Dubais Emir und Prinzessin Latifa: Die Mär vom Übermorgenland

Die Entführung Latifas hat international Wellen geschlagen. Möglich ist, dass der rigide Emir bald auch zu anderen Fragen Stellung beziehen muss.

Scheich Mohammed bin Raschid al Maktum, der Herrscher Dubais, Vater und Entführer Latifas, mit weißem Kaftan und Kopftuch bei einer Veranstaltung für Frauenrechte

Latifas Vater und Kidnapper Raschid al Maktum bei einem internationalen Frauenforum in Dubai Foto: Christopher Pike

Viel, viel Geld, Luxus, Sonne und ein unbeschwertes Leben in einer Glitzerwelt. Das ist das Image vom Übermorgenland, mit dem sich die Vereinigten Arabischen Emirate, allen voran Dubai, gerne präsentieren. Dafür haben sie sogar eine ganze Reihe deutscher Influencer eingeladen, dort zu leben und steuerfrei das Hohelied der arabischen Autokraten zu singen.

Doch das Image bekommt immer wieder Risse, nicht nur weil das Land weder eine Demokratie noch ein Rechtsstaat ist und sich sozusagen im Privatbesitz einiger Emire befindet. Diesmal ist es eine Familiengeschichte des Emirs von Dubai, Mohammed bin Raschid Al Maktum, die in die Schlagzeilen geraten ist. Es geht um das Menschenrecht von Prinzessin Latifa, der Tochter des Emirs.

Sie schaffte es mit der Geschichte ihrer Flucht und anschließenden Entführung – Zwangs-Rückflug im Privatjet – und Festsetzung in einer unbekannten Villa letzte Woche sogar in das prestigereiche BBC-Investigations-Programm „Panorama“. Schaurig sind die heimlich von ihr aufgenommenen Videos im Badezimmer, in denen sie ihre Geschichte erzählt. Das Ganze hat solche Wellen geschlagen, dass das Herrscherhaus in Dubai sich nun veranlasst sah, sich öffentlich zu äußern.

Latifa werde von ihrer Familie und medizinischem Personal zu Hause betreut, ließ es verlauten. Kein Lebenszeichen, kein Foto oder Video. Niemand wird zu ihr vorgelassen. Nichts also, das jene, die sich um ihr Wohlergehen sorgen, auf irgendeine Weise beruhigen könnte, nichts, das den Riss im Image wider kitten könnte. Vielleicht geht es sogar so weit, dass international nun mehr Fragen in Richtung der Emirate gestellt werden.

Etwa über die Verwicklungen des Landes im Jemenkrieg, den die UN als die größte menschengemachte humanitäre Katastrophe bezeichnet. Oder über die Waffen und Söldner, mit denen die Emirate seit Jahren den Libyenkonflikt massiv angefeuert haben. Da könnte der Hilferuf der verzweifelten Prinzessin von Dubai nur der Anfang sein. Wenn nicht am Ende doch wieder alles mit viel Geld, Beteiligungen an multinationalen Firmen und Milliarden­aufträgen zugekleistert wird.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildung: Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben