker Bucht mit dem ÖPNV erreichbar. Sie still zu legen, wäre ein riesiger Rückschritt.

E inen Sommertag an der Lübecker Bucht zu verbringen, ist eigentlich die Hölle. Völlig überfüllt ist es da, am Timmendorfer Strand oder in Scharbeutz. Dass das Handtuch an den Stränden kaum Platz hat, ist dabei aber nicht mal das zwingende Problem. Vielmehr ist es der Weg dorthin, das Verkehrschaos auf den Ortsstraßen kurz vorm Strand, die Blechkolonnen, die sich im Schritttempo ihren Weg zu den verzweifelt gesuchten freien Parkplätzen bahnen.

Das letzte verbliebene Argument, dort dennoch einen Tag am Strand zu verbringen, ist bislang gewesen, dass es eine ziemlich entspannte Möglichkeit zur Anreise gab: die Bäderbahn zwischen Bad Schwartau und Scharbeutz.

Bei den Spaziergängen von den Bahnhöfen zu den Stränden ließen sich bislang sogar die Autos überholen, die im Stau nicht von der Stelle kamen. An einer vielbefahrenen Straße entlangzulaufen, ist zwar nicht die pure Entspannung, immerhin aber stressfreier, als im Auto zu hocken und kaum von der Stelle zu kommen. Gerade für Ta­ges­tou­ris­t:in­nen ist die Bahnverbindungen optimal, haben sie doch schließlich kaum Gepäck dabei.

Für die Küstenorte drohen bei der Stilllegung also nur schlechte Aussichten. Denn: Entweder die Bahn-Tourist:innen kommen nicht mehr oder aber sie kommen künftig mit dem Auto. Beides ist Mist – nicht nur für die Orte, die durch den Verkehr ohnehin an Reiz verloren haben, sondern auch für die ÖPNV-Nutzer:innen – und für die Verkehrswende.

Schließlich gibt es kaum ein schlechteres Signal der Politik, als heute noch eine bestehende Bahnverbindungen dicht zu machen. Daraus lässt sich ja nur eine Botschaft ableiten: Kauft euch gefälligst ein Auto, wenn ihr mobil sein wollt! Ein Busverkehr als Alternative kann schließlich kaum die Kapazitäten der Züge erreichen. Und wenn doch: Die Busse stünden ohnehin im Stau.

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André Zuschlag

André Zuschlag Redakteur taz nord

Jahrgang 1991, hat Politik und Geschichte in Göttingen, Bologna und Hamburg studiert. Von 2020 bis August 2022 Volontär der taz nord in Hamburg, seither dort Redakteur und Chef vom Dienst. Schreibt meist über Politik und Soziales in Hamburg und Norddeutschland.
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4 Kommentare

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  • Scharbeutz und Haffkrug haben kurze Wege vom Bahnhof zum Strand. Mein letzter Urlaub dort erinnerte mich mehr an einen Rastplatz an der Autobahn als an einen Kurort. Ähnlich auch Gröbnitz.



    Besser wäre, die Bahn von Neustadt in Hollstein nach Gröbnitz und Kellenhusen zu verlängern. Auch wenn die danach eingesetzten Züge in Neustadt Straßenbahn- Fähigkeiten haben müssen: langsam fahren, Magnetschienenbremsen.

    Einige Anwohner haben Angst, daß die Strecke nach Fertigstellung der Verbindung nach Dänemark gelegentlich auch von Güterzügen genutzt wird.

  • 4G
    48798 (Profil gelöscht)

    Das Verkehrsministierium meint es nicht gut mit dem Norden.



    Der Elektrifizierungsgrad der Bahn beträgt gerade mal 30% (so wenig, wie keine andere europäische Region), der Nord-Ostseekanal ist durch Einsparungen zum Sanierungsfall geworden, der ÖPNV ist in der Fläche praktisch nicht existent.



    Und nun wird auf den bloßen Verdacht, die Bäderbahn könne zu einem Problem für die Fehmarn-Belt-Querung werden (die kein Mensch wirklich benötigt) eine wichtige Bahnstrecke einfach mal stillgelegt.



    Was sagen eigentlich die Grünen dazu, die sich ja für eine Klimapolitik haben wählen lassen? Oder heißt es da, wie immer, nur lapidar: Wir mussten uns anpassen…

  • Ist ja nur öffentliche Infrastruktur.



    Kann man ja ruhig kaputtmachen.

  • Wenn man ehrlich ist, ist die derzeitige Bahnanbindung von Timmendorfer Strand und Scharbeutz aber auch nicht so besonders attraktiv. Anders als in Travemünde, wo die Bahn fast bis zur Uferpromenade und zum Strand fährt, liegt die Bahnlinie hier etwa 2 Kilometer von der Küste entfernt und man muss für Hin- und Rückweg eine Stunde (eher langweiligen) Fußmarsch einplanen oder nochmal extra einen Bus nehmen.