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EU-Reaktion auf CeutaAlle gegen Spanien

Nach der Ceuta-Krise gerät Pedro Sánchez unter Druck. EU-Staaten fordern eine härtere Migrationspolitik, Spaniens Rechte spricht von einer „Invasion“.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez fühlt sich verraten. Länder wie Italien oder Finnland hätten Spanien nach dem Massenansturm von über 50.000 Immigranten auf die Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste im Stich gelassen, angetrieben von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen“, schimpft der Chef einer Linkskoalition, nachdem beide forderten, Spanien vom Schengenabkommen auszuschließen. Auf Betreiben der rechtsextremen italienischen Regierung unter Giorgia Meloni unterzeichneten zudem 22 der 27 EU-Staaten – darunter Deutschland – einen Brief, in dem sie die spanische Migrationspolitik kritisierten und Brüssel zu einem härteren Vorgehen gegen irreguläre Migration aufforderten.

„Wir haben die Pflicht, irreguläre Migration wirksam abzuschrecken und unerbittlich zu bekämpfen“, betonten die europäischen Staats- und Regierungschefs in ihrem Schreiben und werfen Spanien eine Politik vor, die Immigranten anziehe, da sie „als Anreiz dient, wie etwa die Regularisierung einer sehr großen Anzahl irregulärer Einwanderer“. Spanien hatte zu Jahresbeginn einen Prozess gestartet, bei dem bis zu einer Million bereits seit längerem im Lande lebende und arbeitende Immigranten Papiere erhalten werden. Sánchez verteidigt dies immer wieder als Frage der „sozialen Gerechtigkeit“.

„Die Europäische Union kann eine derart egoistische, polarisierende und illegale Reaktion nicht zulassen“, beschwert sich der spanische Premier in einem eigenen Schreiben an die EU. Darin verweist er auf die Statistiken, denen zufolge zwischen 2021 und 2026 über Italien 478.600 irreguläre Einwanderer in die EU kamen, über Spanien nur knapp halb so viele. Außerdem erklärt er, dass für die restlichen EU-Länder keinerlei Gefahr bestand. Denn die beiden spanischen Exklaven an der nordafrikanischen Küste, Ceuta und Melilla, gehören nicht zum Schengenraum. Wer von dort auf die iberische Halbinsel reist, muss die Schengen-Außengrenze passieren und wird deshalb streng kontrolliert.

Sánchez forderte ein dringendes Treffen

Sánchez forderte ein dringendes Treffen mit den EU-Innenministern, um zu bekräftigen, dass die Sicherheit der EU-Außengrenzen eine gemeinsame Verantwortung aller Mitgliedstaaten sei. Am Dienstag wird es nun zu einer Videokonferenz und damit einem direkten Schlagabtausch kommen. Zu Hause verliert die rechte und rechtsextreme Opposition kein Wort über die Verantwortung Marokkos an der Krise. Stattdessen schießt sie sich auf Sánchez ein und wirft ihm „verspätetes Handeln“ vor. So etwa der Chef der größten Oppositionspartei, der konservativen PP, Alberto Núñez Feijóo. Er reist zwei Tage nach dem Massenansturm pressewirksam nach Ceuta – als die meisten Im­mi­gran­t:in­nen die Stadt bereits wieder verlassen haben und weitgehend Normalität herrscht.

Parallel zu Feijóos Besuch trafen auch mehrere Dutzend spanische Nazis in Ceuta ein. Sie demonstrierten unter Polizeischutz gegen Sánchez und dem, was sie „muslimische Invasion“ nennen. Es versammelten sich Hunderte Gegendemonstranten. Ein bunter Haufen aller Kulturen und Religion, die in Ceuta zu Hause sind – „Christen, Muslime, Atheisten gegen Faschisten“, erklärte eine Teilnehmerin vor laufenden Kameras. „Ceuta vereint und nicht geteilt“, riefen die überwiegend jungen Teilnehmer immer wieder.

Feijóos PP regiert in vier Regionen – Andalusien, Aragonien, Kastilien und León sowie Extremadura – mit der rechtsextremen Vox. Gemeinsam kündigten sie an, Hilfsorganisationen wie der Caritas die Förderung zu streichen, um „zu verhindern, dass auch nur ein Euro öffentlicher Gelder an diejenigen fließt, die diese Invasion unterstützen“. Vox fordert seit Jahren die „Remigration“ von acht Millionen Menschen – auch von Eingebürgerten. Parteichef Santiago Abascal droht: „Wenn die Regierung die Einwanderer nicht ausweist, werden es die Spanier tun.“

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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11 Kommentare

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  • In den spanischen Medien wird berichtet, das laut Maroko die Mafia und die Desinformation die Schuld zugewiesen wird.



    Das klingt ja wie Trump...

  • Die Ultra-Rechten weiterhin mit tosendem Gebrüll, man kann sie mittlerweile alle in einen Topf schmeißen: VOX, AfD, Meloni, Feijóos PP, Putin, Trump und die da, von der Leyen blasen ins selbe Horn: Raus, Weg, Auffanglager -ohne würdiges Konzept, einfach bloß den Tritt in den Hintern.



    Eine widerliche Arroganz. Für die Faschisten ein gefundenes Fressen.



    Über diesen miserablen marokanischen "König" der Milliarden sein eigen nennt und das Volk sadistisch leiden lässt, verliert niemand ein Wort. Unantastbar, weil er von Trump sehr wahrscheinlich gedeckt wird.

  • Der einzige Regierungschef in der EU, der Ar... in der Hose hat ist Sanchez. Ich wünschte, dass es davon deutlich mehr gäbe. Er interessiert sich für die Probleme der Menschen, aller Menschen und nicht ausschließlich für die Profitinteressen der Wirtschaft. Genau diese Politik macht ihn zum Ärgenis der meisten anderen Regierungschefs in der EU und, ja , auch der EU selber. Leute wie Merz oder vdL sehen das als blanken Sozialismus, sie verachten das - wider ihren Schwüren "zum Wohle des Volkes"

  • Das muss man sich mal vorstellen: Da wird Spanien gepiesackt und hektisch eine Konferenz der EU-Aussenminister einberufen, weil die marokkanischen Flüchtlinge eine Bedrohung darstellen. Dann muss Spanien den anderen erst mal erklären, daß Ceuta gar nicht zum Schengenraum gehört.

    Es ist beunruhigend, daß all die anderen Spezialisten nicht mal das gewusst haben.

    • @Josef 123:

      Nur so zur Info:



      Lokalmedien berichteten am Sonntag von Ankünften von Schnellbooten und Jetskis mit Migranten an der Küste des nur knapp 20 Kilometer entfernten spanischen Festlands – und damit im Schengen-Raum.

      • @DukursH:

        Ich weiß nicht, welche Lokalmedien das berichtet haben sollen. Aber: 60 000 Menschen mit Jetski und Schnellboten über die Straße von Gibraltar transportieren? Waren Sie schon mal dort?

        Und warum dann zuerst unter Lebensgefahr nach Ceuta schwimmen und nicht gleich aus Marokko starten?

        Diese Info ergibt für mich insgesamt keinen Sinn.

    • @Josef 123:

      Die Tatsache, dass Ceuta nicht zum Schengenraum gehört ist unerheblich, den Spanien bringt Flüchtlinge regelmäßig auf das spanische Festland. Erst wenn Spanien die unterlässt und Flüchtlinge ausschließlich in Ceuta verbleiben, wäre das Argument insoweit nachvollziehbar.

      • @DiMa:

        Ihre Quellen kenne ich nicht, meine sagen z.B. sowas:

        "Ceuta gehört zu Spanien, Spanien ist Teil des Schengen-Raums. Aber Migranten auf Ceuta kommen nicht so einfach auf das europäische Festland. Denn für die Exklaven gilt innerhalb des Schengenraums eine Sonderregelung. Wer von dort auf das spanische Festland oder in andere Teile des Schengenraums reist, wird grundsätzlich erneut kontrolliert.



        Sollten die Migranten also dennoch versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, würden sie zunächst an einer EU-Außengrenze ankommen. Laut EU-Kommission gibt es bisher aber keine Anzeichen dafür, dass die Menschen diesen Versuch unternehmen. Darüber hinaus deutet derzeit nichts darauf hin, dass die spanischen Behörden die Menschen aufs Festland bringen wollen." (tagesschau.de, Stand: 01.08.2026 • 14:08 Uhr)

        • @Josef 123:

          Spanien hat sich bei der Aufnahme in die EU geweigert, Ceuta als Exklave zu bezeichnen (anders als Dänemark, England oder Frankreich). Ceuta ist damit Teil des Schengenraumes und damit entsprechend zu schützen. Es gelten lediglich Sonderbedingungen, die jedoch nicht mit dem Schutz der Außengrenze zu tun haben.

          • @DiMa:

            Geben Sie bitte Quellen an. Eine meiner Quellen sagt: "Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla - in die ebenfalls Migranten eindrangen - gehören allerdings nicht zum Schengen-Raum." (ZDFheute.de, 31.07.2026 | 18:56)

    • @Josef 123:

      Natürlich ist das eine Bedrohung für Spanien.



      Sehr kurzfristig mehrere tausend, wahrscheinlich unberechtigte, Ankömmlinge zu Versorgen übersteigt die Möglichkeiten der Verwaltung vor Ort und auch der nächsthöheren Ebenen.



      Und wenn dann um Hilfe gebeten wird, erfolgt als billige Ausrede dann von anderen Ländern eventuell noch der Verweis, das dies ja gar kein Schengenraum ist, und damit das alleinige spanische Problem.