Ebolapatient in Berlin: US-amerikanischer Arzt in der Charité aufgenommen
Auf der Sonderisolierstation in Berlin wurde ein US-amerikanischer Arzt aufgenommen. Er hatte sich in der DR Kongo mit dem Ebolavirus infiziert.
dpa | Ein mit dem Ebolavirus infizierter US-Amerikaner wird in einer Spezialstation der Berliner Charité versorgt. Der Mann hatte sich bei einem Ausbruch des Ebolafiebers in der Demokratischen Republik Kongo angesteckt. Die US-Behörden baten die Bundesregierung wegen der kürzeren Flugzeit nach Deutschland um Hilfe.
Wie gefährlich ist es für die Bevölkerung, wenn ein Ebolainfizierter nach Deutschland kommt?
Weder für die Bevölkerung noch für Patientinnen und Patienten der Charité, wo der Mann behandelt werden soll, besteht Gefahr, wie das Bundesgesundheitsministerium betont. Der Patient werde vollständig isoliert auf einer Sonderstation aufgenommen und behandelt. Diese sei komplett vom regulären Klinikbetrieb getrennt.
Auch im Umgang mit möglicherweise kontaminierten Materialien gelten höchste Sicherheitsstandards. Das Abwasser werde in speziellen Tanks gesammelt, aufbereitet und neutralisiert. Die gebrauchten Schutzanzüge und anderer Müll werden durch ein spezialisiertes Unternehmen entsorgt. Darüber hinaus werde die Abluft des Gebäudes durch zwei Filtersysteme gereinigt, bevor sie nach außen geleitet wird.
Warum kommt der Patient auf die Sonderisolierstation der Charité?
Die Sonderisolierstation der Charité ist laut Ministerium die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland – und zudem die Einzige, die Infektiologie und Intensivmedizin miteinander verbindet. Das Personal trainiere zweimal im Monat Abläufe und Notfallszenarien. Die Station sei eine in sich geschlossene Einheit und ermögliche die Isolation von bis zu 20 Personen gleichzeitig, ohne die Abläufe des restlichen Krankenhauses zu beeinträchtigen.
Wie kann der Mann behandelt werden?
Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten bei der Aufnahme ab. Deshalb beginnt laut Ministerium zunächst eine tiefgehende Untersuchung und Diagnostik: Die räumliche Nähe zum Robert Koch-Institut sei dabei ein großer Vorteil. In einem Speziallabor könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem komplexe Blutuntersuchungen machen.
Am wichtigsten sei die Möglichkeit, den Patienten trotz höchster Schutzstufe intensivmedizinisch behandeln zu können – das erhöhe die Überlebenschancen deutlich. Dank neuer Behandlungsmethoden und Medikamente ist die Sterblichkeit laut Bundesgesundheitsministerium von ursprünglich rund 60 Prozent auf heute etwa 20 bis 30 Prozent gesunken.
Wie verläuft die Krankheit?
Die Übertragung von Ebolaviren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen oder deren Körperflüssigkeiten. Die Krankheit beginne dann oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde der Verlauf allerdings schwerwiegender. Letztlich sei die Todesursache in den meisten Fällen Multiorganversagen.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schätzt den Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo als dramatisch ein – hält eine kontrollierte Versorgung aber für möglich. „Ebolabehandlung ist kompliziert und auch nicht ungefährlich, aber es ist auch kein Grund, in Panik zu verfallen. Man kann in einem kontrollierten Setting gut damit umgehen“, sagte der Epidemiologe Maximilian Gertler von der Charité in Berlin dem RBB-Inforadio. Dieses kontrollierte Setting wolle man in der Region etablieren für die Patientenversorgung. „Das ist unser Fokus, da kennen wir uns aus, da kann man dann auch viel erreichen.“
„Das sind wirklich dramatische Zahlen, gerade dafür, dass die Epidemie erst seit drei Tagen bekannt ist“, sagte der Epidemiologe. „Da muss man annehmen, dass es schon eine ganze Zeit schon sehr fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte und die Epidemiebekämpfung starten konnte.“ Es handle sich im Allgemeinen um lokale Geschehen, „bei denen die Infektion gar nicht so ansteckend ist wie zum Beispiel ein atemwegsübertragenes Virus“. In einer Region mit schwacher Infrastruktur und politischer Instabilität gebe es aber keine vernünftige Versorgung.
„Im Moment sind wir damit beschäftigt, Teams und Experten auf der ganzen Welt zusammenzutelefonieren, die wir in unseren Einsätzen bereits hatten oder die sich mit diesen Erkrankungen auskennen“, sagte der Facharzt. „Wir ziehen Personal aus Projekten in Afrika zusammen in die Region. Wir mobilisieren tonnenweise Material mit Schutzausrüstung und Gerät, um Isolierstationen zu improvisieren, zu bauen.“
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