Ebola in DR Kongo: Hoffnung auf Eindämmung
Im Epizentrum in der Demokratischen Republik Kongo wurden keine neuen Ansteckungen mehr verzeichnet, doch noch ist die Gefahr nicht gebannt.
Foto: ap/dpa
Es sei noch zu früh, zu sagen, der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sei „unter Kontrolle“, stellt Wessam Mankoula zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstag klar. Aber es zeichne sich derzeit ein positiver Wendepunkt ab, so der Seuchenexperte, der in der afrikanischen Seuchenkontrollbehörde (Africa CDC) für akute Ausbrüche auf dem afrikanischen Kontinent zuständig ist.
Mittlerweile sind laut den jüngsten Angaben im Osten des riesigen Landes 6.250 Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert. Davon ist fast die Hälfte – rund 3.000 – an der Fieberkrankheit gestorben.
Das Virus breitet sich auch flächenmäßig immer weiter aus: Mittlerweile sind 60 Gesundheitsbezirke in 6 Provinzen betroffen. Dies entspricht einer Fläche so groß wie Frankreich, so Mankoula. Damit gilt der derzeitige Ausbruch als der „schnellste“ in der Geschichte.
Der taz-Auslandspodcast Fernverbindung zu Ebola in Zentralafrika: Das Ebolavirus wütet derzeit heftig in der DR Kongo. Die Behörden versagen, das Virus ist außer Kontrolle. Wie konnte es dazu kommen?
„Aber es gibt auch positive Nachrichten“, fährt der Epidemiologe fort. Denn in 4 Gemeinden inmitten des Epizentrums in der Provinz Ituri nahe der ugandischen Grenze seien seit 42 Tagen keine neuen Ansteckungen verzeichnet worden. In fünf weiteren Distrikten seien seit 21 Tagen keine Übertragungen festgestellt worden.
Ein kleiner Meilenstein
Dies gilt als kleiner Meilenstein, denn das Virus hat eine Inkubationszeit von rund 21 Tagen. 42 Tage gelten unter Ebola-Experten als eine Zeitspanne, bei der man davon ausgehen kann, dass die Lage unter Kontrolle ist, da die Ansteckungen eingedämmt sind.
Dies schlägt sich auch in der Statistik nieder: Im wöchentlichen Vergleich reduziert sich nun in diesen Bezirken die Ansteckungsrate um rund 12 Prozent – ein gutes Zeichen, dass womöglich der „Höhepunkt“ in einigen Gebieten erreicht sei. Doch das Problem: Während die Zahlen in der Provinz Ituri, wo das Epizentrum liegt, heruntergehen, steigen sie in der Nachbarprovinz Nord Kivu extrem an.
Neu betroffen sind dort Dörfer in der Region Lubero tief im Dschungel, wo die Frontlinie zwischen den Truppen der Regierungsarmee und den Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) verläuft. „Zugang dorthin zu erhalten ist extrem schwierig“, so Mankoula.
Verbessert habe sich auch die Bereitschaft in den Gemeinden, die Kranken zu melden und Infizierte abholen zu lassen, damit sie in den Behandlungszentren isoliert und versorgt werden. Dies galt bislang als das größte Problem: Bisher starben rund 60 Prozent zu Hause in ihren Betten, wo das Risiko groß ist, dass sich ganze Familien anstecken oder auch Nachbarn, die helfen, die Toten zu beerdigen.
Kriegsgebiete bereiten Sorge
In den meisten Fällen weigerten sich Familien, die Kranken in die Ebola-Behandlungszentren zu bringen. Doch dies ändert sich, so Mankoula. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und zahlreiche Hilfswerke sowie die kongolesischen Gesundheitsbehörden haben in den vergangenen Wochen in vielen Dörfern die Dorfvorsteher sensibilisiert. Diese würden nun öfter neue Verdachtsfälle melden, die dann abgeholt und isoliert werden können, bevor Angehörige sich anstecken.
„Das gibt nun Hoffnung, dass sich die Lage bald ändert“, so Mankoula. Allerdings gibt es noch immer Dörfer in den Kriegsgebieten, in die noch kein Hilfsarbeiter einen Fuß gesetzt hat.
Positive Entwicklungen sehen die Mitarbeiter des Africa-CDC auch in der Tatsache, dass die Mitarbeiter der kongolesischen Gesundheitsbehörden seit dieser Woche endlich voll bezahlt werden und die ersten Impfungen und Medikamente zur Prophylaxe erhalten, um Ansteckungen während ihrer Arbeit zu vermeiden.
216 Mitarbeiter hätten sich freiwillig gemeldet, um die neu entwickelten Wirkstoffe darauf zu testen, ob sie nach einem Kontakt mit Infizierten eine Ansteckung verhindern. Mehr als 1.000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden seien bereits landesweit geimpft worden. Derzeit werden mehrere Impfstoffe getestet: In Großbritannien und Kanada laufen klinische Versuche. Ein in Ägypten entwickelter Impfstoff soll ab nächster Woche in Kongo selbst in die Testphase gehen.
Schulstart birgt neue Herausforderungen
Hoffnung, aber auch Sorgen bereitet den Seuchenexperten derzeit der Schulanfang im Kongo. Eigentlich war angedacht, dass die rund 100 Schulen in den am schwersten betroffenen Ebola-Gebieten wieder Homeschooling-Maßnahmen ergreifen, ähnlich wie während der Coronapandemie.
Die Lehrer sollten in den Klassenzimmern Unterrichtsmaterialien vorbereiten, die von den Schüler*innen abgeholt und dann zu Hause erledigt werden, gepaart mit Unterrichtsstunden online und über Radio. Doch dann stellte sich heraus, dass dazu die nötige Ausrüstung fehlt: von Computern über Internetzugänge, Kopier- oder Radiogeräte. Dies bedeutet nun kurzum, dass die meisten Schulen doch Präsenzunterricht machen.
In den ersten Tagen des neuen Schuljahres mangelte es zudem in vielen Schulen im Ebola-Gebiet an Desinfektionsspray, Seife oder gar fließend Wasser. „Unsere Teams vor Ort arbeiten eng mit dem Bildungsministerium zusammen, um sicherzustellen, dass die Richtlinien für eine sichere Wiedereröffnung der Schulen umgesetzt werden“, versichert Mankoula.
Sobald diese Hygienevorrichtungen angeliefert und installiert werden, erhoffen sich die Seuchenexperten auch einen positiven Effekt: „Wenn die Kinder in den Schulen über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden, gehen sie vielleicht nach Hause und klären ihre Familien darüber auf.“
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