DuMont übernimmt „Kölnische Rundschau“: Was Presse und Brauereien verbindet
DuMont hat die „Kölnische Rundschau“ übernommen. Es bleibt ein stolzer Titel, aber sonst kaum Eigenes. Da gibt es Parallelen zu Bier.
D ie deutsche Zeitungsbranche schaut zur Abwechslung gerade mal einigermaßen optimistisch in die Zukunft. Das ist die gute Nachricht aus der „Trendumfrage 2026“ des Branchenverbands BDZV. Am optimistischen agiert derzeit der Kölner Heinen-Verlag, der seine Kölnische Rundschau jetzt endgültig und komplett beim großen Bruder DuMont unterstellt und quasi in die ewigen Verlagsgründe eingeht.
DuMont gibt in der Domstadt und Umgebung schon ewig den Kölner Stadt-Anzeiger heraus. Auf der Verlagsseite, also bei Druck, Vertrieb, usw., haben beide Verlage schon seit 1998 gemeinsame Sache gemacht. Jetzt wandert mit der Rundschau-Redaktion auch die journalistische Seite zu DuMont. Natürlich soll das Blatt dabei eigenständig bleiben. Bloß auf ein paar Redakteur:innen verzichten muss es natürlich auch. Deswegen ist bei der Rundschau schon mal ordentlich gekündigt worden. Hier droht die nächste Zombie-Zeitung zu entstehen. Es bleibt ein stolzer Titel, aber sonst kaum Eigenes.
„Die deutsche Regionalpresse teilt schon seit Jahrzehnten das Schicksal der deutschen Brauereien. Immer mehr Journalismus kommt aus ein und demselben Redaktionskessel. Wie im Biermarkt wird am Ende die angebliche Angebotsvielfalt durch individuelle Etikettierung sichergestellt. Die Zahl der deutschen Zeitungstitel bleibt dabei mehr oder minder stabil. Die publizistische Vielfalt ist dagegen in den vergangenen Jahren dramatisch geschwunden.“
(Offenlegung: Dieser Absatz stand im Dezember 2012 exakt so schon mal in der taz. Bloß mit Doppelpunkt hinter den Brauereien, weil es die Mitbewohnerin noch nicht gab.) „Krass, Textrecycling ist ja noch dreister als Gedankenstrich und Doppelpunkt“, sagt die Mitbewohnerin.
Die Debatte hat klare Unwucht
Doch egal ob Kölsch oder Pils, Einzeitungskreise sind heute die Regel, auch in vielen Großstädten. Und die „Konsolidierung“, lies Fusionitis der deutschen Presse, nimmt an Fahrt immer weiter zu. Die Spielregeln des Pressekartellrechts wurden immer großzügiger. Wenn nun ein kleiner lokaler Verlag geschluckt wird, gucken die Wettbewerbshüter mit oder ohne Bier von der Seitenlinie zu. Und das führe eben „zur Verstärkung von Fusionen auf der lokalen Ebene und zum Rückgang von Vielfalt“, sagte vergangene Woche Gunnar Kallfaß vom Bundeskartellamt bei einer Fachveranstaltung der Grünen Bundestagsfraktion.
„Die Debatte darüber hat dabei eine klare Unwucht. Denn natürlich geht es eigentlich gar nicht um die Zukunft der Zeitungen, sondern um die Zukunft des Journalismus und der mit ihm verbundenen Marken. Dass die Verlage ein über Jahrzehnte höchst einträgliches Geschäftsmodell für das Bedrucken und Verteilen von Papier hatten, es mit dem für die digitale Welt aber immer noch hapert, ist hinreichend beschrieben.“ (Auch dieser Absatz ist 14 Jahre alt, was eine magische Zahl zu sein scheint.)
Die Zukunft des Journalismus und die Medienvielfalt sind weiter bedroht. Eins immerhin hat die Branche begriffen. Print ist nicht mehr die Zukunft. Laut Trendumfrage 2026 rechnet die Mehrheit der Verlage jetzt mit dem Ende der gedruckten Zeitung bis 2040, also in den nächsten 14 Jahren. Hoffentlich hält die Rest-Rundschau so lange durch!
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert