Ebola in der DR Kongo: Unkontrollierter Ausbruch mit Superlativen
Der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo bricht etliche Rekorde. Hoffnung liegt auf der Entwicklung neuer Impfstoffe und Geld aus afrikanischen Staaten.
Foto: Moses Sawasawa/ap/dpa
„Ich kann nicht behaupten, dass wir diesen Ausbruch heute vollständig unter Kontrolle haben.“ Mit diesen Worten begann Jean Kaseya, Chef der afrikanischen Seuchenbekämpfungsbehörde (Africa CDC), seine wöchentliche Pressekonferenz, um über den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zu informieren. Die Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Der Ausbruch ist außer Kontrolle.
Mittlerweile bricht er sogar alle Rekorde: Mit fast 3.700 positiven Fällen und mehr als 1.600 Toten handelt es sich um den schlimmsten Ausbruch im Kongo sowie den schnellsten Ausbruch in der Geschichte der Menschheit. Mittlerweile sterben rund 300 Menschen pro Woche an dem tödlichen Virus – mehr als 60 Prozent davon zu Hause in ihren Betten. Diese Patienten erreichen die Ebola-Behandlungszentren überhaupt nicht mehr und infizieren damit in ihren Familien und Gemeinden weitere Menschen.
Mittlerweile sei die Liste an Kontakten, die sich möglicherweise angesteckt haben könnten und deswegen überwacht werden müssten, auf rund 17.500 Menschen angestiegen. Doch nur rund 14.000 Kontaktpersonen können effektiv überwacht werden. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei 44 Prozent der Infizierten.
Ebola-Teams sind oft nicht willkommen
Das größte Problem stelle neben der Unsicherheit inmitten des Kriegsgebietes die ablehnende Haltung bei der Bevölkerung dar. Immer wieder fahren Ebola-Teams in abgelegene Orte oder in Vertriebenenlager und werden dort nicht willkommen geheißen. Einige Male mussten die Teams sogar wieder abreisen. „Wir wollen keine militärischen Maßnahmen“, sagt Kaseya. Der kongolesische Seuchenexperte weiß, welches Risiko es birgt, die marode kongolesische Armee auf die Bevölkerung loszulassen. Um dieses Problem vor Ort zu erläutern, wolle er am Dienstag und Mittwoch selbst in die Region reisen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den Ausbruch im Osten des Kongo entlang der Grenze zu Uganda Mitte Mai als Internationalen Gesundheitsnotstand deklariert, da er viel zu spät entdeckt wurde. Mittlerweile lassen Forschungsergebnisse aus der am meisten betroffenen Provinz Ituri darauf schließen, dass die ersten Verdachtsfälle bereits im Januar auftauchten. Zwischen Januar und Mai seien bereits 500 Menschen mutmaßlich infiziert gewesen – bevor der Ausbruch offiziell bekannt wurde.
Dies führt nun dazu, dass die WHO, internationale Hilfswerke und Kongos Gesundheitsbehörden mit ihren Maßnahmen weit hinterherhinken, so Kaseya. Die Betten in den Behandlungszentren seien zum Teil voll belegt. Vor allem in der nördlichen Region der Provinz Nord-Kivu mit den Millionenstädten Beni und Butembo, in welcher die Regierung die Hoheit hat. In den Gebieten, die unter Kontrolle der Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) sind, seien keine weiteren Fälle gemeldet worden. Die Provinz Süd-Kivu, die teilweise unter M23-Kontrolle ist, ist seit 42 Tagen offiziell Ebola-frei. Auch Uganda hat die Lage erfolgreich unter Kontrolle bekommen. Seit mehr als drei Wochen wurden keine neuen Fälle mehr entdeckt.
Neue Impfstoffe in der Testphase
Aber es gibt auch gute Nachrichten. Seit Anfang Juli würden Freiwilligen Medikamente verabreicht, die die Viruslast senken – eine erste Teststudie an lebenden Patienten. Zwei neu entwickelte Wirkstoffe seien 41 Patienten verabreicht worden. Ein weiterer Test mit einem Wirkstoff sei gestartet, der das Virus abtöten soll, kurz nachdem die Menschen in Kontakt mit Infizierten waren. Dieser Wirkstoff sei vor allem für diejenigen wichtig, die Infizierte in ihren Häusern abholen oder Tote beerdigen. Am 28. Juli begann zudem die erste Testphase mit einem weiteren neu entwickelten Impfstoff, drei weitere Impfstoffe seien bald startklar.
Hoffnung macht auch die finanzielle Unterstützung. Für die Bekämpfung des Ausbruchs waren ursprünglich rund 520 Millionen US-Dollar kalkuliert worden. Mittlerweile sei aber doppelt so viel Geld eingegangen. Ein Großteil davon kommt von afrikanischen Staaten. Zudem seien 882 Millionen US-Dollar für humanitäre Hilfe gefordert worden, um etwa die Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Auch hier sei mit 904 Millionen US-Dollar mehr Geld eingegangen als verlangt.
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