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Drohnen- und RaketenangriffeWie der Iran-Krieg internationale Flüge lahmlegt

Auch am Montag blieben Drehkreuze wie die Flughäfen in Dubai und Doha gesperrt. Ein Experte schätzt, wie lange der Verkehr eingeschränkt bleibt.

Dubai, 1. März: Touristinnen entspannen sich am Kite Beach. Zahlreiche Reisende sitzen fest, der Flughafen von Dubai steht still Foto: Amr Alfiky/reuters

Mikus Wolter weiß noch nicht, wie er zurück nach Deutschland kommt – der Krieg der USA und Israels mit Iran hat seine Reiseplanung ins Wanken gebracht. Er hat das vergangene halbe Jahr in Südafrika gearbeitet, erst vier Monate in Kapstadt, dann zwei in Johannesburg. Am Freitag hat der Medizinstudent seinen letzten Tag im Krankenhaus dort, am Montag darauf muss er in einer Klinik in Wuppertal auf der Matte stehen, für den nächsten Teil seines Praktischen Jahrs. Doch dass sein Flug über Doha, die Hauptstadt von Katar, am Wochenende wie geplant startet, ist unwahrscheinlich.

Seit die Regierungen der USA und Israels Luftangriffe auf Ziele in Iran fliegen und das iranische Regime mit Raketen und Drohnen auf Ziele in der Golfregion reagierte, ist der internationale Luftverkehr massiv eingeschränkt. Die Handels- und Personenschifffahrt im Nahen Osten sind großteils lahmgelegt.

Auch der Energiesektor ist betroffen: Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP stoppte etwa der staatliche Energiekonzern QatarEnergy am Montag wegen militärischer Angriffe die Produktion von Flüssigerdgas. Wann die Produktion wieder aufgenommen wird und ob sich der Produktionsstopp auf die viel kritisierten Handelsbeziehungen Deutschlands mit Katar auswirkt, ist noch unklar. Laut Lieferverträgen Katars mit Deutschland soll das Emirat ab diesem Jahr fossiles Flüssiggas an die Bundesrepublik liefern.

Noch am Montagmorgen hatte ein Sprecher des katarischen Außenministeriums dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN erklärt, dass Katar iranische Angriffe auf zivile Infrastruktur, auch auf den internationalen Flughafen in der Hauptstadt Doha, abgefangen habe. Dennoch hoben dort, an einem wichtigen internationalen Drehkreuz, erstmal keine Maschinen ab. QatarAirways hat den Betrieb vorerst vollständig eingestellt. Sobald die katarische Behörde für zivile Luftfahrt den Luftraum als sicher erklärt, will die Airline den Betrieb wieder aufnehmen.

Leerer Luftraum über Iran, Irak und Kuwait

Den Luftraum Iran, Irak und Kuwait kreuzte am Montagnachmittag nach Angaben der Plattform Flightradar24 kein Flugzeug. Die zwei Flughäfen in Dubai, weitere Drehscheibe, standen zeitweise ebenfalls still. Beide wollten am Montagabend den Flugverkehr wieder aufnehmen, wie der Betreiber laut der Nachrichtenagentur AFP erklärte. Eine „begrenzte“ Zahl von Flügen könne starten.

Bei einem mutmaßlichen Angriff auf den internationalen Flughafen in Dubai wurden vier Mitarbeitende verletzt. Ein Drohnenangriff auf den Flughafen in Bahrain verursachte einen Sachschaden, in Abu Dhabi soll es einen weiteren Einschlag gegeben haben. Tausende Flüge sind betroffen, normalerweise starten allein in Dubai täglich mehr als 1.000 Maschinen.

Zahlreiche Reisende sitzen fest, laut dem Deutschen Reiseverband sind weltweit rund 30.000 Pas­sa­gie­r:in­nen deutscher Reiseveranstalter betroffen. Die Sperrungen erschwerten auch die Evakuierung deutscher Reisender.

Eric Schouten, Gründer der Beratung Dyami für Luftfahrtsicherheit, schätzt, dass die Einschränkungen noch „einige Wochen“ andauern werden. Fluggesellschaften müssten das Risiko für Evakuierungsflüge gut abwägen. „Ich rate, nicht in den Nahen Osten zu reisen“, sagte Schouten im Gespräch mit der taz eindringlich. Der Luftraum in der Region werde noch eine ganze Weile „instabil“ bleiben, das müssten sich Reisende bewusst machen.

Kreuzfahrtschiffe von TUI Cruises betroffen

Auch Kreuzfahrtschiffe hängen zurzeit fest. Zwei Schiffe des deutschen Anbieters TUI Cruises mit insgesamt rund 5.000 Gästen stoppten ihre Reise zum Beispiel vorerst, die Pas­sa­gie­r:in­nen befanden sich am Montag noch an Bord. Gäste beider Schiffe in Doha und Abu Dhabi berichteten dem Focus von iranischen Drohnenangriffen in der Nähe der jeweiligen Anleger. Bei Angriffen auf Handelsschiffe nahe der Straße von Hormus gab es laut dem Verband Deutscher Reeder Verletzte und Todesopfer – deutsche Schiffe und Seeleute seien bisher nicht betroffen.

Mikus Wolter plant, seinen Flug zurück nach Deutschland umzubuchen. Eine Verbindung führt über Windhoek und von dort direkt nach Deutschland, Doha bliebe außen vor. Medizinstudierende dürfen in ihrem Praktischen Jahr nur wenig Fehltage haben, die Zeit zwischen der Arbeit in Johannesburg und in Wuppertal sei knapp bemessen. Trotzdem sagt Wolter: Er sei sich bewusst, dass sein Problem mit der Flugverbindung vergleichsweise klein ist. „Ich drücke allen, die schwerer vom Konflikt betroffen sind, fest die Daumen.“

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